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FC-Finanzboss Wehrle: „Wir brauchen keinen Geldspeicher“

Alexander Wehrle, Finanzgeschäftsführer des 1. FC Köln

Beste Aussichten auf ein erfolgreiches Ergebnis: FC-Finanzgeschäftsführer Alexander Wehrle
Foto: imago/Horst Galuschka

Als FC-Finanzboss ist Alexander Wehrle ein gefragter Mann. Im ersten Teil des großen Köln.Sport-Interview spricht der „Herr der Zahlen“ über Rekordumsätze, den neuen TV-Vertrag und das „Team Marktwert“.

Sportlich erzielte der 1. FC Köln in der abgelaufenen Spielzeit 2015/16 ein starkes Ergebnis: Platz neun stand am Ende für die „Geißböcke“ zu Buche. Doch auch finanziell geht es am Geißbockheim stetig bergauf: Erstmals in der Vereinsgeschichte wird der Jahresumsatz die Marke von 100 Millionen Euro deutlich durchbrechen (Köln.Sport berichtete). Auch auf anderem Gebiet kann FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle einen Erfolg verbuchen: Der neue TV-Vertrag, der ab der Saison 2017/18 in Kraft trifft, garantiert dem Klub in den kommenden Jahren erheblich höhere Einnahmen als bislang. Angesichts dieser Zukunftsaussichten sprach ein sichtlich entspannter „Herr der Zahlen“ mit Köln.Sport über Rekordumsätze, den neuen TV-Vertrag, das „Team Marktwert“ und den Ausbau des Geißbockheim-Geländes.

Herr Wehrle, erneute Rekordbilanz in Sachen Umsatz und Gewinn, einen TV-Vertrag mit erheblichen Steigerungen sowie hohe Ablöseeinnahmen: Muss der FC bald am Geißbockheim einen Geldspeicher anbauen?

Naja, erst einmal greift der neue TV-Vertrag erst ab der Saison 2017/18 – und nicht schon zu dieser Spielzeit. Das Geschäftsjahr ist zwar beendet, aber die Bücher für 2015/16 sind noch nicht geschlossen, weshalb wir keine genauen Zahlen nennen können. Aber es stimmt: Wir werden voraussichtlich ein sehr gutes Umsatzergebnis erzielen. Was die Transfereinnahmen betrifft, haben wir aber immer gesagt, dass wir diese für die sportliche Wettbewerbsfähigkeit wieder reinvestieren werden. Um damit auf ihre Frage zurückzukommen: Wir brauchen keinen Geldspeicher! (schmunzelt)

Bereits Anfang des Jahres verrieten Sie beim großen „Kölner Sportgipfel“ in Köln.Sport, dass der FC die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro knacken wird. Gab es dennoch Überraschungen im vergangenen Halbjahr, die über dem Plan lagen?

Durchaus. Wir konnten zu Beginn des Jahres noch nicht genau prognostizieren, wie sich die Rückrunde mit Zuschauereinnahmen und Merchandising entwickelt. Das lief sehr erfreulich, deshalb haben wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt.

Gibt es denn in diesen Bereichen noch Steigerungspotenzial?

Im Merchandising gibt es immer Steigerungspotenzial, auch wenn wir im Liga-Vergleich schon jetzt auf dem fünften Rang liegen. Aber mit unserer Digitalisierungsstrategie und bei der direkten Ansprache unserer Fans gibt es sicher noch viel Potenzial, genauso über eine Internationalisierungsstrategie für die kommende Jahre. Da ist noch Phantasie drin, auch für das Merchandising-Ergebnis. Darüber hinaus sind die Zuschauereinnahmen seit Jahren konstant, da haben wir eine sehr gute Auslastungsquote. Selbstverständlich liegt auch bei den Sponsoringeinnahmen noch Steigerungspotenzial.

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Das Interview mit Alexander Wehrle ist in der aktuellen Köln.Sport-Ausgabe 08/16 enthalten. Alle Infos zum Heft!

Sie haben die Internationalisierung angesprochen, der FC schielt nach Asien und in die USA. Wie sehen dort die Pläne in der näheren Zukunft aus?

Wir sind in der Planungsphase für das Ende der kommenden Spielzeit. Gerade erst haben wir mit einigen Dienstleistern gesprochen, die uns dabei unterstützen. Wenn wir die Planungen beendet haben, dann werden wir das auch veröffentlichen. Eine eindeutige Präferenz gibt es jedoch noch nicht.

Was auffällt: Viele große Sponsoren wie REWE oder Ford sind dem FC sehr treu. Woran liegt das?

