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FC: Mer sin widder do

Bochum erwies sich für den FC als Partyverderber Foto: Imago

Bochum erwies sich für den FC lange Zeit als spaßbefreiter Partyverderber
Foto: Imago

Es ist vollbracht: Der 1. FC Köln macht gegen den VfL Bochum die Rückkehrparty perfekt.

Dabei sah es für die Kölner gegen den VfL Bochum zunächst nicht gut aus. Die Gäste gingen durch ein Eigentor von Adam Matuschyk (42.) in Führung, Marcel Risse (50.) und Patrick Helmes (64.) drehten die Partie zugunsten der „Geißböcke“, die dadurch als Aufsteiger und Zweitligameister feststehen.

„1. Bundesliga – wir sind wieder da“ und „Der FC Köln ist wieder da“ – die Gesänge wechselten sich im RheinEnergieStadion nach dem Führungstreffer mit einer LaOla ab. Abstieg? Schwarze Rauchwolke? Ein zutiefst gespaltener Verein mit finanziellen Sorgen und einem sportlichen Scherbenhaufen? Alles vergessen – der Betriebsunfall „Zweitklassigkeit“ ist zum fünften Mal behoben.

In den ersten 45 Minuten tat sich der FC allerdings außerordentlich schwer, der Partylaune des eigenen Anhangs Nahrung zu geben. Der VfL Bochum war offensichtlich nicht als Partygast gekommen. Horn musste gegen Sukuta-Pasu (5.) sein ganzes Können aufbieten, später köpfte Tasaka an den Pfosten (41.). Den Kölnern fehlte dagegen die Durchschlagskraft: Lediglich aus der Distanz prüften Halfar (23.) und Nagasawa (27.) Gästekeeper Luthe. Folgerichtig der Führungstreffer: Matuschyk bugsierte den Ball unglücklich über die Linie (42.).

Die Pause schien Peter Stöger zu einem ordentlichen Donnerwetter genutzt zu haben. Wie verwandelt kam die Elf nicht nur wegen der Einwechslung von Marcel Risse aus der Kabine. Eben jeder Risse brachte dann den umjubelten Ausgleich: Sein satter Linksschuss rauschte unhaltbar ins Netz (50.). Auf die Siegerstraße brachte den FC eine umstrittene Entscheidung von Schiedsrichter Winkmann, der nach einer Attacke von Acquistapace an Helmes auf den Punkt gezeigt und den Bochumer des Feldes verwies. Helmes trat selber an, brauchte aber gegen Luthe den Nachschuss, um zum 2:1 zu verwandeln (64.). Der eingewechselte Ujah machte in der 81. Minute den Deckel drauf.

Der Rest war glückseliger Jubel in Müngersdorf, ist unendliche Party in der Stadt, wird hochklassiger Bundesliga-Fußball in der näheren Zukunft sein. Doch wie unterschiedlich dieser Aufstieg, der fünfte in der Geschichte des Vereins, zur letzten Rückkehr in die Bundesliga ist. 2008 vibrierte im Mai eine ganze Stadt. Vor Anspannung. Vor Vorfreude. Vor Nervosität. „4711“ hieß die Zauberformel. 4. Mai – zuhause gegen 1899 Hoffenheim. 7. Mai – beim FC Augsburg. 11. Mai – Mainz 05 zu Gast im Müngersdorf. Die Woche der Wahrheit. Die Erfüllung der Daum’schen Floskel vom Marathon, der auf den letzten Metern entschieden wird. Ab dem 28. Spieltag müssen wir da sein.

Und das Team war da. Und wie es da war. Eine zusammengewürfelte Ansammlung hochbezahlter Könner, für die 2. Bundesliga größtenteils zu gut oder sich für zu gut halten, die bis dato eher Dienst nach Vorschrift absolviert hatte. Die knappen und glücklichen Siegen ohne Glanz peinliche Ausrutscher folgen ließ. Sie waren auf den Moment fokussiert, motiviert und schienen wie angesteckt von der über Köln liegenden Emotion zu sein.

Thomas Broich opferte sich mit einem Riss in der Lunge und avancierte gegen ärztlichen Rat zum tapferen Helden des Aufstiegs. Roda Antar ließ die Diva zuhause und war endlich ein großartiger Mittelfeldspieler. Die abgezockten Profis wie Faryd Mondragon oder Ümut Özat wussten, was die Stunde geschlagen hat und waren zu 1948 Prozent bereit. Milivoje Novakovic und Patrick Helmes harmonierten wie einst Toni Polster und Bruno Labbadia. Kurzum: Ein Wunder war geschehen.

Hoffenheim wurde in der „Festung Müngersdorf“, vorher eher Folterkammer für Fans und Spieler, niedergerungen. Symbolbild des Sieges war der überharte, aber bejubelte Einstieg Maynor Suazos, der Gästespieler Sejad Salihovic einen Zahn ausköpfte. Leidenschaft pur. Augsburg war nur ein Pflichtsieg vor dem großen Showdown gegen Mainz 05. Eine ganze Stadt fieberte auf das Duell mit Klopps Rheinhessen hin – ein Sieg und der FC wäre zurück in Liga eins.

Dass dieser auch folgte, war die Konsequenz aus einer nicht für möglich gehaltenen Steigerung der Mannschaft, die lange nicht als solche aufgetreten war. Konsequent, zweikampf- und laufstark sowie mit einer unglaublichen Präsenz war Mainz dem kölschen Ansturm auf die Bundesliga nicht gewachsen. Roda Antar verwandelte das Müngersdorfer Stadion durch seinen Doppelpack zum Tollhaus. Und damit eine ganze Stadt, die den Aufstieg feierte.

Und diesmal? Keine Explosion wie 2008 trotz Platzsturm, den auch massive Ordnerpräsenz nicht verhindern konnte, sondern einfache, aber gewaltige Glückseligkeit. Es erinnert an die Aufstiege unter Funkel (in Aue) und Stevens (gegen St. Pauli zuhause). Nach dem Verlauf der Saison war es einfach selbstverständlich und eine Zwangsläufigkeit, dass der FC die Bundesliga erreicht – zu gefestigt hat sich das Team in der Spielzeit präsentiert, zu souverän waren die „Geißböcke“ vorneweg marschiert. Keine Frage: Emotionaler war die 4711-Woche, doch dieser Aufstieg ist nachhaltiger, hat mehr Perspektive, hat größeren Charakter.

Auch dieser Aufstieg an Ostermontag hat etwas Feierliches. Die Wiederauferstehung des 1. FC Köln. Es soll nämlich der letzte sein – der FC sagt: Tschüß Zweitklassigkeit. München, Dortmund – wir kommen!