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„Ich will berühmt werden“

Artur Bril (Boxer, 19 Jahre) und Janine Wirz (14 Jahre, Schwimmerin) gelten in ihren Sportarten als große Talente. Köln.Sport traf sich mit den beiden zum gemeinsamen Gespräch.

Sie gehören zu den größten Nachwuchs-Hoffnungen des Kölner Sports: Artur Bril (19) und Janine Wirz (14). Er steigt in den Box-Ring, sie ins Schwimmbecken. Köln.Sport lud die beiden zum Gespräch ein.

Wir treffen uns bei strahlendem Sonnenschein im Biergarten eines Müngersdorfer Restaurants. Artur Bril und Janine Wirz sind sich vorher noch nie begegnet – und begrüßen sich eher schüchtern. Artur ist betont um Lässigkeit bemüht, Janine fröhlich-aufgeregt.

 

Schön, dass Ihr euch die Zeit nehmt – so richtig viel Freiraum habt Ihr beide ja bestimmt nicht. Wie sieht Euer Tagesablauf aus?

Artur Bril: Ich gehe schon vor der Schule joggen, stehe um sechs Uhr auf. Danach habe ich Unterricht und gehe anschließend ab und zu zur Nachhilfe, weil ich öfter mal wegen Wettkämpfen nicht zur Schule kommen kann. Um 16 Uhr komme ich dann nach Hause, habe meistens keine Lust, Hausaufgaben zu machen und gehe stattdessen zum Training (lacht).

Janine Wirz: Die Schule geht um 7.55 Uhr los. Nach dem Unterricht habe ich manchmal nur eine halbe Stunde Zeit, bevor es zum Training geht. Danach muss ich Hausaufgaben machen und gehe dann meist direkt ins Bett. Wenn ich Frühtraining habe, fängt das aber schon um fünf Uhr an. Dann muss ich um 4.30 Uhr aufstehen. Das ist im Winter schon unangenehm!

Wie viele Stunden pro Tag trainiert Ihr?

Artur: Zur Zeit trainiere ich 90 Minuten am Tag. Wenn etwas Wichtiges wie die WM ansteht, dann zwei Mal 90 Minuten am Tag.

Janine: Zwei bis drei Stunden am Tag. Manchmal, wenn die Zeit knapp ist, auch Kurztrainings von eineinhalb Stunden. Und das sechs Tage die Woche.

Die harte Arbeit zahlt sich für beide aus. Artur ist Jugend-Olympiasieger im Leichtgewicht, Weltmeister und Deutscher Meister in der Klasse U19. Janine Wirz ist in ihrer Altersklasse Deutsche Meisterin, wurde bei den Olympischen Spielen der Jugend Dritte.

Woher nehmt Ihr die Motivation und den Antrieb, um solch ein Programm durchzuziehen?

Janine: Meine Motivation kommt vor allem durch meine Freunde und meine Mannschaft. Ich habe immer klare Ziele vor Augen.

Artur: Ich will auf jeden Fall berühmt werden und Anerkennung bekommen! Janine schmunzelt.

Hast du da spezielle Vorbilder?

Artur: Nein. Ich selbst bin mein Vorbild!

Und du, Janine?

Janine: Ja, die großen deutschen Schwimmerinnen Franziska van Almsick und Britta Steffen. Ich habe beide einmal treffen dürfen, das war schon sehr schön!

Sowohl van Almsick als auch Steffen prophezeien Janine Wirz eine große Zukunft. Auch Artur Bril hat einen prominenten Fürsprecher: Im Vorfeld der Jugend-WM stattete Profi-Boxweltmeister Felix Sturm Bril einen Besuch ab, und lobte ihn über den grünen Klee.

Wenn Ihr seht, dass Freunde und Mitschüler wesentlich mehr Freizeit haben, kommt da bei Euch Neid auf?

Artur: Nein. Meine Freunde sind eher neidisch auf mich, weil ich immer unterwegs und auch öfter mal im Fernsehen bin. Ich kann ja außerdem auch den gleichen Spaß haben. Ich habe ja auch einen Samstag und einen Sonntag.

Janine: Ich bin auch nicht neidisch. Mir wäre das viel zu langweilig. Wenn ich einmal nicht trainiere, weiß ich gar nicht, was ich machen soll. Manchmal backe ich sogar Kuchen, weil mir langweilig ist. (lacht)

Artur: (zu Janine) Genau, das kenne ich auch. Nicht das mit dem Kuchen, aber das Gefühl kenne ich.

Janine: Ich brauche einfach das Training!

Was macht den Reiz Eurer Sportart aus?

