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Kein Platz für Hass

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Gute Stimmung in der Kabine von Makkabi Köln. Der D-Ligist strebt den Aufstieg an Foto: Benjamin Horn

Gute Stimmung in der Kabine von Makkabi Köln. Der D-Ligist strebt den Aufstieg an
Foto: Benjamin Horn

Beim TuS Makkabi Köln ist Völkerverständigung kein Lippenbekenntnis. Menschen aus elf verschiedenen Nationen spielen für den jüdischen Verein. Im sportlichen Miteinander ist auch der aktuelle Nahostkonflikt Thema.
„Juden raus aus Palästina!“ oder „Nie wieder Israel!“. Es waren Parolen wie diese, die nicht nur bei den A-Jugendlichen des israelischen Zweitligisten Maccabi Netanya für Entsetzen sorgten. Das Gastspiel der Netanya-Talente bei einer Dortmunder Stadtteilauswahl im Juli nahm eine Gruppierung lokaler Rechtsextremisten zum Anlass, ihrem Antisemitismus freien Lauf zu lassen. Doch die Veranstalter waren vorbereitet, die Polizei verwies die 14 Neonazis aus dem Umfeld der Partei „Die Rechte“ der Platzanlage.

Noch bedrohlicher wirken die Szenen, die sich ebenfalls im Juli im österreichischen Bischofshofen abspielen: Das eigentlich unspektakulär anmutende Vorbereitungsspiel zwischen Maccabi Haifa und dem OSC Lille wird zum traurigen Beispiel dafür, dass der Nahostkonflikt zwischen Israel und der palästinensischen Hamas auch vor dem Fußball nicht Halt macht. Kurz vor Spielende stürmen rund 20 Jugendliche, die zuvor bereits propalästinensische Parolen skandiert und israelische Flaggen beschmiert hatten, den Platz und liefern sich eine handfeste Auseinandersetzung mit Spielern und Offiziellen des israelischen Spitzenklubs. Dabei gilt gerade der Verein aus der Hafenstadt als Positivbeispiel im Dialog zwischen den Religionen: In Haifa spielen seit Jahren Juden und Muslime gemeinsam in einem Team.

Bilder wie die aus Dortmund und Bischofshofen stehen exemplarisch für die Häufung antisemitischer Vorfälle in den vergangenen Monaten. Es erweckt den Anschein, als werde unter dem Mantel des Nahostkonflikts der Judenhass so direkt wie lange nicht mehr in der Öffentlichkeit zur Schau getragen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, erklärte unlängst, die Juden würden aktuell die schlimmste Zeit seit der Nazi-Ära erleben.

Ortswechsel: Ein verregneter Sonntagnachmittag im Kölner Stadtteil Urbach. Auf der Platzanlage des RSV treffen nach und nach Spieler in blauen Trainingsanzügen ein. Auf ihrer Brust prangt das Logo des TuS Makkabi, des einzigen jüdischen Sportvereins in Köln. Gegründet im Jahr 1967, ist der Verein heute sportliche Heimat von über 300 Mitgliedern in neun Abteilungen, von Schach bis Krav Maga (israelischer Kampfsport). Fußball – zu Beginn wichtiger Bestandteil – gehörte lange nicht dazu. Erst seit etwas mehr als einem Jahr wird beim TuS Makkabi Köln wieder gegen den Ball getreten.

Zum Testspiel gegen die dritte Mannschaft des RSV Urbach ist der komplette Kader erschienen. 21 Spieler aus elf verschiedenen Nationen tummeln sich in der kleinen Kabine. Ein rein jüdischer Verein ist der TuS trotz des Hintergrunds nicht. „Bei uns spielen Juden, Muslime, Christen und Andersdenkende. Jeder hat seinen Glauben, aber wir sind alle gleich“, sagt Trainer Jasmin Muhovic. Die Aufgabe beim TuS Makkabi bezeichnet der Muslim als Herzensangelegenheit. Im ersten Jahr unter dem ehemaligen Juniorencoach des SC Borussia Lindenthal-Hohenlind landete das Team auf Platz sechs der Kreisliga D. Negative Erfahrungen abseits des Sportlichen machte die Mannschaft dabei keine. „Alle Vereine haben uns respektiert, es gab nie Ärger aus politischem Hintergrund“, betont Muhovic.

Dass sich dies – besonders im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen – ändern könnte, das ist Verantwortlichen, Trainerteam und Spielern bewusst. Im Trainingslager setzten sich alle gemeinsam an einen Tisch, um mögliche Szenarien durchzusprechen. „Sollte es Zwischenfälle geben, wollen wir auf jeden Fall Ruhe bewahren“, sagt der Trainer. „Wir sind alles kommunikative Typen. Wenn Kritik kommt, die ich vielleicht auch nachvollziehen kann, dann unterhalten wir uns. Auf dem Platz Gründe für den Nahostkonflikt zu diskutieren, ist allerdings schwierig“, ergänzt Samer Shamami. Der muslimische Stürmer ist einer von zwei Mannschaftskapitänen im Team.

Sein Pendant ist Ariel Leibowici. Der Torwart jüdischen Glaubens und der Angreifer sind langjährige Freunde. Dass sich beide das Kapitänsamt teilen, sei aber eher eine zufällige Geschichte. „Solche Dinge machen unseren Verein eben aus. Wir sind der Beweis, dass zwei Weltreligionen friedlich miteinander auskommen können“, sagt Shamami, verschweigt aber auch nicht, dass die beiden Führungsspieler vor nicht allzu langer Zeit aufgrund der Entwicklungen im Nahen Osten einen größeren Disput ausgetragen haben. Am Ende kamen beide – trotz unterschiedlicher Ansichten – aber auf einen gemeinsamen Nenner: „Kinder aus beiden Ländern haben das Recht, friedlich zu schlafen – ganz egal ob das Gute-Nacht-Lied auf Hebräisch oder Arabisch gesungen wird. Die Waffen sollen ruhen. Das wollen wir alle.“

Was Makkabi Köln und Patrick Helmes verbindet, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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