Das zeigt, dass wir eine sehr vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit mit vielen Partnern haben. Da weiß der eine, was er vom anderen erwarten kann – und umgekehrt. Das ist ein sehr gutes Fundament und zeugt von einer konstruktiven und erfolgreichen Zusammenarbeit.

Ist diese Kontinuität auch ein Dankeschön für die Unterstützung in schwierigeren Zeiten?

Auch das. Wir sprechen, wenn Verträge auslaufen, immer mit möglichen neuen Sponsoren, aber unsere bestehenden Partner sind die ersten Ansprechpartner. Das wissen alle Beteiligten. Das war bei Ford jetzt so, das wird auch bei den Verträgen des Hauptsponsors, Ausrüsters und des Stadion-Namensgebers, die alle 2018 auslaufen, ebenfalls so sein.

Den neuen TV-Vertrag, der ab der Saison 2017/18 in Kraft tritt, haben wir bereits angesprochen. Hat sie die Steigerung der Erlöse überrascht oder liegt das Ergebnis für Sie im erwartbaren Rahmen?

Es hat mich sehr positiv überrascht. Wir wussten zwar, dass es Entwicklungspotenzial gibt – aber die DFL mit Christian Seifert an der Spitze hat bei diesem Thema einen hervorragenden Job gemacht. Wenn man sieht, dass wir aktuell nur über die nationalen Erlöse sprechen und die internationalen noch nicht mit inbegriffen sind, dann sind die Steigerungen im ersten Jahr von 708 Millionen auf 978 Millionen schon sehr, sehr signifikant. 2021, im letzten Jahr des Vertrags, sind es dann schon 1,3 Milliarden. Diese Steigerung ist schon herausragend. Und die internationalen Gelder kommen ja noch, dort sind auch erhebliche Steigerungen zu erwarten. Von daher ist das sehr gut – und wir haben für die nächsten Jahre Planungssicherheit.

Jörg Schmadtke (l.) und Alexander Wehrle, Geschäftsführer 1. FC Köln, lächeln sich an

Ein starkes Duo am FC-Ruder: Jörg Schmadtke (l.) und Alexander Wehrle
Foto: Getty Images

Nach der Verkündung wurden seitens Fans wie auch bei anderen Sportarten Befürchtungen laut, die Verlierer des Deals zu sein. Halten Sie das für berechtigt?

Das müssten zuvorderst Sky und die Öffentlich-Rechtlichen beantworten. Wie ich die Partner bislang kennengelernt habe, werden sie sehr umsichtig vorgehen. Am Ende spricht das Produkt und die Marke Bundesliga für sich, es gibt spannende und hochklassige Spiele vor häufig ausverkauftem Haus. Das ist einfach ein Erlebnis, was es so vielleicht in anderen Ländern und Ligen nicht gibt. Zur Bundesliga kommen im Schnitt 44.000 Zuschauer pro Partie, das ist in England, Frankreich oder Italien nicht so. Da sieht man, dass die Bundesliga entsprechend erfolgreich ist – und daher ist es legitim, über die Preisstruktur nachzudenken.

Auch über die Verteilung der TV-Gelder wird nachgedacht. Der FC ist Teil des „Team Marktwert“, das einen anderen Verteilungsschlüssel anstrebt. Hätten Sie gedacht, dass dieser Vorstoß zu solch einer Diskussion führt?

Neuerungen geben immer Anlass zu Diskussionen, das ist völlig normal und war uns auch klar. Wir haben uns für dieses Thema zusammengeschlossen und alle Vereine zur Mitarbeit eingeladen, um andere Faktoren zu untersuchen, die werttreibend für die Marke Bundesliga sind. Wenn sie in andere Länder schauen, dann wird dort neben dem Solidaritätseffekt und den sportlichen Kriterien längst auch die Markenstärke betrachtet. Wenn der neue Ligavorstand im Amt ist, wird es die Gelegenheit geben, unseren Ansatz vorzustellen.

Ein Ansatz, der nicht bei allen Klubs auf Gegenliebe stößt. Wie wollen sie die Kritiker von dem Modell überzeugen?

Am Ende profitiert die gesamte Liga von Vereinen, die eine gewisse Markenstärke haben und einen gewissen Reiz ausstrahlen. Das sieht man auch an den Einschaltquoten. Erst dadurch können die Einnahmen erzielt werden, die Sender wie Sky bezahlen. Wir haben innerhalb des „Team Marktwerts“ Kriterien erarbeitet, von denen auch bisherige Kritiker des Systems profitieren können.

Im zweiten Teil spricht FC-Finanzboss Alexander Wehrle über den angedachten Ausbau des Geißbockheim-Geländes, die Kritik an diesem Projekt und über seine Träume für die anstehende Spielzeit.