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Kommentar zum Wehrle-Abschied: Gefährliche Drehung des Personalkarussells

Alexander Wehrle verlässt den 1. FC Köln. Damit ist die Geschäftsführung des Klubs demnächst völlig neu aufgestellt. Ein unnötiges Risiko, das zu verhindern gewesen wäre, meint Köln.Sport Herausgeber und Chefredakteur Fred Wipperfürth.
Beziehung erkaltet? FC-Präsident Werner Spinner (l.) und Geschäftsführer Alexander Wehrle auf der Tribüne im RheinEnergieStadion.

Beziehung erkaltet? FC-Präsident Werner Spinner (l.) und Geschäftsführer Alexander Wehrle auf der Tribüne im RheinEnergieStadion. (Foto: Herbert Bucco/Imago)

Köln – Natürlich ist das üblich im Big Business: Ein neuer CEO, ein Geschäftsführer oder ein Vorsitzender tritt seinen neuen Job an – und stellt ein neues, ein eigenes Team zusammen. Sein Team! Oft aus ihm vertrauten Menschen. Die er schätzt, deren Stärken er kennt, die ihm zugeneigt sind. Meist also Buddys.

1. FC Köln: Werner Wolf entscheidend an der Verpflichtung von Alexander Wehrle beteiligt

Beim 1. FC Köln wurde Dr. Werner Wolf im September 2019 neuer Präsident. Nur, so neu war er eigentlich gar nicht. Schon 2003 stieg er ein in den Verwaltungsrat des Klubs, berufen als Vertreter von Sponsor Intersnack, für die Wolf damals das Marketing verantwortete. Er wurde 2011 Vorsitzender des Rats, organisierte nach dem Ende des Overath-Präsidiums 2011 das neue Spinner-Präsidium. 2012 dann Mitglied in Beirat; er stimmte auch zu, dass Alexander Wehrle 2013 den Job als neuer Geschäftsführer der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA bekam.

Jetzt ist bald 2022, und Alexander Wehrle (46) und Werner Wolf (65) feiern am 17. Januar ihr Neunjähriges. Seit heute ist offiziell, dass es ein Zehnjähriges nicht geben wird, weil Wehrle zum VfB Stuttgart zurückkehren wird. Nichtsdestotrotz eine recht lange Zeit! In der Wehrle zweifelsfrei einen sehr guten Job gemacht hat, und Fehler selten zweimal. In der W&W sicher oft intensiv zusammen gearbeitet, sich dabei bestimmt gut kennengelernt, sich sogar schätzen gelernt haben. Hieß es eigentlich… Aber Buddys wurden sie scheinbar nicht.

1. FC Köln: Umbau der Führungsstruktur ohne Alexander Wehrle – ein unnötiges Risiko

Deshalb das Misstrauensvotum? Und der Umbau ohne zumindest einen nachweislich stabilen tragenden Balken? Und wieso diese Risiken? Denn ein Misstrauensvotum ist es nämlich, einem langjährigen und verdienten und noch jungen Manager nur eine Vertragsverlängerung um ein Jahr anzubieten. Und zum Umbau: Schon die Neubesetzung der Geschäftsführer-Positionen (Ex-Sport-GF Horst Held ist ja bereits länger weg) erfordert eine Menge Geschick und Aufwand. Dazu noch die Korrekturen in der Führungs-Struktur (wie mehr Köpfe, oder neue und veränderte Aufgabenverteilung) – auch das macht sich nicht mit links.

Aber schon tollkühn erscheint es, eine solche Veränderung ohne einen, erfahrenen, mit dem Klub vertrauten und bei DFB und DFL bestens vernetzten Strategen zu wagen. Und stattdessen auf eine komplett neue, nur mit Erstliga-Rookies besetzte Crew zu setzen: Christian Keller (43) fürs Sportliche, Philipp Türoff (45) fürs Business, Mister X als Ersatz für den zum VfB Stuttgart flüchtenden Alexander Wehrle.

1. FC Köln: Steffen Baumgart bald „Steffen – Allein zu Haus“

Und letztendlich ist gefährlich unklar, wie die gesamten Personalrochaden im Management auf den Gemütszustand des derzeit äußerst erfolgreichen und ausgesprochen beliebten neuen Trainers Steffen Baumgart wirken. Den nämlich irritierte seinerzeit schon der unwürdig ausgeführte Rauswurf von Horst Held; und jetzt verschwindet noch der zweite Mann, der maßgeblich an seiner Verpflichtung vom und seiner Entscheidung für den FC beteiligt war. Fühlt sich nun Baumgart wie Steffen allein zu Haus?