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FC: Fünf Erkenntnisse vom 7. Spieltag

Das war knapp: Mit 2:1 hat der 1. FC Köln den FC Ingolstadt geschlagen und bleibt so an der Tabellenspitze. Unsere fünf Erkenntnisse der Partie.
Sieg

Erleichterung pur: Die Spieler feiern gemeinsam mit den Fans Simon Teroddes Tor zum 2:1. (Foto: imago/Uwe Kraft)

1 Das hätte auch kippen können.

Langer Ball aus dem Mittelfeld, Hinterkopfball Marvin Matip – als der 1. FC Köln am gestrigen Dienstagabend nach 55 Minuten mit 0:1 zurücklag, hätte das Spiel auch gut und gerne in die andere Richtung kippen können. Wenn eben jener Kopfball des Ex-Kölners, der von 2005 bis 2010 mit Vereinsikonen wie Salvatore Gambino und Peter Madsen zusammenspielte, nicht an den Innenpfosten, sondern ins Tornetz gesprungen wäre. Es dauerte eine Weile, bis sich die Kölner aus der Angriffsphase der „Schanzer“ in den ersten 20 Minuten nach der Halbzeit lösen konnten und selbst wieder aktiv wurden. Am Ende zeigten sie jedoch Moral und wendeten das Blatt zu ihren Gunsten, auch wenn sich mit dem Ausgleichstreffer nicht sofort die von Markus Anfang geforderte Dominanz wieder einstellte.

2 Baustelle bleibt Baustelle.

Ümit Özat, Miso Brecko, Pawel Olkowski, Lukas Klünter…sie alle bekleideten in der jüngeren Vergangenheit die Position des Rechtsverteidigers des 1. FC Köln. Durchgesetzt hat sich von ihnen so richtig niemand, weshalb sie auch allesamt nicht mehr beim FC spielen. Dort sollten Matthias Bader und Benno Schmitz in dieser Spielzeit um Einsatzzeit kämpfen, nach der Verletzung der Beiden scheint sich allerdings nun Marcel Risse hinten rechts festgespielt zu haben. Dass dieser seine Stärken eher in der Offensive hat, wurde gestern deutlich, als er den Elfmeter herausholte und auf dem Weg in Richtung gegnerischer Strafraum generell deutlich glücklicher wirkte als in der Verteidigung bzw. im Zentrum, wohin die Außenverteidiger in Markus Anfangs System einrücken sollen. Immer wieder kamen die Gegner über Risses (oft verwaiste) Seite, spielten die Kölsche Nummer Sieben immer wieder mit Leichtigkeit aus. Er wirkt verunsichert, die missglückte Freist0ßvariante ins Seitenaus war nur ein Beispiel. Es dürfte spannend sein, wie Anfang die Positionsfrage in Bielefeld beantwortet. Vielleicht ist Benno Schmitz ja wieder bereit?

3 Torwarteck sieht immer blöd aus.

Wenn ein gegnerischer Stürmer relativ frei in Nähe des Fünfmeterraums zum Schuss kommt, ist dem Torwart eigentlich in den seltensten Fällen ein Vorwurf zu machen. Ein Torwart mit der Klasse eines Timo Horn hat jedoch den Anspruch, einen Ball wie den von Sonny Kittel in der 55. Minute zu halten – besonders, wenn er so im Torwarteck einschlägt. Horn hatte auf eine Flanke oder die lange Ecke spekuliert und wurde voll auf dem falschen Fuß erwischt. Seine ganze Klasse konnte er dann jedoch auch im Anschluss noch aufbieten, als er Ingolstädter Chancen in Serie entschärfte und seine Kollegen wachrüttelte, als ein FCI-Stürmer den Ball am Fünfmeterraum locker mit der Brust annehmen durfte. Nach diesem Weckruf ging es bei den Kölner aufwärts – Die Qualitäten von Horn als „Wachrüttler“ sind fast wichtiger als seine Paraden.

4 Der unglaubliche Simon T.

Nimmt man den Pokal hinzu und schließt das erste Heimspiel der Saison gegen Union Berlin, wo er in der Schlussphase nur eingewechselt wurde, aus, hat Simon Terodde in den vergangenen sechs Spielen 14 Tore geschossen. 14! Eine Zahl so hoch, dass man sie nicht mal mehr ausschreiben muss. Und auch wenn er gerade in Halbzeit Eins auch etliche Großchancen liegen ließ oder an einer Sensationsparade von Marco Knaller scheiterte – „T-Rod“ ist IMMER für ein Tor gut, auch in Spielen, wo es aussieht als hätte er ein riesiges Stück Dreck am Schuh. Das ist kein Glück, Terodde erarbeitet sich diese Momente mit seinem mannschaftsdienlichen Spiel. Als Belohnung gab es Zweitliga-Tore 98 und 99 für den zweifachen Torschützenkönig dieses Wettbewerbs. Wenn er mit dieser Quote weitertrifft, schafft er die 100 und holt Bruno Labbadia mit 101 ein – vielleicht beides schon am Freitag, auf der Alm in Bielefeld.

5 Das Schweigen der Ultras.

Dass sich tatsächlich Ultra-Gruppen aller Vereine der oberen drei Ligen in einer Sache einig sind, ist eigentlich fast unmöglich. Außer, wenn es um die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs geht und darum, dass er sich immer mehr von der „Basis“ entferne. Deshalb protestieren in dieser englischen Woche alle Ultra-Gruppierungen mit Schweigen in den ersten 20 Minuten. So natürlich auch in Köln, nur scheinbar hatten das nicht allzu viele der neutralen Fans mitbekommen. Also versuchten manche, eigenständig Gesänge anzustimmen – mit überschaubarem Erfolg. Und als die Ultras dann nach 20 Minuten wieder Fahnen, Trommelstöcke und Stimmbänder in Bewegung brachten, war sie plötzlich wieder da, die so oft zitierte, überragende Stimmung in Müngersdorf. Jeder möge von den Ultras halten, was er wolle – dass ohne ihre akustische Power nicht viel ist mit Heimvorteil, stellten sie gestern wieder eindrucksvoll unter Beweis.