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Kapsel-Band-Verletzung des Schultereckgelenks

Über eine der häufigsten Wintersport-Verletzungen und Methoden zu deren Behandlung informieren die Experten der KLINIK am RING – Köln

Der Winter steht vor der Tür, und die Skisaison gilt auch für viele Rheinländer als die schönste Zeit des Jahres. Dabei sind Stürze keine Seltenheit, sei es durch Fremdverschulden oder aus Selbstüberschätzung, weil man die Bewegungsabläufe nach langer Schneepause noch nicht wieder verinnerlicht hat. „Ein Sturz auf die Schulter geht nicht immer glimpflich ab. Mit rund 20 Prozent zählt die Schultereckgelenk-Sprengung zu den häufigsten ­aller ­Ski-Schulterverletzungen“, erklärt Dr. Stefan Preis, Leitender Arzt der Praxis und Abteilung für Orthopädie und Sporttraumalogie an der KLINIK am RING. Das Schulter­eckgelenk, die Verbindung zwischen Schlüsselbein und Schulterdach ist bei einem Sturz besonders gefährdet.

Je nach Ausmaß der Gewalteinwirkung kommt es zu einer Überdehnung bis hin zur kompletten Zerreißung der ­Gelenkkapsel sowie der Stabilisierungsbänder. Der Mediziner bezeichnet dies als „Schultereckgelenk-Sprengung“. Die Folge ist eine mehr oder minder starke Instabilität des ­Gelenks mit entsprechender Fehlstellung des äußeren Endes des Schlüsselbeins. Die Schwere der Verletzung wird in unterschiedliche Grade eingeteilt. Die gebräuchlichsten Klassifizierungen sind die nach Tossy (I–III) bzw. Rockwood (I–VI). Für eine optimale ­Behandlung ist die frühzeitige ­Diagnose von entscheidender ­Bedeutung. Eine leichtere Verletzung des Schultereckgelenks sollte ohne Operation behandelt,­ eine schwerere Schultereckgelenk-Sprengung jedoch unbedingt operativ stabilisiert werden.

Frühzeitig Diagnose stellen

„Der Verletzte hat meist Schmerzen, die besonders bei Bewegungen des Armes verstärkt werden sowie beim Liegen auftreten. In der Schulterregion ist eine umschriebene Schwellung zu sehen, gegebenenfalls auch ein sogenannter Hochstand des äußeren Endes des Schlüsselbeins“, beschreibt Dr. Preis die Symptome. Zur Sofortversorgung sollte der Arm in einer Bandage oder Schlinge­ vor dem Bauch stabilisiert werden. Wie bei jeder akuten Verletzung hilft das Auflegen eines Eisbeutels, stärkere Gewebeschwellungen und Schmerzen zu verringern. Wichtig: Unbedingt und möglichst rasch einen Arzt aufsuchen, der eine konkrete Diagnose erstellt!

Eine exakte Aussage über die Schwere der Verletzung erhält der behandelnde Arzt durch eine Röntgenuntersuchung und die sogenannten Belastungsaufnahmen der unverletzten und der verletzten Schulter im Seitenvergleich. Das Ausmaß des Hochstandes des Schlüsselbeins unter Zugbelastung ist ein direktes Maß für den Schweregrad der Verletzung. Alternativ kann durch Ultra­schall die Instabilität des verletzten Gelenks überprüft werden. Mit einer Kernspin-Untersuchung (MRT) können die verletzten Bandstrukturen identifiziert werden.

Konservative Behandlung

„Bei leichteren Verletzungen des Schultereckgelenks, also der Schweregrade I und II, sind die Kapsel-Band-Strukturen lediglich überdehnt oder leicht angerissen“, erläutert Dr. Stefan Preis. „Dem zufolge besteht nur eine leichte Gelenkinstabilität. Solche Verletzungen sollten unbedingt konservativ, ohne Operation, behandelt werden“, so der Experte. Dabei erfolgt zunächst die Ruhigstellung des Gelenks mit einem stützenden Verband bis zum Nachlassen der Schmerzen. Eis, Salben und gegebenenfalls abschwellende Medikamente sollten anfangs zusätzlich eingesetzt werden. Bei leichten Verletzungen kann bereits bei nachlassendem Schmerz wieder mit leichtem Training begonnen werden – wenn die betriebene Sportart die betroffene Schulter nicht zu sehr beansprucht. Für einen optimalen Heilungsverlauf wird eine Sportpause von etwa sechs bis acht Wochen empfohlen, bei stark schulterbelastenden oder bei Kontakt- und Risikosportarten sogar zwölf Wochen.

