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Fortuna verspielt Sieg und hadert

Schiedsrichter Patrick Schult zog mit einigen Entscheidungen den Unmut der Fortuna-Fans auf sich. Hier verwarnt der Unparteiische Dennis Engelman Foto: Imago/Manngold

Schiedsrichter Patrick Schult zog mit einigen Entscheidungen den Unmut der Fortuna-Fans auf sich. Hier verwarnt der Unparteiische Dennis Engelman
Foto: Imago/Manngold

Vor 980 Zuschauern im Südstadion verspielt Fortuna Köln eine 2:0-Führung und muss sich gegen die SG Sonnenhof Großaspach durch ein Gegentor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit mit einem Punkt begnügen.

Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn nach einem Fußballspiel der Schiedsrichter im Mittelpunkt steht. Dies bestätigte sich auch am Mittwochabend, als Referee Patrick Schult aus Osterbek im Kölner Südstadion den Unmut von Spielern, Verantwortlichen und Fans der Kölner Fortuna auf sich zog. Zwei Minuten Nachspielzeit hatte der Unparteiische angezeigt. Zu diesem Zeitpunkt führte die Fortuna mit 2:1, hatte bereits Hamdi Dahmani mit Gelb-Roter Karte verloren und versuchte die Führung irgendwie über die Zeit zu retten. Dies gelang, denn als die angezeigten zwei Minuten abgelaufen waren, führte die Fortuna immernoch, lediglich Schult pfiff das Spiel nicht ab.

Zwar hätten die Südstädter zu diesem Zeitpunkt bereits alles klar machen können, doch alleine vor SG-Torwart Kevin Broll vergab Marco Königs die große Chance zum dritten Tor (90.+2). Der Keeper schlug den Ball anschließend lang nach vorne, doch Schult pfiff nicht etwa ab, sondern ließ das Spiel immer noch weiterlaufen. Großaspach bekam noch mal die Chance und nutzte sie: Nach einer Hereingabe von der linken Seite kam der Ball über Umwege zum in der Halbzeit eingewechselten Timo Röttger, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte und den späten Ausgleich erzielte. Da betrug die Nachspielzeit bereits genau zwei Minuten und 59 Sekunden. Einen Grund die angezeigte Nachspielzeit zu verlängern, hatte es nicht gegeben. Besonders Brisant: Röttger spielte in der abgelaufenen Saison noch für Fortunas Rivalen Viktoria Köln und feierte seinen Treffer entsprechend ausgelassen, was unter anderem nach der Partie dazu beitrug, dass es noch zu wilden Diskussionen zwischen Beteiligten beider Teams auf dem Rasen kam.

Dahmani spielt stark, trifft und fliegt

Der Frust war den Gastgebern sichtlich anzumerken. Und er war berechtigt. Denn die Fortuna hatte zwei wichtige Punkte liegen gelassen, in einem Spiel, in dem es eigentlich nur einen Sieger hätte geben dürfen. Schon in der zweiten Minute gelang Hamdi Dahmani, der ebenso wie Dennis Engelman und Cauly Oliveira Souza in die Startelf rotierte, nach einer Kopfballvorlage von Königs die Führung für die Südstädter. Im Anschluss entwickelte sich ein fader Kick zwischen zwei Mannschaften, deren Spielaufbau an diesem regnerischen Abend hauptsächlich darin bestand, lange Bälle in die Spitze zu schlagen. Spielerisch ansehnlich wurde es nur noch einmal kurz vor der Pause, als Julius Biada nach einer Kombination über Markus Pazurek und Lars Bender freie Bahn zum Tor hatte, mit links jedoch unglücklich über den Ball trat (44.). „Das 2:0 zu diesem Zeitpunkt wäre wichtig und wahrscheinlich vorentscheidend gewesen“, sagte Fortuna-Trainer Uwe Koschinat in der Halbzeit.

So aber blieb es spannend. Auch weil die Südstädter im zweiten Durchgang einen erneuten Blitzstart knapp verpassten. Oliveira Souza (47.) und Königs (49.) brachten den Ball aus bester Position jeweils nicht am glänzend aufgelegten Broll im Großaspacher Gehäuse vorbei. Gleiches galt für Bender, der nach dem besten Spielzug des Abends, den Oliveira Souza per Brustablage einleitete, aus fünf Metern völlig frei am langen Bein des SG-Torhüters scheiterte (61.).

Dass sich diese Fahrlässigkeit rächen könnte, schien ob der Großaspacher Harmlosigkeit allerdings gänzlich unwahrscheinlich. Kurze Zeit später stellten die Gäste sogar ihre Defensivbemühungen fast komplett ein und ließen Königs am eigenen Strafraum förmlich ungehindert gewähren. Dieser steckte im richtigen Moment auf Oliveira Souza durch, der den Ball zum 2:0 versenkte (66.). Als alles auf einen ruhig ausklingenden Abend hindeutete, trat Schiedsrichter Schult in Erscheinung. Der bis dato stark aufspielende Dahmani konnte sich gegen zwei Gegenspieler behaupten und versuchte dann per Grätsche in Ballbesitz zu bleiben. Weil er mit ausgestrecktem Bein in Richtung Gegenspieler grätschte, zeigte der Referee die Gelbe Karte. Dahmani, im ersten Durchgang bereits verwarnt, sah folgerichtig Gelb-Rot und kassierte damit Fortunas bereits fünften Platzverweis in dieser Saison. War diese Entscheidung des Unparteiischen noch zu vertreten gewesen, lag er kurze Zeit später jedoch komplett daneben.

Fortuna wird Strafstoß verwehrt

Marco Königs zog in den Strafraum und wurde von seinem Gegenspieler eindeutig am Trikot festgehalten. Der Fortuna-Torjäger fiel, doch der Schiedsrichter bewertete diese Szene als Schwalbe und zeigte Königs die Gelbe Karte. Diese hätte der Angreifer in der ersten Halbzeit zwar verdient gehabt, als er sich im SG-Strafraum nur allzu leicht fallen ließ, in dieser Szene jedoch wurde er klar regelwidrig am Abschluss gehindert. Als Minuten später auch noch Biada im Strafraum zu Fall kam und der Pfiff erneut ausblieb, hatte der Fortuna-Anhang seinen Buhmann des Abends gefunden.

Doch das alles wäre wohl kein großes Problem gewesen, hätten die Gäste Fortunas mitunter schwache Rückwärtsbewegung kurz vor Schluss nicht doch noch zum Anschlusstreffer durch Pascal Breier genutzt (87.). Die anschließende Schlussphase entwickelte sich zu einer echten Nervenprobe, doch immer wieder schlossen die Großaspacher überhastet oder unkonzentriert ab. So wartete alles auf den Schlusspfiff. Dieser hätte kommen können, noch bevor Königs alleine aufs Tor zulief, doch hätte spätestens erfolgen müssen, nachdem der Kölner Stürmer den Ball nicht im Tor unterbrachte.

Doch Schults Pfeife blieb stumm, Großaspach stürmte, Röttger traf und die Hausherren hatten allen Grund sauer zu sein. Sauer auf den Unparteiischen, der von einer souveränen Spielleitung in etwa so weit entfernt war, wie Fortuna-Maskottchen Fred von einem Startelfeinsatz, aber auch sauer auf sich selbst. Denn Großaspach hatte sich an diesem Abend als ein Gegner präsentiert, den man unbedingt hätte schlagen müssen. Beste Torchancen hatte es zu Hauf gegeben und das Spiel hätte frühzeitig entschieden sein können. Dass es dazu nicht kam, ist jedenfalls nicht dem Schiedsrichter anzukreiden.