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„In erster Linie zählten nur sportliche Fähig­keiten“

Privat

Alberto de Torres Lacroze (r.) mit Juan Roman Riquelme

Im zweiten Teil unseres Interviews verrät Alberto de Torres Lacroze, worauf er beim Scouting besonderen Wert legte, welche Rolle er im Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Argentinien bei der WM 2006 spielte und was er in Zukunft mit dem FC Rheinsüd Köln plant.

Worauf mussten Sie als Scout besonders achten? Waren „Star-Qualitäten“ wichtig?

In erster Linie zählten nur sportliche Fähig­keiten. Der Rest kam nach und nach.

Als Mitarbeiter von Adidas ist man doch auch bei einer Menge großer Events dabei. Woran erinnern Sie sich heute noch?

Mir wurde die große Chance geboten, die argentinische Mannschaft bei der WM 2006 zu betreuen. Bereits zu Leverkusener Zeiten verstand ich mich prächtig mit José Peckermann, dem damaligen Trainer der Argentinier. Ich durfte nicht nur die ersten Pressekonferenzen moderieren, sondern konnte mit ihm auch lange über Fußball sprechen. Ich erinnere mich noch an eine lustige Szene – wäre mein Cousin nicht als Zeuge dabei gewesen, würde mir wohl keiner glauben: Vor dem Viertelfinale gegen Deutschland fragte er mich allen Ernstes, wie ich die argentinische Mannschaft aufstellen würde. Solche Gespräche über Fußball behält man für immer in Erinnerung.

Heute sind Sie Trainer beim FC Rheinsüd. Eine Rückkehr zu den sportlichen Wurzeln?

Ja, absolut. Ich bin sehr stolz auf meine Tätigkeit beim FC Rheinsüd. Der Verein ist sehr gut aufgestellt. Ich bin beeindruckt, wie professionell hier gearbeitet wird. Ursprünglich kam ich zurück, um erneut als Jugendtrainer zu arbeiten. Vor zweieinhalb Jahren gab es einen Engpass, und ich wurde gefragt, ob ich helfen könne. Natürlich war ich sofort bereit. Und wie es im Fußball nun mal so ist: Plötzlich hatte mich der „Trainer-­Virus“ wieder gepackt! Dass mir ein halbes Jahr später der Posten als Cheftrainer der ersten Mannschaft angeboten wurde, hatte aber ­weniger mit meiner beruflichen Vergangenheit, sondern mehr mit der Gegenwart zu tun.

Inwiefern hilft Ihnen der erwähnte Ausflug in die „große Fußballwelt“ bei Ihrer Arbeit als Kreisliga-Trainer?

Eigentlich gar nicht so viel, denn am meisten hat mich die Sporthochschule, wo ich meine Fußballlizenzen gemacht habe, meine erste Zeit in Sürth und vor allem meine Tätigkeit bei Leverkusen geprägt. Thomas Hörster war damals A-Jugendtrainer, Frank Schaefer B-­Jugend-Trainer, später auch Norbert Meier. Jörg Bittner und Dirk Diekmann arbeiteten in den Bereichen U9 bis U15 – echte Experten, von denen ich eine Menge lernen durfte. Wenn mich jemand fragen würde, bei welchem Verein es die beste Jugendausbildung gibt, würde ich zu einhundert Prozent Bayer Leverkusen nennen. Die Jugend­abteilung von Bayer zählt für mich weltweit mindestens zu den Top Fünf.

Vor wenigen Wochen wurde mit dem Sürther Feld eine neue Heimstätte für den FC Rheinsüd eröffnet. Wie sehen vor diesem Hintergrund die langfristigen Ziele des Vereins aus?

Was bei Rheinsüd passiert, ist sensationell. Hier wurde nicht übermäßig viel in die erste Mannschaft reingepumpt, sondern jahrelang über­ragende Jugendarbeit geleistet. Mittlerweile spielen B- und A-Jugend auf Bezirksliga-Ebene, C- und D-Jugend seit vergangenem Jahr ebenso. Ziel ist es, die Jugendteams in die Mittelrheinliga zu bringen. Allerdings muss man den Spielern auch eine Perspektive bieten. Und das heißt: Bezirks- oder Landesliga-Ebene mit der ersten Mannschaft. Das wollen wir in den nächsten zwei bis vier Jahren schaffen. Wir wollen unsere ­„Erste“ regelmäßig mit guten Jugendspielern verstärken. Damit sie richtig funktioniert, braucht man aber auch zwei oder drei ältere Spieler, die Erfahrungen aus höheren Ligen mitbringen. Mit der richtigen Mischung wollen wir so schnell wie möglich in die Bezirksliga aufsteigen.

Sie sind im Besitz der Uefa-A-Lizenz, bezeichnen Fußball als Ihr größtes Hobby. Wollen Sie
irgendwann in einer höheren Liga arbeiten?

Ich weiß nicht, inwiefern meine Vita zum jetzigen Zeitpunkt ausreicht. Außerdem: Ich bin 36 Jahre alt und trainiere mit viel Liebe und Herzblut den FC Rheinsüd. Dass dies ausreicht, um hoch­klassige Angebote zu erhalten, bezweifle ich. Es sei denn, man steigt vier Mal in Folge auf – aber dann spielt man automatisch höherklassig. ­Natürlich wäre die Regional- oder Mittelrheinliga interessant. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich mich mit Rheinsüd total identifiziere und sehr gerne hier tätig bin. Ich glaube, dass es nicht ­viele so gut geführte Amateurvereine wie diesen gibt, bei denen man in Ruhe und mit viel ­Unterstützung arbeiten kann. Hier habe ich ­diesen Vorteil.

 

Interview: Marcus Holzer

Den ersten Teil des Interviews finden Sie hier!