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Haie: Kraft tanken für mehr

Arne Greskowiak, Kölner Haie

Harte Arbeit, die sich auszahlen soll: Haie-Athletikcoach Arne Greskowiak mit KEC-Angreifer Charlie Stephens
Foto: Sabine Stein

Fit wie noch nie wollen die Kölner Haie zurück an die Spitze des deutschen Eishockeys. Köln.Sport schaute sich die Arbeit im Kraftraum näher an.

Ein Raum, der nach Eisen, Schweiß und harter Arbeit riecht. Nur spärliches Tageslicht. Karge Wände ohne ansprechende Dekoration. Bilder von Sylvester Stallone im Kühlhaus kommen mir in den Sinn. All das erwarte ich, als ich im Haie-Trainingszentrum eintreffe, um mich im Kraftraum der Mannschaft mit Athletiktrainer Arne Greskowiak und Haie-Routinier Charlie Stephens zu treffen. Ich will sehen, wo sich die KEC-Profis die nötige Kraft für die harte Saison holen. Wo sie schwitzen, um sich die Fitness für die Rückkehr an die Spitze des deutschen Eishockeys zu erarbeiten.

Doch das Klischee des stumpfen Ackerns mit zahllosen Gewichten erweist sich als falsch: In einem modernen, sonnendurchfluteten Trainingsraum begrüßt mich Greskowiak, der den Haien seit diesem Sommer den nötigen Schliff verleihen soll. Denn: Ein schnelles Team, das gut Schlittschuh läuft und dazu noch über die Saison Vollgas auf dem Eis geben kann – das ist die Vision von Haie-Trainer Niklas Sundblad. „Die Fitness ist der entscheidende Faktor. Wenn wir den Weg in dieser Saison komplett gehen wollen, dann müssen wir fit sein. Auf dem Eis, aber auch im Kraftraum: schnell, explosiv, ausdauernd. Darauf arbeiten wir hin“, betont der Schwede, begeistert vom neuen „Eisenmann“ seiner Kufenjägertruppe. „Meine Mannschaften sind immer fit. Aber dank Arne haben wir ein noch höheres Niveau im Kraftraum und verbessern uns neben dem Eis kontinuierlich. Das ist ein Thema, an dem wir ständig arbeiten.“

Explosiv und doch filigran

Und das macht der in Köln aufgewachsene Arne Greskowiak seit dieser Saison – im Sommer hat der KEC den 31-Jährigen, der zuvor neben den RheinStars auch schon die Junghaie fit machte, als Athletikcoach vorgestellt. Nach dem bitteren Playoff-Aus in der vergangenen Saison wollte Sundblad sein Trainerteam ausbauen, und als seinen Wunschkandidaten wählte er kurzerhand den Fitness-Fachmann der Nachwuchsabteilung aus. Auch für Greskowiak die perfekte Lösung, die, so der Kölner, schon während der vergangenen Saison gewachsen sei: „Wir haben immer wieder das Gespräch gesucht, um zu schauen, was die Profis so machen. Über diesen Austausch ist der Kontakt entstanden. Kurz vor der Saison ging es dann relativ schnell – und ich habe direkt zugesagt“, erklärt der Fitmacher. „Die Marke ‚Kölner Haie‘ ist für einen Trainer hoch interessant. Deswegen ist es ein Traum, hier arbeiten zu dürfen. Eishockey ist einfach sehr aufregend für mich, weil die Sportart einem als Athletiktrainer so viele Möglichkeiten bietet“, betont Greskowiak.

Arne Greskowiak, Kölner Haie

DAS IST ARNE GRESKOWIAK
Position: Haie-Athletiktrainer
Alter: 31
Ausbildung: Deutsche Sporthochschule Köln
Bei den Haien seit: 2015
Weitere Klienten: KEC-Junghaie (Eishockey), RheinStars Köln (Basketball), Rot-Weiss Köln (Feldhockey), Team DSHS SnowTrex Köln (Volleyball), Cologne Crocodiles (American Football)
Sonstiges: Der in Köln aufgewachsene Greskowiak führt zusätzlich noch den „ago Sportklub“ in den historischen Abelbauten im Sportpark ­Müngersdorf
Foto: Sabine Stein

„Ich sehe mich als Teil des Teams und arbeite sehr eng mit den anderen Trainern zusammen. Eishockey ist sehr komplex – und die Athletik ist ein kleiner Teil davon. Die Spieler müssen fit und gesund sein, das ist mein Thema“, so der neue Fitness-Coach. „Das Besondere ist, dass du eine Explosionssportart mit Körperkontakt hast, aber trotzdem eine filigrane Technik benötigst. Es reicht nicht, nur den Gegner umzufahren, sondern du musst auch den Puck händeln können“, umschreibt er die Anforderungen auf dem Eis. „Eine gute Koordination, taktisches Geschick, aber eben auch harte Arbeit sind vonnöten. Und wer zwei Bahnen in vollem Tempo hin- und hergesprintet ist, weiß, wie sehr die Oberschenkel dann brennen. Dann noch eine gute Entscheidung treffen zu können, das ist schon eine Herausforderung. Daran sieht man, wie facettenreich die Anforderungen im Eishockey sind“, erläutert der frühere Handballer.