Artur: Ich mag es, den Gegner zu „verarschen“. (lacht) Wenn du dem Gegner zeigst, dass er keine Chance hat, dass er hilflos ist. Nicht mit Gewalt, sondern mit Technik. Das ist beim Schwimmen schwierig, oder?

Janine: Es macht einfach total Spaß mit der Mannschaft. Wir verstehen uns super. Außerdem mag ich das Wasser sehr. Und man kommt auch viel in der Welt herum.

brilwirztext

Artur Bril ist in Usbekistan geboren, siedelte mit seiner Familie im Alter von sieben Jahren nach Deutschland über. Zurzeit arbeitet er auf sein Abitur am Genoveva-Gymnasium in Köln hin. Im Jahr 2012 will das Boxtalent die Hochschulreife ablegen.

Wie seid Ihr mit der Stadt Köln verbunden?

Artur: Ich war schon in vielen Städten Deutschlands, und Köln gefällt mir am besten.

Und was gefällt Dir an Köln?

Artur: Vielleicht, dass hier auch viele Ausländer sind.

Fühlst du dich denn eher als Kölner oder als Ausländer?

Artur: Nein, als Kölner. Ich habe auch viele deutsche oder türkische Freunde. Das ist normal in Köln – Multikulti halt.

Janine: Ich mag Köln auch total gerne! Wenn ich bei Wettkämpfen aus Köln weg bin und dann wieder zurückkomme, fühle ich mich sehr heimisch. Ich bin ja auch hier geboren.

Artur und Janine tauen langsam auf, merken, dass der Leistungssport sie verbindet. Munter plaudern sie über ihre Trainingserfahrungen.

Artur: (zu Janine) Kannst Du eigentlich vom Zehner einen Salto machen?

Janine: (lacht) Nein. Ich kann vom Zehner springen, aber nicht mit Salto. Du denn? Artur: Nein. Ich wollte das einmal probieren. Aber ein Freund ist direkt vor mir gesprungen und nicht so glücklich gelandet. Da hat er sich das Ohr verletzt. Da dachte ich mir: Mist, mach‘ ich doch nicht. (lacht)

Artur: (zu Janine) Müsst Ihr denn im Training eigentlich auch andere Sportarten machen als Schwimmen?

Janine: Ja, es gibt Landtraining, laufen für die Ausdauer. Und Ihr?

Artur: Ja, auch. Laufen für die Kondition, Krafttraining und manchmal auch Fußball.

Janine: (lacht) Nee, das machen wir nicht so. Aber gelegentlich noch Aerobic.

Artur, ich habe gelesen, dass Ihr mit der Mannschaft auch einmal die Zugspitze erklommen habt?

Artur: Ja, in dreieinhalb Stunden! Mein Ausdauertrainer ist etwas verrückt und hat uns kaum eine Pause gegönnt. Am Ende, ganz oben, bin ich direkt eingeschlafen. (lacht)

Janine, hättest Du dazu auch einmal Lust?

Janine: (lacht) Nein, bestimmt nicht.

Artur: Ich hab meinem Trainer damals auch gesagt, dass ich kein Bergmensch bin! Aber er meinte, das wäre gut für die Konzentration. Denn bei mir ist immer das Problem, dass ich, wenn ich die ersten beiden Runde vorne bin, keinen Bock mehr habe, die dritte zu boxen. (lacht laut) Ich bin eher ein fauler Mensch.

Janine: Artur, ich hab nochmal eine Frage: Müsst Ihr Eure Sachen, die Ihr für das Training braucht, eigentlich selbst kaufen?

Artur: Ja, wenn man anfängt, dann schon. Aber ich bekomme alles geschenkt. Ich sage dem Verein, was ich brauche, und der kauft das.

Janine: Ich muss alles selbst kaufen. Anzüge, Schwimmbrillen, sogar Trainingslager des Vereins müssen meine Eltern bezahlen.

Beide plaudern über ihren Sport – und darüber, dass sie damit nur dann viel Geld verdienen können, wenn sie es bis ganz an die Spitze schaffen. Sie sind Realisten: Er möchte später Polizist werden, sie auf jeden Fall die Schule beenden, um auf der sicheren Seite zu sein.

Artur, Du machst einen Sport, bei dem Du jemandem gegenüber stehst, der Dir weh tun will. Hast du manchmal Angst?

Artur: Nein. Vor dem Gegner oder den Schlägen nie. Höchstens vor einer Niederlage.Wir tragen ja Kopfschutz, und durch das Adrenalin tut im Kampf eh nichts weh. Außer, wenn man einen auf die Leber bekommt. Aber das ist mir im Kampf noch nie passiert. Nur im Training.

Janine: Oh Gott, ich glaube, ich würde schreiend weglaufen! (lacht)