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Köln.Sport

Ben Parker: Neustart im Rheinland

Ben Parker guckt einem Ball hinterher

Den Erfolg fest im Visier: Der Engländer Ben Parker will im Rheinland richtig durchstarten
Foto: Kühlborn

Der Brite Ben Parker galt einst als Jahrhunderttalent im Golfsport. Nach einer schweren Verletzung und Jahren sportlicher Enttäuschung will er nach einem Umzug ins Rheinland wieder voll angreifen. 

Jason Day, die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste, Rory ­McIlroy und Ricky Fowler, die im Klassement Ende April 2016 an Position drei und fünf geführt werden – es ist das „Who’s who“ der internationalen Golfszene, das Ben Parker aufzählt. Gegen all diese Topstars hat der 28-jährige Engländer mit dem smarten Lächeln gespielt. „Ich war sportlich schon einmal in ihren Sphären. Und genau da will ich wieder hin.“

Die Geschichte von Ben Parker beginnt in der britischen Hafenstadt Southport, nördlich von Liverpool gelegen. Der Golfsport bestimmt von Beginn an das Leben des kleinen Ben, der seinen Namen dem legendären Ben Hogan verdankt. Dem Mann mit dem perfekten Schwung. „Das Golfen liegt mir wohl in den Genen“, sagt Parker. Als er zwei Jahre alt und mit dem Golfschläger in der Hand schon bemerkenswert talentiert ist, zieht die Familie nach Deutschland. In Hamburg arbeitet der Vater als Golflehrer, die Mutter betreibt den Pro-Shop im Golfclub Gut Waldhof – die perfekte Umgebung für den jungen Ben und seine Schwester Florentyna. Mit 15 beziehungsweise 13 Jahren gelten die beiden als Wunderkinder ihrer Sportart.

Ben zählt zu den besten Spielern seiner Altersgruppe, teet für die Junio­renauswahl Englands auf und gewinnt das European Young Masters. Zweiter wird Rory McIlroy. Der Erfolg bleibt den Parkers treu: Sowohl ­Florentyna, die seit 2009 auf der ­Ladies European Tour spielt, als auch ihr älterer Bruder heimsen zahlreiche Erfolge ein: Mit 18 gewinnt Ben das größte Jugendturnier der Welt, die Junior Orange Bowl. Im letzten Flight spielt er an der Seite von Ricky Fowler.

Ben Parker vor einem See

Alter 28
Beruf Playing Golf-Professional
Handicap ehemals +5
Golfspieler seit 1989
Runden pro Woche 5
Lieblingsgolfer Ben Hogan,
Tiger Woods
Am liebsten auf der Runde mit Max „Kiwi“ Kieffer / Foto: Kühlborn

Nach der Schule geht er für ein halbes Jahr nach Australien. Natürlich nicht, ohne Golf zu spielen. Als Amateur gewinnt er 2006 sein erstes Profiturnier, die Tasma­nian Open, bei der auch ­Jason Day zum Starterfeld gehört. Ausgestattet mit einer Startberechtigung für die ­Challenge Tour, wird Parker ­Profi. Die Frage scheint nicht zu lauten, ob Ben Parker ganz oben ankommen wird, sondern wann.

Doch auf dem scheinbar so geradlinig verlaufenden Weg nach oben wird der ambitionierte Hamburger jäh ausgebremst. Ein kurzes, fieses Stechen in der Schulter. Mehr ist es zunächst nicht. Beim gemeinsamen Schwungtraining mit seinem Vater wird ihm der Umgang mit einem Speed Stick zum Verhängnis.

„Autounfall in der Schulter“
Trotz anhaltender Beschwerden spielt Parker ein Turnier in Kenia. Mit Schmerzmitteln kann er starten. „Ich war zu diesem Zeitpunkt richtig gut drauf und davon überzeugt, es auf die European Tour zu schaffen“, erzählt er. Nach einem Bunkerschlag werden die Schmerzen aber zu stark und er muss aufgeben. Der aufstrebende Pro legt eine einmonatige Zwangspause ein, doch die Ursachen für die Schulterprobleme finden die Ärzte nicht.

