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Klasse entwickeln – Klasse halten

Gejubelt werden durfte zuletzt oft im Südstadion

Fortunas Offensive hat sich zuletzt regelmäßig in den Fokus gespielt
Foto: imago/Eibner

Fortuna Köln zählt zu den Positivüberraschungen der 3. Liga. Der Plan, auf junge, hungrige und entwicklungsfähige Spieler zu setzen, geht auf.

Cimo Röcker ist zwar erst 22 Jahre jung, erlebt hat der Blondschopf mit dem smarten Lächeln aber schon so einiges, wovon er seinen neuen Teamkollegen erzählen kann. Die Geschichte vom 10. Juli 2011 etwa, als er mit der deutschen U17-Nationalmannschaft vor über 94.000 Zuschauern im Aztekenstadion von Mexico City auflief. Das Spiel um Platz drei (3:4 gegen Brasilien) war für die deutsche Elf das Highlight der Weltmeisterschaft, bei der Röcker ebenso als Stammkraft agierte, wie wenige Wochen zuvor bei der U17-EM, als die Deutschen erst im Finale von den Niederlanden gestoppt werden konnten.

Als „hochdekorierter Juniorennationalspieler“, wie Fortuna-Trainer Uwe Koschinat seinen Neuzugang beschreibt, stand Röcker auch bei Werder Bremen schnell im Fokus. Ihm gehöre die Zukunft, hatte­ Werders damaliger Coach Thomas Schaaf über den Linksverteidiger gesagt, der seit der U14 an der Weser kickte und früh mit einem Profivertrag ausgestattet wurde.

Den Durchbruch schaffte Röcker, oft durch Verletzungen zurückgeworfen, aber weder in Bremen noch in Hannover, wo er 14 Mal für die zweite Mannschaft spielte. „Cimo“, sagt Koschinat, „ist ein sehr spannender Spieler und ein geerdeter Junge. Man spürt, dass es ihm guttut, sich bei uns dauerhaft in einer ersten Mannschaft behaupten zu können, statt sich über die Reservemannschaft empfehlen zu müssen.“ In puncto Fitness hat der Linksfuß allerdings noch eine Menge aufzuholen, weil er zuletzt ein halbes Jahr vereinslos war und alleine trainierte. „Wir haben die totale Bereitschaft, Cimo aufzubauen. Ich hoffe, dass er im April auf ein Topniveau kommt“, so der Fortuna-Coach.

Die drei Winterneuzugänge und Coach Uwe Koschinat

Drei Winterneuzugänge mit langfristiger Perspektive in der Kölner Südstadt: Cédric Mimbala, Cimo Röcker und Christopher Theisen (v.l.) bieten Fortuna-Trainer Uwe Koschinat mehr Alternativen für seinen Kader
Foto: Köln.Sport/Kühlborn

Cimo Röcker ist eine Verpflichtung mit Perspektive, auch weil er mittelfristig Tobias Fink ersetzen könnte. Der 32-Jährige liebäugelt mit einem Ende seiner Karriere nach der Saison. Dagegen steht Röcker, wie auch der vom 1. FC Nürnberg II gekommene ­Christopher Theisen (22) , womöglich erst am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung und passt damit perfekt in Fortunas „Beuteschema“.

Modell  „Darmstadt light“
Auf der Suche nach potenziellen Leistungsträgern sind die Südstädter, allein schon aus finanziellen Gründen, darauf angewiesen, ganz genau hinzuschauen. Potenziale erkennen, gezielt fördern und bestmöglich einsetzen – so lautet das Credo. Uwe ­Koschinat beschreibt es so: „Um in der 3. Liga auf einem richtig guten Niveau spielen zu können, müssen wir Spieler in persönlich schwierigen Phasen abholen, sie aufbauen und zu ihrer alten Stärke führen. Wir sind eine Art ‚Darmstadt light‘.“

Die „Lilien“ schlagen sich nach ihrem Durchmarsch von der dritten in die erste Liga auch im Oberhaus hervorragend und setzen dabei vornehmlich auf Spieler, denen bei anderen Vereinen der Durchbruch verwehrt blieb. „Wenn auch Fortuna als ein Verein wahrgenommen wird, in dem sich Spieler nach einer schweren Phase mit harter Arbeit in Ruhe entwickeln können, dann ist das sehr positiv. Das macht uns gerade für junge Spieler interessant“, erklärt Koschinat. Beispiele dafür, dass es dem Übungsleiter und seinem Trainerteam gelingt, Spieler nachhaltig zu entwickeln, gibt es im aktuellen Kader gleich mehrere.

Julius Biada etwa, der sich in Darmstadt nicht durchsetzen konnte. Nach einem halben Jahr Anlaufzeit zählt der 23-Jährige mittlerweile zu den Leistungsträgern im Team. Eine ähnliche Entwicklung nahm auch Cauly Oliveira Souza, dem ebenfalls die Zeit und Geduld entgegengebracht wurde, sein Potenzial auszuschöpfen. Ganz ohne Anlaufzeit funktionierte dagegen Torjäger Marco Königs, der nach einer unbefriedigenden Station in Wiesbaden und einer Leihe in der Südstadt eine neue sportliche Heimat mit Wohlfühlfaktor fand.

„Klar ist, einen Marco Königs in aktueller Form würde Fortuna nie wieder kriegen“, weiß Koschinat. Der Fußballlehrer hat Gefallen an der Arbeit mit Spielern gefunden, die die Fortuna als echte Chance­ begreifen: „Mir macht es wahnsinnig Spaß, solche Spieler aus der kleinen Talsohle herauszuholen und auf ihr Topniveau zu hieven. Es sind diese hungrigen Jungs, die wir für unsere Art, Fußball zu spielen, brauchen.“

Schritt für Schritt entwickeln
Dass Leistungen wie jene von Königs und Biada zwangsläufig Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen wecken, gehört zum Geschäft. „Es ist ein großer Reiz, daran zu arbeiten, dass Fortuna Köln langfristig nicht Zwischenschritt, sondern finaler Schritt für viele Spieler wird“, sagt Koschinat.­ Vorerst gilt aber weiterhin: gute Entscheidungen treffen, Klasse selber entwickeln und so die Klasse halten.

Stefan Kühlborn