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„Hier kann sich einiges entwickeln“

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Nationalspielerin Célia Okoyino da Mbabi führt den SC 07 Bad Neuenahr als Kapitänin an und steht auch beim

Nach schwachem Saisonstart katapultierte sich der SC 07 Bad Neuenahr mit zwei Siegen in Serie auf Rang 7. Wir sprachen mit Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi über ihre Pläne mit dem Verein. Hallo Célia, vor kurzem hast du dich an der Schulter verletzt. Wie geht es dir?

Ganz schmerzfrei bin ich noch nicht, das Ganze ist auch gerade mal drei Wochen her. Es war ein Muskelfaserriss und der braucht in der Regel immer seine Zeit. Aber es ist auszuhalten und ich kann spielen. So ist das in Ordnung.

Jetzt ist der Knoten beim SC 07 Bad Neuenahr ja endlich geplatzt. Warum hat das so lange gedauert?

In den anderen Spielen haben wir teilweise schon ganz gut mitgespielt, auch gegen Topmannschaften der Bundesliga wie Potsdam oder Frankfurt (0:1 und 0: 2; d. Red). Aber wir haben die Sache nicht konsequent durchgezogen und sind teilweise auch mit der falschen Einstellung in die Spiele reingegangen. Aber ich denke, dass haben wir ausreichend besprochen. Jetzt sind wir mittlerweile wieder auf einem guten Weg.

Wie läuft es in Bad Neuenahr unter dem neuem Trainer Collin Bell?

Unter ihm läuft es sehr gut. Ich denke, dass er die richtige Wahl des Vereins war. Wir haben ein sehr kompetentes Trainerteam und ich hoffe, dass wir noch lange von der Arbeit profitieren können. Das würde der Mannschaft und dem Verein gut tun.

Du bist seit dieser Saison Kapitänin. Spürst du jetzt mehr Verantwortung?

Es ist natürlich schon ein Zeichen des Vertrauens vom Trainer, dass er mir die Kapitänsbinde gibt. Alleine dadurch bin ich schon mehr in der Verantwortung. Allerdings ist es bei uns in der Mannschaft auch so, dass wirklich jeder mitredet und auch gewisse Positionen einnimmt, so dass nichts an einzelnen Personen festgemacht.

Diese Saison spielt ihr gegen den Abstieg, aber was hast du insgesamt mit Bad Neuenahr noch vor?

Natürlich ist es dieses Jahr ganz klar, dass wir die Klasse halten wollen. Wenn man dann wirklich mal konstant mit dem Kern der Mannschaft und auch dem gleichen Trainerteam zusammenarbeitet, bin ich mir sicher, dass sich schon einiges entwickeln kann. Ich bin jetzt seit acht Jahren in Bad Neuenahr und hatte, glaube ich, sechs oder sieben verschiedene Trainer. So ist es natürlich schwierig, etwas aufzubauen. Deswegen wär’s schön, wenn man mit einem wirklichen Grundgerüst, zu dem ein Trainerteam und natürlich auch Spielerinnen gehören, langfristig zusammenarbeitet. So kann man auch auf Dauer etwas aufbauen.

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Du lebst und studierst Kulturwissenschaften in Koblenz. Wie stressig ist dein Tag?

Ich gehe morgens zur Uni, von da aus zum Training und dann erst nach Hause. Manchmal habe ich auch schon vor der Uni zusätzlich Training. Es ist schon alles sehr auf Fußball ausgerichtet, aber das macht ja Spaß. Fußball ist das, was ich am liebsten mache.

Trotzdem hast du schon nach dem Abitur eine Ausbildung als Kauffrau für Marketing-Kommunikation gemacht und studierst Kulturwissenschaften. Was interessiert Dich abseits des Fußballs?

Ich interessiere mich für sehr viele Sachen, ich bin sehr neugierig. Das Studium und die Ausbildung sind dazu auch einfach sinnvoll. Solange ich noch kann, will ich natürlich Fußball spielen. Danach kommt irgendwann eine Zeit, in der ich etwas anderes machen muss. Darauf möchte ich vorbereitet sein.

