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Draisaitl: „Ich bin immer noch Haie-Fan“

Leon Draisaitl, Edmonton Oilers

Sorgt in der NHL für Furore: Kölns Eishockey-Export Leon Draisaitl
Foto: imago/Icon SMI

Auf dem Weg zur Eishockey-WM bereitet sich Leon Draisaitl in Köln vor. Köln.Sport traf den NHL-Star vor seinem Abflug Richtung Lettland.

19 Tore und 32 Vorlagen in 72 Spielen: Leon Draisaitls Bilanz in seiner ersten kompletten NHL-Saison liest sich hervorragend. Der gebürtige Kölner, der in der besten Liga der Welt für die Edmonton Oilers die Schlittschuhe schnürt, hat sich in Nordamerika spätestens in der abgelaufenen Spielzeit einen Namen gemacht. Nun will der 20-Jährige auch im Trikot der deutschen Nationalmannschaft an seine starken Leistungen anknüpfen, auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Russland bereitet sich der Jungstar in Köln vor (Köln.Sport berichtete). Kurz vor seiner Abreise zu den Testspielen der DEB-Auswahl in Lettland stellte sich Draisaitl den Fragen der anwesenden Presse.

…über die Ziele für die anstehende WM: Es ist noch etwas früh, über Erwartungen zu reden. Ich weiß noch nicht, wie das Team aussehen wird und ob alles zusammenpasst. Wir wollen aber bestmöglich abschneiden. Ich hoffe, dass der Bundestrainer auf mich setzt und ich in der Offensive etwas zustande bringen kann. Was immer er von mir fordert, ich werde damit einverstanden sein. Über die Olympia-Qualifikation habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht, ich spiele jetzt erst einmal die WM. Aber wenn nichts Großartiges dazwischen kommt, dann will ich die Olympia-Qualifikation auch spielen.

…über die Saison bei den Oilers: Das Jahr hat nicht gut für mich begonnen, ich wurde als letzter Spieler ins Farmteam geschickt. Das kratzt natürlich am Ego, ich habe danach noch ein bisschen härter gearbeitet. Daher hatte es auf jeden Fall etwas Gutes. Nach dem Call-Up habe ich meine Chance genutzt. Von da an ging es für mich bergauf. Als Team waren die Oilers in den letzten Jahren nicht sonderlich erfolgreich, aber es geht in die richtige Richtung. Das Gute daran, dass wir das zweitschlechteste Team der Liga waren, ist, dass es nur bergauf gehen kann.

…über den Lerneffekt der vergangenen Spielzeit: Als junger Kerl von 20 Jahren lernst du viele kleine Sachen, die man noch verbessern kann. Man schaut sich Kleinigkeiten bei den älteren, erfahreneren Spielern ab, auch neben dem Eis. Wie man sich beispielsweise ernährt als Athlet, das ist sehr wichtig. Man kann in allen Bereichen noch viel lernen. Luft nach oben gibt es in meinem ganzen Spiel: Ich bin erst 20 und noch lange nicht da, wo ich sein will und mich selbst sehe. Dass ich das Vertrauen des Trainers habe, ist enorm hilfreich. Auch wenn ich Fehler mache, wird er nie laut und gibt es weiterhin die nötige Eiszeit.

…über den Unterschied zwischen Köln und Edmonton: Es ist ein komplett anderes Leben dort in Kanada. Hier sind viel mehr Menschen auf der Straßen, hier ist es sehr eng. In Kanada ist alles dagegen so riesig, die Straßen sind zehn Meter breit. Natürlich vermisst man hier und da mal etwas, wie deutsches Essen oder seine Heimatstadt. Ich fühle mich aber sehr wohl in Edmonton, man kann es dort gut aushalten.

…über seine Verbindung zur Heimat: Ich habe immer gesagt, dass ich Kölner bin und das auch immer bleiben werde. Das ändert sich nicht dadurch, dass ich jetzt seit ein paar Jahren in Nordamerika spiele. Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, meine Familie und meine Freunde sind hier. Ich bin immer noch ein kleiner Fan und will, dass der KEC gewinnt, dass der FC gewinnt. Die Playoffs habe ich drüben über das Internet verfolgt, da haben die Haie wirklich gut gespielt. Leider war München eine Ecke zu stark.

Back to the roots! Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers, beim KEC "Die Haie" e.V. in Köln ausgebildet, hat sich heute…

Gepostet von Kölner Haie am Freitag, 15. April 2016

…über eine Rückkehr zum KEC in ferner Zukunft: Ich habe immer gesagt, dass ich nach einer hoffentlich langen Karriere in der NHL gerne meine Laufbahn hier in Köln beenden möchte. Ob das passieren wird, wird man sehen. Ich habe hier das Eishockeyspielen erlernt, daher wäre es sicherlich eine coole Geschichte, wenn ich das hier zu Ende bringen könnte. Aber das dürfte noch etwas dauern.

…über seinen Eindruck von Haie-Coach Cory Clouston: Meine Erinnerung an ihn sind sehr positiv, ich hatte nie Probleme mit ihm. Cory weiß im Eishockey, wovon er spricht. Ich weiß, dass über ihn mitunter negative Sachen gesagt wurden, aber zu mir war er immer freundlich, immer positiv. Bei seiner Verpflichtung gab es auch direkt einige Nachrichten aus Köln, wie Cory denn so ist. Das habe ich dann auch versucht in kurzen Sätzen weiterzugeben.

…über seinen Privattrainer Marian Voda: Ich werde auch im Sommer wieder mit ihm in Tschechien zusammenarbeiten – denn es war ein sehr, sehr guter Sommer für mich. Die Zielsetzung war es unter anderem an meinen läuferischen Fähigkeiten zu arbeiten. Das war eine meiner größeren Schwächen. Wir haben viel Arbeit in Beinkraft investiert, das hat sich auf jeden Fall gelohnt.

…über seinen Vater Peter, selbst Ex-Profi: Er ist mein Ratgeber und weiterhin die Person, die in meiner Eishockey-Karriere den größten Einfluss auf mich hat. Das wird sich auch niemals ändern – er ist praktisch der Grund, warum ich Eishockey spiele. Manchmal ist es schon cool, jemanden zu haben, der weiß, worum es geht und das Spiel versteht. Wenn ich ein Problem habe, dann kann ich ihn jederzeit anrufen!

Aufgezeichnet von Thomas Reinscheid