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Felix Drahotta: Das Ziel heißt Gold

Felix Drahotta, RTHC Leverkusen, rudert im Deutschland-Achter

Gefragter Mann im Deutschland-Achter: Felix Drahotta (RTHC Leverkusen)
Foto: imago/Richard Wareham

„Jetzt wird knallhart durchgezogen“: Schlag auf Schlag geht es für Felix Drahotta derzeit zur Sache. Der Wahl-Leverkusener kämpft um einen Platz im renommierten Ruder-Achter für Olympia – und um seinen Traum von Gold in Rio.

Grau in grau ist der Himmel über dem Fühlinger See – doch ein goldiger Schimmer ist am Gründonnerstag auf der Regattabahn nicht von der Hand zu weisen. Der Deutschland-Achter, ein heißer Kandidat für Edelmetall bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August), macht Station im Kölner Norden und hält dort im Anschluss an ein Trainingslager in Andalusien eine Leistungsüberprüfung ab. 16 der 20 Kandidaten, die im Hochsommer in der Lagoa Rodrigo de Freitas zu Gold rudern sollen, sind erschienen. Mittendrin auch Felix Drahotta, der für den RTHC Leverkusen startet. Der 1,99 Meter große Hüne kämpft um seinen Platz im Vorzeigeboot des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) und will sich seinen Traum von Olympia im Achter erfüllen.

„Ich hoffe, dass ich es schaffe“, sagt der 27-Jährige, der beim Ergometertest am Vortag nur von einem seiner Kontrahenten bezwungen wurde. „Die Entscheidung liegt aber beim Trainer – da wird nicht immer streng auf die Leistung geschaut, sondern auch nach Bauchgefühl. Das muss ich nehmen, wie es kommt“, gibt sich der gebürtige Rostocker nordisch-kühl. Vom immensen Trainingspensum, das hinter Drahotta liegt, merkt man während des Gesprächs wenig: Der durchtrainierte Modellathlet sitzt entspannt an einem Tisch im Wassersport-Zentrum, nur ab und zu muss er kurz abhusten. „Wir haben, typisch für ein Olympia-Jahr, viel gearbeitet, sind ins Trainingslager gegangen und werden nun wettkampfspezifischer“, erklärt der Lokalmatador am Fühlinger See und fügt im Hinblick auf Olympia zuversichtlich an: „Die Mannschaft ist ganz gut dabei, die Form ist besser als im vergangenen Jahr.“

Diesmal die Briten schlagen

In Rio heißt der Rivale im Achter abermals Großbritannien: Gegen die Jungs von der Insel zog das deutsche Vorzeigeboot bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften stets den Kürzeren. „Natürlich wird der Frust mit jeder Niederlage größer“, gesteht Drahotta. „Ich würde aber nicht sagen, dass der Wille, Großbritannien zu besiegen, steigt, denn der war schon beim ersten Mal maximal hoch. Da haben wir uns schon gedacht: ‚Verdammt, beim nächsten Mal holen wir sie uns auf jeden Fall!‘ Das war bislang jedes Jahr so – und trotzdem schlagen sie uns bei der WM, obwohl wir in der Saison teilweise kein Rennen verloren hatten. Kurz vor der WM haben die irgendwas besser als wir gemacht“, sitzt der Frust beim Neu-Leverkusener tief. Dennoch geht er positiv gestimmt ins Olympia-Jahr, denn der Deutschland-Achter scheint stark wie selten zuvor. „Wir sind auf jeden Fall fitter als in den Vorjahren, beim Ergometer-Test hat es teilweise Bestwerte gehagelt“, sieht Drahotta seine Kontrahenten im Kampf um einen Platz im Boot bestens für die Jagd nach dem Titel gerüstet.

Drahotta/Braun feiern souveränen Sieg in KölnFavoritensieg in einem packenden und hochspannenden Finale. Felix…

Gepostet von Deutschlandachter am Sonntag, 17. April 2016

Damit der Sprung in den Olympia-Achter klappt, wagt der Mecklenburger einen Einschnitt. 2013 zog Drahotta nach Dortmund, um täglich am Leistungsstützpunkt zu trainieren – die Pendelei zwischen Ostseeküste und Ruhrpott wurde dem Sportsoldaten zu viel. „Sportlich musste sich bei mir etwas ändern. Ich hatte in Rostock keinen Ruderpartner. Da die Mannschaft in Dortmund war, bin ich dorthin gezogen“, so Drahotta. In der Umgebung suchte er einen neuen Verein. Und fand durch Ralf Müller, der ihn bereits bei seinem Durchbruch bei den Olympischen Spielen 2008 betreute, den RTHC Leverkusen. „Ich habe nach einem Verein gesucht, wo ich einen Trainer habe, dem ich vertrauen kann“, betont der Ruderer. „Ralf Müller ist ein Trainer, mit dem ich super arbeiten kann, und der für mich zum Freund geworden ist. Das braucht man auch, denn eine sportliche Karriere ist doch von Aufs und Abs geprägt – da ist eine Vertrauensperson ganz wichtig“, so Drahotta.

Ständige Telefonate, Rücksprachen über Trainingsfortschritte und ab und zu ein kleiner Tipp: Der Draht zu Müller ist trotz des Alltags in Dortmund sehr eng. Den Schlendrian, der ihm nachgesagt wurde, hat Drahotta längst abgelegt: „Das ist eine Schublade, in die mich die Trainer gerne stecken. Trainer machen das gerne. Ich bin mit 19 Jahren in den A-Kader gekommen, da hat man alles andere im Kopf als Rudern. Ich habe versucht, mit dem Minimum an Aufwand ausreichende Leistungen zu zeigen. Jetzt bin ich acht Jahre älter – da ist der Fokus klar. Jetzt wird nicht mehr beschissen, jetzt wird knallhart durchgezogen!“ Sechs Uhr aufstehen, Rudertraining ab 7.00 Uhr, dann eine Einheit im Kraftraum oder beim Aerobic, nachmittags noch mal zwei Stunden Rudern: Der Traum vom Olympia-Gold ist ein Vollzeitjob. „Bei dem Pensum im olympischen Jahr hätte ich für Arbeit auch keine Zeit“, gesteht der 27-Jährige.

Ausbildung nach Olympia

Nach den Olympischen Spielen­ wird es allerdings ernst im Berufsleben: Drahotta startet­ eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker im Bereich Anlagen- und Hochvolttechnik. Ob dann noch Spitzensport möglich ist? Fraglich. Rio könnte also die letzte Chance auf das ganz große Ding im Achter sein, nicht nur für Drahotta: „Dieses Jahr haben wir eine richtig gute Mannschaft, mit der man Olympiasieger werden kann. Danach hören einige Leistungsträger auf – und es kommen wenig richtig gute Nachwuchsleute nach. In den Jahren nach Rio wird es sehr schwer werden“, sagt er. Und erklärt: „Möglicher­weise ist das die letzte Chance auf einen großen Titel.“

Text: Thomas Reinscheid