Eine Einladung für die European Tour erhält Parker trotzdem. Er startet bei den Austrian Open, doch schon in der ersten Runde kehren die Schmerzen zurück. „Es hat sich angefühlt, als würde mir jemand ein Messer in die Schulter rammen“, beschreibt er. Erst ein Schulterspezialist erkennt die schwerwiegende Verletzung. „Meine Schulter sah aus wie nach einem Autounfall. Die Gefahr, dass ich meine Karriere hätte beenden müssen, war sehr groß.“

Ben Parker von hinten

Ben Parker trainiert viel und gerne im Kölner Golfclub
Foto: privat

Insgesamt verpasst Ben Parker drei volle Spielzeiten. Doch dank seines eisernen Willens kann er ein Karriereende abwenden. „Ich habe mir immer vorgestellt, wie ich wieder Bälle schlage. Dann habe ich mir die Haare abrasiert, weil ich wusste, wenn sie wieder lang sind, kann ich wieder auf den Platz zurück.“ Bis zu sechs Stunden am Tag schuftet er in der Reha – mit Erfolg. Die Lust auf Golf ist ungebrochen: „Ich habe trainiert wie ein Verrückter. Der Dank war eine Sehnenscheidenentzündung in beiden Handgelenken“, erinnert sich Ben und lacht.

Doch das sportliche Leistungsvermögen und die Erwartungshaltung passen nicht auf Anhieb wieder zusammen. „Ich hatte den Anspruch an mich und meinen Körper, dass ich sofort wieder meine volle Leistung abrufen könnte. Stattdessen habe ich erst mal ziemlich rumgehackt“, sagt der 28-Jährige. Während Day, McIlroy und Fowler die große Karriere machen, wird der Frust bei Parker immer größer. „Die Kosten auf der Challenge­ Tour sind gewaltig. Weil ich keine Sponsoren hatte, habe ich mir Geld von meiner Schwester geliehen. Ich wollte es unbedingt schaffen.“

Mentale Sicherheit holt sich Ben, dessen Spiel nur schleppend konstanter wird, schließlich in anderen Bereichen: Ein Studium im Bereich Golfcourse Management, für das er ein Stipendium erhält, wird zur Absicherung: „Das war mein Plan B. Es hat mir sehr geholfen und enormen Druck von mir genommen.“ Doch bei aller Sicherheit, die zahlreiche Jobangebote­ mit sich bringen, verliert Ben Parker ein Ziel trotz aller Rückschläge nie aus den Augen: „Ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass ich unbedingt Golf spielen will. Und ich habe nie daran gezweifelt, dass ich zurückkommen kann.“

GOLFSPIEL

Die Geschichte ist der aktuellen GOLFSPIEL 2/2016 entnommen

Das Rheinland als Chance
Dass der Weg von Ben Parker nach langer sportlicher Leidenszeit wieder nach oben führt, hängt auch mit zwei nicht unerheblichen Faktoren zusammen: mit Maximilian Kieffer und einer neuen Heimat, dem Rheinland!

Ben und der 25-jährige Kieffer kennen sich schon lange. Der Bergisch Gladbacher schaffte 2012 den Aufstieg von der Challenge Tour auf die Euro­pean Tour und ist damit so etwas wie ein Vorbild für Ben Parker. Zudem verbindet die beiden Golfer eine Freundschaft. Zum Start der Saison 2015 begleitete Parker seinen Kumpel „Kiwi“ als Caddie auf drei Turnieren in Südafrika. „Einen Monat vor Beginn meiner Saison war das super wichtig für mich. Ich war danach richtig heiß, weil ich gesehen habe: Ich bin nicht weit weg!“

