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Köln.Sport

„Die Bedeutung des Sports ist sehr hoch“

Quelle: RFW

Sportamtsleiter Dieter Sanden tut alles, um die Verhältnisse in der Sportstadt Köln weiter zu verbessern.

Für die März-Ausgabe von Köln.Sport hat die Redaktion Kölns Sportamtsleiter Dieter Sanden zum Gespräch gebeten. Lesen Sie hier, wie Sanden die Situation der Sportstadt Köln einschätzt und welche Folgen die notwendigen Einsparungen haben werden.

Herr Sanden, wie gut ist der Kölner Sport mit Flächen und Anlagen ausgestattet?

 

Das ist immer relativ, denn zufrieden kann man eigentlich nie sein. Was die Flächen angeht, die dem Sport in Köln zur Verfügung stehen, können wir durchaus von einem gehobenen Level sprechen. Und dieser Raum sollte auch für den Sport reserviert bleiben – denn gibt man eine Fläche erst einmal auf, ist es in der Regel ausgesprochen schwierig, Alternativen zu erschließen. Also, ich würde sagen: Was die Quantität der Flächen betrifft, sind wir recht gut ausgestattet. Was aber die Qualität der Sportanlagen betrifft, haben wir noch Nachholbedarf.

Wie viele Sportanlagen stellt die Stadt bereit?

Es sind ungefähr 100 Sportanlagen mit 160 Spielfeldern. Was den vorhandenen Nachhol­bedarf angeht, sind wir zum Beispiel mit dem Kunstrasenprojekt auf einem guten Weg, trotz aller finanziellen Schwierigkeiten. Denn letztendlich wird jede Aktivität der Stadt, die Geld kostet, kategorisiert in Pflichtaufgaben und freiwillige Aufgaben. Und da der Sport eine freiwillige Aufgabe ist, müssen insbeson­dere die finanziellen Entscheidungen und ­Beschlüsse wesentlich mehr Instanzen durchlaufen. Es gibt eine einzige Aktivität im Sport, die Pflicht ist: Das ist der Schulsport; er ist gesetzlich vorgeschrieben.

Sie haben das Kunstrasenprojekt angesprochen. Wie viele neue Anlagen werden in Köln insgesamt entstehen?

Wir haben, mit Stand heute, 23 Kunstrasenplätze in Köln fertiggestellt. In Planung befinden sich vier weitere, dazu noch die Anlage in der Kapellenstraße in Rondorf. Danach wollen wir jedes Jahr drei weitere Kunstrasenanlagen schaffen. Zumindest gibt es eine mittelfristige Finanzplanung bis 2017. Heute ist aber schon erkennbar, dass darüber hinaus Bedarf besteht.

Sie nehmen regelmäßig an den Sitzungen des Sportausschusses der Stadt teil. Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Der Sportausschuss ist das politische Gremium. Die Verwaltung ist ausführend als Behörde, und es gibt eine sogenannte Zuständigkeitsordnung. Diese hält fest, welche Entscheidungen wer zu treffen hat. Die einfachen und wiederkehrenden Entscheidungen kann die Verwaltung in ­eigener Zuständigkeit treffen, etwa über eine kleinere Zuwendung. Wenn ein Verein für 20.000 Euro eine neue Sanitäranlage beantragt, können wir das selber regeln. Geht es aber um Summen von 30.000 Euro und mehr, müssen wir damit in die entsprechende Bezirksvertretung und/oder den Sportausschuss. Sollte die Summe zum ­Beispiel bei Fördermaßnahmen 100.000 Euro ­erreichen, muss zusätzlich auch der Finanz­ausschuss eingebunden werden. ­Diese Betei­ligung der politischen Gremien am Entscheidungsprozess nimmt verständlicherweise etwas mehr Zeit in Anspruch.

Im Zuge der Haushaltskonsolidierungen der Stadt müssen alle sparen. Bekannt ist, dass der Sport mit Einsparungen über 196.000 Euro im Bereich der Bädernutzung dazu beitragen soll. Klingt nicht so dramatisch, oder?

Wir haben es nie so gehandhabt, dass wir im ­Kölner Sport generell alles um fünf oder sieben Prozent kürzen. Bei manchen Themen geht das auch überhaupt nicht. Nehmen Sie etwa die ­Betreuung der Sportvereine im Ganztag. Da ­haben wir eine Personalkostenförderung von 45.000 Euro, womit eine Kollegin aus der Sport­jugend finanziert wird. Da denke ich mir: Es ist so eine wichtige Aufgabe, Vereine dafür zu motivieren, sich im offenen Ganztag als Träger zu engagieren. In dem Fall kann man nicht einfach eine Summe von X Euro wegnehmen, nach dem Motto: Dann arbeitet die Kollegin halt mal sechs Stunden weniger im Monat – das funktioniert nicht!

Werden Sie weitere Einsparmaßnahmen treffen müssen?

Wir müssen insgesamt eine Summe von 396.000 Euro erbringen. Deshalb haben wir die Sportpauschale, die das Land NRW zur Ver­fügung stellt, dazu genutzt, die noch fehlenden 200.000 Euro umzuleiten. Das heißt, diese ­Summe steht nicht mehr für Investitionsmaßnahmen zur Verfügung. So nehmen wir die 200.000 Euro nirgendwo erkennbar weg, weil wir sie noch gar nicht disponiert haben. Damit haben wir einen Kahlschlag vermieden.

Wäre es eine Alternative gewesen, zu sagen: Dann machen wir in diesem Jahr in Köln halt ein paar Sportevents weniger?

Diese Alternative würde uns nicht wirklich ­weiterbringen. Nur zur Einordnung: Im vergangenen Jahr hatten wir einen Haushaltsansatz über 150.000 Euro für Sportveranstaltungen zur Verfügung, der im Vergleich zu anderen Städten sehr, sehr gering ist.

Wie sehen Sie die Sportstadt Köln aufgestellt?

Die Boulevardzeitungen erzählen gern: Geht es dem FC schlecht, sind wir keine Sportstadt. Wir müssen uns aber vielmehr fragen: Was ist denn eine Sportstadt? Sicher, Köln könnte noch zulegen. Wichtig ist, dass wir versuchen, Verständnis und den Sportgedanken über die Ressortgrenzen hin­auszutragen, bis in die Stadtentwicklung ­hinein. Wenn irgendwo ein neues Quartier ­geplant wird, muss auch für entsprechende ­Bewegungsräume Sorge getragen werden. Daran sollte man noch intensiver arbeiten. Allgemein ist die Bedeutung des Sports in Köln eine hohe. Das zeigt sich doch schon an jedem Sonntagmorgen: Wer ist unterwegs? Ein paar gehen in die Kirche, aber die meisten sind auf dem Weg zum Wettkampf oder Training.

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