„Hier wird gearbeitet“

Was das bedeutet, bekommt jetzt Charlie Stephens zu spüren. Nach dem Training auf dem Eis bittet Greskowiak den 34-Jährigen zur Einheit im Kraftraum. Bankdrücken steht genauso auf dem Programm wie Übungen mit der Freihantel oder an der Klimmzugstange. Nach einem Plausch über die aktuelle Verfassung geht es zur Sache: Der Kanadier leistet den Anweisungen Folge, egal ob fünf oder zehn Wiederholungen gefordert sind. Der Schweiß fließt in Strömen, dennoch bleibt Zeit für kleine Späße: „What about my hair?“, fragt der kahlköpfige Center, der seit 2011 für die Haie stürmt, seinen Athletikcoach. Auch der Eishockeyprofi in etwas gesetzterem Alter will ja schließlich bei den Fitnessübungen gut aussehen.

„Es ist für mich schon wichtig, gute Stimmung reinzubringen und positiv zu sein. Ich bin von Grund auf ein lockerer Typ und mache gerne Blödsinn“, sagt Greskowiak und fügt aber hinzu: „Hier im Kraftraum wird gearbeitet. Man kann schon einen Spaß machen, aber wenn du mit dem ganzen Team hier bist, dann bringt es nichts, wenn wir alle viel Spaß hatten, aber nicht hart trainiert haben. In der Kabine kann man mich frotzeln oder einen blöden Spruch bringen, das kommt genauso zurück. Aber wenn gearbeitet wird, wird gearbeitet. Das ist meine Devise.“

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Gepostet von Arne Greskowiak am Montag, 14. Dezember 2015

Eine Einstellung, die gut ankommt: „Er macht einen großartigen Job. Wir haben eine ähnliche Philosophie, was das Off-Ice-Training anbetrifft“, so Sundblad. Eine Philosophie, die mit „Qualität kommt von Qual“ gut umschrieben ist. „Ich bin jemand, der daran glaubt, dass sich harte Arbeit auszahlt. Auch Niklas ist jemand, der auf ‚Larifari‘ keine Lust hat“, so Greskowiak, der – das ist spürbar – mit Sundblad auf einer Wellenlänge liegt. „Unser Credo ist: Du musst unter der Woche hart arbeiten, damit du am Wochenende deine maximale Leistung abrufen kannst. Gerade Dienstag und Mittwoch sind so Tage, da geht es richtig zur Sache. Die Partien am Freitag und am Sonntag müssen sich besser anfühlen als das Training, dann hast du wirklich gut gearbeitet. Denn: Wenn du erst im Spiel an deine Grenzen gehst, kann das am Ende der Saison schiefgehen.“

Ganz nah am Team

Damit es diesmal nicht schiefgeht, sind die Haie zwei Wochen früher in die Vorbereitung eingestiegen. Harte Arbeit, die sich auszahlen soll, und die auch während der Saison nicht aufhört. „Wenn man nur in der Vorbereitung arbeitet, dann ist spätestens nach zwei Monaten alles wieder verloren“, sagt Sundblad. Dafür rückt Greskowiak nah ans Team: „Ich frage immer nach, was die Jungs sich vorstellen, was sie brauchen, was ihnen fehlt und wo ich ihnen helfen kann. Ich bin ein Organ, das davon lebt, dass die Spieler mit ihm arbeiten wollen.“

Bislang gebe es aber keinen Grund zu klagen: „Wir haben ein sehr starkes Team, was die körperliche Kraft anbetrifft. Jetzt sind es noch kleine Schritte, die wir in diesem Bereich gehen wollen“, erklärt Greskowiak. Die Saison sei noch sehr lang, bis in den April hinein wollen die Haie in einer starken Verfassung sein. Damit das auch so ist, muss im Kraftraum des Haie-Trainingszentrums nicht nur Charlie Stephens noch viel schwitzen.

Thomas Reinscheid