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Rückfall in alte Zeiten

Zum Vergraben: Die Leistung des 1. FC Köln war miserabel, doch einige Fans unterboten das noch. Foto: imago/Chai v.d. Laage

Zum Vergraben: Die Leistung des 1. FC Köln war miserabel, doch einige Fans unterboten das noch.
Foto: imago/Chai v.d. Laage

Die Pfiffe während des gestrigen Heimspiels haben nicht nur Peter Stöger und die Mannschaft des 1. FC Köln aufgeregt. Unser Kommentar.

Ging die Auswärtsreise für Außenseiter früher ins Stadion nach Müngersdorf, war die Taktik häufig sehr offensichtlich. „Bis zur 30. Minute sicher stehen, dann kommt die Unruhe von den Rängen sowieso“, schien die Marschroute der meisten Teams zu sein, die beim 1. FC Köln antraten. Von der Anfangseuphorie bei Anpfiff war nicht selten nur kurze Zeit später nichts mehr zu merken. Das Raunen und Meckern auf den Rängen wurde mehr, die Unsicherheit auf dem Platz auch und die zunehmende Fehlerzahl steigerte die Unzufriedenheit beim Kölner Anhang nur noch mehr.

Ein Teufelskreis, den das notorisch unruhige Umfeld bei den „Geißböcken“ allerdings durchbrochen zu haben schien. Die Mannschaft wurde in den letzten zweieinhalb Jahren nach dem Abstieg vorbildlich unterstützt, auch in schweren Phasen sprachen die Fans dem Team Mut zu und stellten sich hinter den eingeschlagenen Weg des Vereins. Der Lohn für all die Geduld: Die Rückkehr in die Bundesliga. Auch danach sprachen die Verantwortlichen am Geißbockheim gebetsmühlenartig von bescheidenen Zielen: Platz 15 das ausgerufene Ziel, der Klassenerhalt steht über allem.

Die guten Vorsätze gingen im Heimspiel gegen Freiburg über Bord: Beim Duell gegen das Schlusslicht aus dem Breisgau kam wieder die alte kölsche „Die hätten wir früher mit Adiletten aus dem Stadion geschossen“-Attitüde zum Vorschein. Trotz zuvor zwei Siegen in der Liga, trotz des ordentlichen Tabellenstands, trotz des Respekts, den sich das Team nicht nur bei den eigenen Fans in der jüngsten Vergangenheit erspielt hatte: Auf den Tribünen Erregungszustände wie bei Platz 18 und unbedingter Siegpflicht, die nur noch von unsäglichen Pfiffen während des Spiels getoppt wurden.

Ja, die FC-Spieler hatten am Sonntag keinen Sahnetag erwischt. Ja, die Mannschaft hat gegen defensiv eingestellte Gegner große Probleme im Spielaufbau. Ja, sie spielen sich zu wenig Chancen heraus. Aber: Sie bei ihrer ersten wirklich schwachen Saisonleistung auszupfeifen ist nicht nur kontraproduktiv, sondern geht auch deutlich zu weit. Ihnen Einstellungsprobleme angesichts des Gegners zu attestieren ist gar respektlos. Der Kredit, den sich die Spieler durch ihre Leistungen erspielt haben, scheint offenbar so gering zu sein, dass er nichtmals den Frustsuff nach der Niederlage begleichen könnte.

Wer von der Leistung am Sonntag ernsthaft so enttäuscht war, die Spieler mit Liebesentzug und Pfiffen zu bestrafen, der hat schlichtweg ein Problem mit der eigenen Erwartungshaltung. Die bisherigen Spiele haben dieselben Probleme offenbart wie die gestrige Partie. Sollte der FC all das abstellen, was jetzt mit heiligem Furor diskutiert wird, wäre er ein Kandidat für die Spitzenplätze. Ist er aber nicht – es geht weiterhin um Platz 15, auch wenn das offenbar auf den Rängen so manche noch nicht verinnerlicht haben.

Thomas Reinscheid