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Der Tag danach…

Das erste Geisterspiel der Bundesligahistorie ist gespielt. Doch eine Frage bleibt: Macht Fußball ohne Fans überhaupt Spaß? Und wie geht es jetzt weiter?

Mark Uth ließ seine Genialität immer wieder aufblitzen. (Foto: imago images / Moritz Müller)

„Fußball ist die schönste Nebensache der Welt.“ Mit diesen Worten erklärte Eberl sein Verständnis Geisterspiele austragen zu müssen. „Gesundheit sollte bei jedem Menschen an erster Stelle stehen“, führte er weiter aus. Doch jeder, der am gestrigen Mittwoch das rheinische Derby im TV verfolgt hat, musste mit ansehen, wie eintönig ein solches Spiel sein kann. Natürlich nicht auf das Sportliche bezogen, sondern auf das ganze Drumherum.

Kein Risiko im Spiel

„Das Spiel kann sich nicht entwickeln. Emotionen, die von außen ins Spiel reingetragen werden, bringen die Spieler auch dazu mit mehr Risiko zu spielen“ – Friedhelm Funkel, der gestern Abend als Experte an der Seite von Sky-Kommentator Martin Groß das Derby analysierte, brachte die erste Hälfte in wenigen Worten auf den Punkt.

In den zweiten 45 Minuten konnte man regelrecht spüren, dass die Spieler mit der Situation immer besser klar kamen. Das Spiel nahm an Schwung auf. Die Taktik geriet ein kleines wenig ins Hintertreffen, wodurch beide Mannschaften zu Chancen kamen.

Das Spiel

Im Nachgang waren sich dennoch alle einig, dass der Fußball, den beide Teams spielten, einem Derby würdig war. Mit Zuschauern wäre es wohl eines der Spektakulärsten der jüngeren Vergangenheit geworden. Zu Beginn zauberte Schiedsrichter Aytekin erstmal allen ein Lächeln auf die Lippen. Sein Anpfiff kam den Verantwortlichen wohl zu früh – so begann das Spiel typisch rheinländisch.

Die erste Chance hatten die Domstädter in der 20. Minute. Nach einem Foul von Marcus Thuram an Mark Uth schlenzte selbiger den fälligen Freistoß knapp über die Torlatte. Die Führung in der 32. Minute für die Fohlen kam aus dem Nichts: Breel Embolo zirkelte den Ball mit seinem schwachen linken Fuß ins lange Eck.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offenes Spiel, in denen Großchancen vorerst jedoch Mangelware blieben. In der 70. Minute allerdings klingelte es dann erneut im Gehäuse von FC-Keeper Timo Horn: Eine relativ ungefährliche Flanke von Embolo fälschte Jorge Mere sehr unglücklich ab – das 2:0 für die Elf von Trainer Marco Rose.

Spannung zum Schluss

Wie schnell die „Stimmung“ wieder in die andere Richtung kippen kann, zeigte die Schlussviertelstunde. Yann Sommer rutschte bei einem Abschlag weg, was Mark Uth sehenswert bestrafte. Der FC-Stürmer zog noch an einem Gegenspieler vorbei, ehe er das Leder aus 17 Metern in die Maschen hämmerte. Kurz vor Abpfiff hätte Uth seine Leistung mit einem weiteren Treffer krönen können, der Offensivakteur ließ in der Nachspielzeit jedoch die Riesenchance zum Ausgleich liegen. So endete die Begegnung mit einem Derby-Sieg für die Elf vom Niederrhein.

Wie geht es weiter?

Heute gab Horst Heldt am Geißbockheim einen tiefen Einblick in die aktuelle Gefühlslage. Er betonte in erster Linie, dass der Abend sehr „erkenntnisreich“ gewesen sei. Auf die Frage, wie die Liga jetzt fortgeführt werden solle, antworte er: „Es ist eine komplexe Situation. Wenn es eine gute Lösung geben würde, würde man sie sofort umsetzten. Ich glaube, es ist sinnvoll, den kommenden Spieltag jetzt mal so auszutragen, damit alle einen Eindruck davon bekommen, was sich da abspielt.“ Am Montag werde man sich dann mit allen Vertretern der Vereine zusammensetzten und in Ruhe darüber sprechen und nach Lösungen suchen.

„Das funktioniert aber nur, wenn Verantwortliche der FIFA und UEFA, die sich bisher sehr zurückgehalten haben, mal klare Statements abgeben. Wenn sie sagen: Wir lassen die anstehenden Länderspiele ausfallen. Und warum sollten wir nicht einfach die Europameisterschaft im nächsten Jahr stattfinden lassen? Das würde den nationalen Ligen Luft verschaffen, sodass die Saison ordentlich zu Ende gespielt werden kann. Ich finde es wichtig, dass es Aufsteiger und Absteiger gibt und auch einen Deutschen Meister. Dass da noch keine Entscheidung getroffen wurde, finde ich unverantwortlich. Denn ohne Zuschauer fehlt gewaltig was“, so Heldt.

Der GF Sport sprach sich gegen die Ausführung von Länderspielen aus. Ob diese in den kommenden Wochen stattfinden, ist aktuell ebenso fraglich wie die weitere Strategie der DFL.

Von Robin Josten

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