Ein Gefühl, das im Jahr 2016 verfestigt werden soll. Den Grundstein dazu bildete der Umzug von Hamburg ins Rheinland, wo Ben und Max Kieffer in Düsseldorf eine Golfer-WG gegründet haben. „Max hat mich gefragt, ob ich Lust dazu hätte. Und ich wäre ja blöd, wenn ich mir diese Chance hätte entgehen lassen“, sagt Parker, der von der gemeinsamen Zeit auf dem Trainingsplatz, auch wenn sie spärlich bemessen war, schwärmt: „Max ist ein toller Trainingspartner. Er ist sehr fleißig. Von unseren Wettkämpfen im Training kann ich nur profitieren“, sagt er begeistert.

Profitieren will der Engländer langfristig auch von den hervorragenden Bedingungen im Rheinland: „Es ist kein Zufall, dass die besten Golfer Deutschlands alle aus dieser Region stammen. Wo es gute Plätze gibt, da gibt es immer auch gute Spieler.“ Dieses Phänomen kennt Parker aus seiner Heimat. Gleich vier Golfer aus Southport spielen derzeit auf der Euro­pean Tour, darunter der 25-jäh­rige Tommy Fleetwood.

https://www.instagram.com/p/BERMuVVmDyE/

Ein dauerhaftes Startrecht auf der European Tour – das ist zumindest kurzfristig Bens Ziel. „Auf lange Sicht will ich aber schon mehr. Die Top 64 der Weltrangliste muss ich anpeilen, dann kann ich jedes Turnier spielen.“ Der ehrgeizige Sportler weiß, dass für das Erreichen dieses ambitionierten Ziels hartes Training unerlässlich ist. Während Parker über ein langes Spiel verfügt, mit dem er sicher auch den Großmeister Ben Hogan beeindrucken könnte, gilt das Kurzspiel als Ansatzpunkt für Verbesserungen. „Ich bin sicherlich nicht der beste Putter. Neben der Technik spielt dabei aber der Kopf eine besondere Rolle. Früher habe ich das nicht so ernst genommen, mittlerweile arbeite ich aber intensiv in diesem Bereich.“

Solider Saisonstart
Mit einem zwölften und einem siebten Rang bei zwei Turnieren auf der Pro Golf Tour in Marokko startete Ben Parker ordentlich, wenn auch nicht übermäßig erfolgreich in die Saison. Einem zweiwöchigen Trainingslager auf Mallorca sollte in Kenia dann eigentlich der erste Start auf der Challenge Tour folgen. Weil aber einige European-Tour-Spieler teilnahmen und zudem eine ungewöhnlich hohe Zahl an regionalen Spielern eingeladen wurde, musste Ben Parker unverrichteter Dinge die Heimreise antreten. „Das ist sehr frustrierend, vor allem, weil ich es im letzten Jahr mit einer schlechteren Kategorie ins Starterfeld geschafft habe.“

Ben Parker mit Pokal

Erster Turniersieg des Jahres: Ben Parker mit Pokal und Siegerlächeln in Marokko

Mitte April glückte in Marokko, erneut bei der Open Royal Golf Anfa Mohammedia, der erste Sieg auf der Pro Golf Tour, durch den Parker sich in der Weltrangliste bis auf Platz 704 vorschob. „Das Turnier scheint mir zu liegen“, sagt Parker. Wenn er nicht auf Reisen ist, stehen für den Briten Trainingseinheiten auf den Plätzen im Rheinland auf dem Programm, um sich bestmöglich auf weitere Herausforderungen vorzubereiten. „Je früher ich konstant gute Ergebnisse erziele, desto früher habe ich Planungssicherheit“ Und dann erscheint es durchaus möglich, dass Ben Parker in absehbarer Zeit wieder in engeren Kontakt zu einstigen Weggefährten wie Day, Fowler oder McIlroy tritt.

Stefan Kühlborn

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