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„Er hatte ein riesengroßes Herz“

Reiner Calmund hat den TuS Höhenhaus und seinen Freund Karl-Heinz Gillet lange Jahre begleitet Foto: IMAGO/Eibner

Reiner Calmund hat den TuS Höhenhaus und seinen Freund Karl-Heinz Gillet lange Jahre begleitet
Foto: IMAGO/Eibner

Reiner Calmund ist im Rheinland tief verwurzelt und kennt sich im hiesigen Sport bestens aus. Für Köln.Sport schreibt der langjährige Sportfunktionär über seine Erinnerungen an seinen Freund Karl-Heinz Gillet, den Macher des TuS Höhenhaus.

Ich komme der Bitte des Köln.Sport.Magazins, einige Zeilen über den 1997 verstorbenen Höhenhauser Jugendleiter Karl-Heinz Gillet zu verfassen, sehr gerne nach. Gillet war mit seinem kleinen rechtsrheinischen Klub unwahrscheinlich erfolgreich. Es war ein kompetenter und harter Malocher, der rund um die Uhr für den TuS Höhenhaus unterwegs war.

Obwohl wir uns oft gestritten haben, waren wir echte Freunde. Karl-Heinz wollte seine Vereinsinteressen immer verbissen, egoistisch und emotional durchsetzen. Da er jedoch neben seinem objektiven Blick für die andere Seite auch ein riesengroßes Herz hatte, konnte immer wieder schnell Frieden geschlossen werden. Für seinen vorbildlichen Einsatz im Breiten-und Spitzensport verlieh ihm der Fußballverband Mittelrhein in den 90er Jahren die Silberne Ehrennadel und die Goldene Verdienstnadel.

Auf Augenhöhe mit Bayer und dem FC

Karl-Heinz Gillet, eine außergewöhnlich erfolgsorientierte Persönlichkeit, führte als Jugendleiter den kleinen Kölner Fußballverein TuS Höhenhaus auf einen Platz an der Sonne im rheinischen Fußball. Mit Struktur, guten Trainern und über die Maßen engagierten Betreuern kämpften die Jugendmannschaften des Kölner Ortsvereins auf Augenhöhe mit dem Nachwuchs der Bundesligisten 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen.

Gillet stand für Kompetenz, Leidenschaft, Emotionen und Vereinstreue. Selber lehnte der Jugend-Chef gute Angebote von Profiklubs ab, der TuS Höhenhaus war sein Lebenswerk und die Spieler seine Kinder. Und er half ihnen: Karl Heinz Gillet hätte locker einen großen Bus mit Höhenhauser Spielern auf dem Weg in den Profi-Bereich oder zumindest die obersten Amateurligen füllen können.

Nehmen wir Marcel Risse oder Marco Höger, die aktuell in der Bundesliga für Köln und Schalke am Ball sind. Auch ehemalige Profis wie Guido Hoffmann, Michael Nißl, Oliver Westerbeek, Rudi Müller, Heinz Peter Müller, Manfred Lefkes, Thomas Huschbeck, Klaus Meul, Detlef Biniak, Dirk Hebel oder Ersin Demir schafften unter seiner Führung den Weg in den bezahlten Fußball. Ein Paradeprofi aus der Gillet-Schule war sicherlich Sven Demandt. Er absolvierte für Fortuna Düsseldorf und Bayer Leverkusen 139 Bundesligaspiele, in denen er 27 Tore erzielte. In der zweiten Bundesliga schoss er in 317 Spielen für Fortuna Düsseldorf, Hertha BSC und den 1. FSV Mainz 05 121 Tore, heute ist er erfolgreicher U23-Coach bei Borussia Mönchengladbach.