Operative Behandlung

Bei vollständiger Zerreißung aller Bänder (Grad III und höher) wird meist zur operativen Versorgung geraten. Die anatomiegerechte Wiederherstellung des verletzten Schultereckgelenks sollte zumindest bei jungen und körperlich aktiven Menschen angestrebt werden. Ansonsten verbleiben eine eingeschränkte Funktion sowie Schmerzen bei vermehrter Belastung der Schulter. Die Operation dient dazu, die verschobenen Gelenkanteile wieder einzurichten. Danach muss das Gelenk vorübergehend fixiert werden, damit die gerissenen Kapsel-Band-Strukturen heilen und ihre stabilisierende Funk­tion wieder übernehmen können.

So eine Stabilisierungsoperation des Schultereckgelenks erfolgt minimal-invasiv mittels zweier arthroskopisch eingebrachter Fadensysteme, die mit kleinen Titanplättchen fixiert werden. „Wichtig ist“, erklärt Dr. Preis, „dass eine solche Operation innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Unfall­ereignis erfolgt. Ansonsten haben die verletzten Kapsel-Band-Strukturen keine Heilungstendenz mehr und müssen durch ein Sehnentransplantat ersetzt werden.“ Wurde eine Schultereckgelenk-Verletzung operativ behandelt, wird die Schulter für etwa zwei Wochen in einer Funktionsbandage geschützt. Eine frühzeitig einsetzende Physiotherapie soll den Heilungsverlauf unterstützen und einer Schultersteife vorbeugen. „Tätigkeiten über Schulterhöhe sowie ein intensiveres Aufstützen sollen für acht bis zehn Wochen, Risikosportarten sogar für vier bis sechs Monate gemieden ­­werden“, so der Experte.

Herr Dr. Preis, früher galt der Knochenbruch als typische Skiverletzung. Die Verletzungsstatistiken zeigen jedoch, dass heute Gelenkverletzungen im Vordergrund stehen.

Ja, sowohl Bandverletzungen des Kniegelenks wie z.B. der Kreuzbandriss, vor allem aber Verletzungen der Schulter, insbesondere das Auskugeln der Schulter oder schwere Bandverletzungen des Schultereckgelenks, die Schultereckgelenk-Sprengung, sind in den letzten Jahren die häufigsten Wintersportverletzungen. Ursächlich hierfür sind die verbesserte technische Ausstattung, die häufig harten, gut präparierten Pisten, eine sportlichere Fahrweise und die damit verbundenen hohen Geschwindigkeiten auf der Piste.

Was empfehlen Sie einem Sportler, um solche Verletzungen zu vermeiden?

Höchste Priorität hat natürlich eine gute Vorbereitung. Je fitter man an den Start geht, desto sicherer ist man. Wichtig ist aber auch, sich nicht selbst zu überschätzen und vielleicht durch ein Gläschen zu viel auf der Hütte sich und andere unnötig in Gefahr zu bringen.

Wie sollte man sich im Falle einer Verletzung verhalten?

Falscher Ehrgeiz ist gefährlich. Häufig ist es besser, den Skitag zu beenden und das verletzte Gelenk zu schonen und zu kühlen. Bei stärkeren Schmerzen oder Schwellung sollte spätestens zu Hause ein Gelenkspezialist aufgesucht werden. Eine genaue Diagnostik und zielgerichtete Behandlung soll verhindern, dass ein Dauerschaden verbleibt. Wir sind auf die Behandlung von Gelenkverletzungen spezialisiert und haben hierzu vor mehr als zehn Jahren das WESTDEUTSCHE KNIE & SCHULTER ZENTRUM gegründet.