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Jammerlappen

Am gestrigen Dienstag erlebten die Kölner Haie in der Lanxess Arena mal wieder einen Abend zum Vergessen. 1:7 stand es am Ende gegen den ERC Ingolstadt. 1:7 – die höchste Heimniederlage der Haie seit Menschengedenken. Nicht. Aber zumindest seit die Haie in der Arena spielen.

Eine Ohrfeige für die Mannschaft, und eine noch heftigere Ohrfeige für die treuen Anhänger. Stellen Sie sich nur einmal vor, so etwas würde im Profi-Fußball passieren. Konkreter: Stellen Sie sich mal vor, der FC würde sich derart abschlachten lassen – ohne richtig Gegenwehr zu leisten. Nicht auszudenken, was dann los wäre.

In Nullkommanichts würde die Situation eskalieren. Die Abfahrt des Mannschaftsbusses würde blockiert und noch in der Nacht martialische Spruchbänder am Trainingsgelände aufgehängt. Die x-te Diskussion über Söldnertum im Profisport würde nicht lange auf sich warten lassen. Ich habe die Rufe „Scheiß Legionäre“, „Wir sind Kölner und Ihr nicht“ schon im Ohr.

Was aber machen die Haie-Fans ob der jämmerlichen Darstellung ihrer Mannschaft? Sie überschütten die Versager mit Spott und stimmen höhnische Gesänge an. Sie kanalisieren ihre zweifellos vorhandene Wut in pure Ironie.

Eine absolut angemessene Reaktion und bewundernswert, wie zivil die Proteste bleiben. Ganz anders die Gegenreaktion von Vereinsseite. Thomas Eichin fällt nach dem Spiel nichts besseres ein als herumzujammern. Nein, nicht über das desolate Auftreten der Profis. Über die Fans: „Es ist eine Frechheit, im letzten Drittel hämisch ‚Oh, wie ist das schön‘ zu singen“, mokierte sich der Haie-Geschäftsführer.

Entschuldigung? Geht’s noch? Diesen Fans, die den Verein mit ihren Eintrittsgeldern und mit Spenden in den letzten Jahren mehrfach vor dem Exitus bewahrt haben, so über den Mund fahren, war mit Abstand die größte Frechheit dieses Abends. Aber vielleicht wäre dem Ex-Kicker Eichin ja eine Reaktion wie beim Fußball lieber gewesen. Blöd nur, dass die Lanxess Arena über kein Marathontor verfügt, dass man blockieren könnte.