Legendäre Weihnachtsfeiern und Turniere

Bei Karl-Heinz stand allerdings nicht nur Fußball auf dem Programm, er achtete bei „seinen“ Jungs akribisch auf eine ordentliche Schulausbildung oder eine gute solide Lehre. Themen wie soziales Engagement, Breitensport und gesellschaftliche Veranstaltungen hatten bei ihm eine große Bedeutung. Unvergesslich die von ihm organisierten Turniere und Weihnachtsfeiern. Hier sorgte er Jahr für Jahr für ein Highlight, lud unter anderem die Profis Jorginho, Hans-Peter Lehnhoff, Rüdiger Vollborn, Andi Thom, Ulf Kirsten, Erich Rutemöller, Dragoslav Stepanovic, Jürgen Gelsdorf oder auch Karnevalsgrössen wie „Weltenbummler“ Gerd Rück oder „Rumpelstilzchen“ Fritz Schopps ein, um seinen Spielern, Mitarbeitern, Eltern und Sponsoren einen unvergesslichen Abend zu bescheren.

Karl-Heinz wollte nie die One-Man-Show. Auf seinen Wunsch hin trainierte Willi Hölzgen, Ehrenpräsident des BDFL, die  A-Jugend und die 1. Mannschaft, die von 1993 bis 1997 ausschließlich mit Spielern aus dem Höhenhäuser Nachwuchs vier Jahre in der 4. Liga kickte, gleichzeitig. Hölzgen ist eine Kölner Trainer-Legende. Er war Vorsitzender der Kölner Trainer-Gemeinschaft und verantwortlich für die Aus- und Fortbildung beim BDFL (Bund- Deutscher-Fußball-Lehrer) in Nordrhein Westfalen. Auch der Kölner Dirk Hebel spielte unter Karl Heinz Gillet beim TuS Höhenhaus. Später trainierte er die Jugend und kickte als junger Profi in England und der Türkei. Aktuell ist Dirk Hebel ein international erfolgreicher Spieler-Agent, u.a. ist der stark umworbene deutsche Superstar Marco Reus ein Klient von ihm.

Daniel Zillken war eindeutig das Ziehkind von Karl-Heinz Gillet. Sehr früh, direkt nach seiner Laufbahn als Junioren-Auswahlspieler, vertraute Gillet ihm und Jürgen Vis das Traineramt der A-und B-Jugend vom TuS Höhenhaus an. Zillken zahlte ihm dieses Vertrauen voll und ganz zurück. Mit 22 Jahren (1990) begann er seine Trainerausbildung, 1994 wurde er Lehrgangsbester bei der A-Lizenz. Bei der von Gillet vermittelten Ausbildungsstelle in der Galeria Kaufhof arbeitet er heute nach 30 Jahren noch. Als Cheftrainer steht Zillken mit dem Bonner SC momentan an erster Stelle in der Mittelrhein Liga.

Sein letzter Wunsch: „Bitte unterstützt Daniel“

Wenige Wochen vor seinem Tod besuchte Karl-Heinz gemeinsam mit Rudi Völler und mir das Spiel Brasilien gegen Mexico in Miami, war anschließend voller Begeisterung auch bei den Verhandlungen mit Spielern in Brasilien mittendrin. Viel zu früh verstarb Karl-Heinz, dessen großer Wunsch sich nicht erfüllen konnte – ganz einfach, weil er nicht mehr da war.

„Bitte unterstützt Daniel, er kann den modernen TuS Höhenhaus nach mir am Leben halten“, so lautete dieser Wunsch. Doch Daniel Zillken konnte diese Herkulesarbeit nicht stemmen. Die Unterstützung im Verein fehlte und er hatte mit seinem Job und seiner Familie auch persönlich nicht die Zeit wie sein großer Ziehvater. Karl-Heinz Gilett hatte sich diese Zeit immer genommen, er bezahlte für die Emotionen, für den Stress. Doch er schaffte, was nur Wenige schaffen: Er hinterließ Spuren, tiefe Spuren. Er lebte sein Leben für den Fußball und für Höhenhaus. Es war ein mehr als gutes und erfülltes Leben.

Die aktuelle Vereinsführung des TuS Höhenhaus ist gut beraten, nicht den alten goldenen Zeiten hinterherzutrauern. Der neue Weg muss eine realistische kölsche Lösung mit Jugend-Breitensport sein, der Aufstieg in Kreisliga B ist ein guter Start auf diesem Weg.