Kann man gut vom Frauenfußball leben?

Es ist nicht so wie bei den Männern, dass wir uns Rücklagen bilden können, so nach dem Motto: ‚Ich spiele jetzt ein paar Saisons in der Bundesliga und danach brauche ich theoretisch nicht mehr zu arbeiten.‘ So ist das natürlich nicht. Aber gerade auch als Nationalspielerin ist man da schon so weit abgesichert, zumindest für den Moment, dass man sich voll auf den Sport konzentrieren kann.

Neben dem Rasen durfte man dich am auch im „Tatort“ („Im Abseits“, Erstausstrahlung: 19.06.2011; d. Red) sehen. Wie war das für dich?

Das hat Spaß gemacht. Es war mal etwas ganz anderes, in diesem Umfeld mitzumachen. Als der Tatort ausgestrahlt wurde, kurz vor der WM, war ich größtenteils mit der Nationalmannschaft zusammen. Da habe ich auch den einen oder anderen Spruch zu hören bekommen (lacht).

Du bist als Kind eines Kameruners und einer Französin in Deutschland aufgewachsen. Mit welcher dieser drei Kulturen kannst du dich am besten identifizieren?

Es gibt da nichts, was ich besonders bevorzuge. Es war schon immer die Mischung aus allen drei, da ich mit allen aufgewachsen bin. Deswegen ist das für mich eigentlich nur ein Vorteil, und da freue ich mich drüber.

Du sprichst ja auch fließend Französisch. Könntest du dir vorstellen, irgendwann einmal nach Frankreich zu wechseln?

Der Fußball in Frankreich hat durch die WM einen enormen Schub bekommen. Ich kann das aber auch nur aus der Ferne beurteilen, weil ich mir zum Beispiel keine Spiele vor Ort angucken kann. Aber ich weiß, dass nach der WM die Zuschauerzahlen ganz schön gestiegen sind. Auf internationaler Ebene sind Vereine wie Olympique Lyon, die ganz oben mit dabei sind, auf jeden Fall auf dem Vormarsch. Ich selber bin eigentlich immer relativ offen für alle Richtungen. Deshalb möchte ich mich noch nicht festlegen. Momentan bin ich hier beim SC 07 Bad Neuenahr sehr glücklich.

Zum Schluss noch kurz zur Nationalmannschaft: Die WM ist fast ein halbes Jahr vorüber. Hat sich etwas an der Situation hier in Deutschland verändert?

Der Frauenfußball ist in seinen Grundvoraussetzungen stabiler geworden. Durch das Erlebnis der Heim-WM 2011 ist er auch mehr in den Köpfen der Leute verankert. Es gab im Sommer auch kein anderes Sportevent, so war das Interesse an der WM natürlich hoch, und die Leute haben uns und den Frauenfußball in Erinnerung behalten. Klar ist es nicht so, dass jetzt auf einmal 10.000 Leute zu einem Bundesligaspiel kommen. Aber ich denke schon, dass eine gewisse Begeisterung da ist. Viele Leute sprechen einen heute an, obwohl sie nichts mit Fußball oder Frauenfußball zu tun haben. Das ist auf jeden Fall ein positiver Aspekt.

In der EM-Quali stehen Die DfB-Frauen nach zwei Spielen aus zwei Siegen punktgleich hinter Spanien auf Rang zwei. Denkst du schon an die Titelverteidigung?

Wir sind momentan im Umbruch, da viele Spielerinnen aufgehört haben und wir uns quasi als neues Team formieren und zusammenfinden müssen. Dafür haben wir aber noch zwei Jahre Zeit, um das anzugehen. Die EM-Qualifikation ist dafür der erste Schritt. Natürlich ist es aber auch nicht so, dass wir auf einmal unsere Ansprüche ganz runterschrauben.

Vielen Dank für das Gespräch.