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Der letzte Mohikaner

Quelle: Imago

24 Länderspiele absolvierte der 1,92 Meter große Adrian Pfahl für die deutsche Nationalmannschaft, in denen der Linkshänder 77 Tore warf.

Adrian Pfahl ist der letzte verbliebene Star beim VfL Gummersbach. Kann der Nationalspieler die Last der Verantwortung nach dem Abgang mehrerer Leistungsträger alleine schultern?

Der VfL Gummersbach steht vor einer schwierigen Saison. Zwar brachte bereits das Finale der vergangenen Spielzeit erhebliche Turbulenzen mit sich, dem kurzzeitigen Bangen um die Lizenz folgte das Happy-End mit dem Europacup-Triumph.

Diesmal verlassen im Vorfeld der kommenden Saison jedoch die Leistungsträger Drago Vukovic, Goran Stojanovic, Goeffroy Krantz und Adrian Wagner den Verein – und damit insgesamt ganze 290 erzielte Tore. Zudem wechselten Ersatztorhüter Markus Hammerschmidt und Nachwuchsspieler Ole Rahmel.

Einer jedoch, nämlich der unangefochten beste, blieb. Adrian Pfahl mauserte sich beim VfL Gummersbach vom weitgehend unbekannten Zweitligaspieler zum absoluten Leistungsträger und kämpfte sich gar bis in den erweiterten Kreis der deutschen Nationalmannschaft. Ihm alleine gelangen in der abgelaufenen Liga-Spielzeit 225 Tore, die drittmeisten der Liga.

Damit ist seine Bedeutung für den traditionsreichen deutschen Handballverein jedoch noch nicht hinreichend umschrieben. „Er ist mein wertvollster Spieler, das gilt sowohl auf als auch außerhalb des Platzes“, sagt sein Trainer Sead Hasanefendic.

„Es gilt, kühlen Kopf zu bewahren“

Unumstrittener Führungsspieler war Pfahl bereits in der vergangenen Saison, stand jedoch stets mit zahlreichen etablierten Akteuren gemeinsam auf den Feld. Das wird sich in der kommenden Spielzeit ändern. Die Neuzugänge des VfL haben eines gemeinsam: Sie sind talentiert und – mit Ausnahme von Torhüter Aljosa Rezar – allesamt blutjung.

Damit verteilt sich die Last der Verantwortung auf dem Feld nun auf deutlich weniger Schultern als bisher. Pfahl sieht darin jedoch kein Problem: „Die gestandenen Spieler, zu denen auch ich gehöre, müssen vorangehen“, sagt Pfahl, „es gilt, kühlen Kopf zu bewahren, clever zu spielen und die jungen Spieler zu pushen.“ Klingt nach einem erfolgversprechenden Rezept.

Dass es nicht ganz so einfach wird, weiß jedoch auch Pfahl. „Wir unterlagen in der vergangenen Saison vielen Leistungsschwankungen. Das mit so einer jungen Mannschaft abzustellen, wird natürlich schwierig.“ Daher sei das Saisonziel zunächst, um die gleiche Tabellenplatzierung wie zuletzt mitzuspielen. 2011 erreichte der VfL in der Abschlusstabelle Rang acht.

Wohlfühleffekt Gummersbach

Das graue Niemandsland der Tabelle als Anspruch für einen Top-Spieler wie Pfahl? Das bedarf einer Erklärung. „Ich fühle mich in Gummersbach rundum wohl“, bekennt der gebürtige Bietigheimer, „meine Frau und ich haben uns hier einen engen Freundeskreis aufgebaut, eine schöne Wohnung gefunden.“

Danach, dass die Verbindung Pfahl und VfL Gummersbach eine rundum positive werden würde, sah es lange Zeit nicht aus. Zur Saison 2009/10 hatte er bereits einen Vertrag bei der HBW Balingen-Weilstetten unterschrieben. „Ich hatte in meiner ersten Bundesliga-saison nicht annähernd so viele Spielanteile bekommen wie erhofft“, erklärt Pfahl.

Kurz nach der Bekanntgabe des Transfers verletzte sich jedoch Pfahls ärgster Konkurrent Alex Alvanos. Pfahl nutzte seine Chance und lief sogar im DHB-Pokalfinale „Final Four“ auf. „Da habe ich mich überreden lassen, in Gummersbach zu bleiben“, erklärt Pfahl, „ich hätte mir nie verziehen, wenn ich nicht noch einmal versucht hätte, mich hier durchzusetzen.“

Tendenz zeigt nach oben

Nun steht der 29-Jährige womöglich vor seiner schwierigsten Saison. Die Mannschaft befindet sich nun seit zwei Wochen wieder im Training, „zum Glück, denn die Kameradschaft und das Zusammensein mit den Jungs hat mir schon gefehlt“, bekennt Pfahl. Ein Urteil über die Neuzugänge erlaubt sich der rechte Rückraumspieler bereits: „Ich bin menschlich positiv überrascht. Es wird ein Leichtes sein, sie zu integrieren.“

Jeder einzelne müsse sich sportlich zwar weiterentwickeln, die Voraussetzungen dafür seien aber gegeben: „Die Jungs sind extrem hungrig und haben ihre Qualitäten.“ An die sportlich glorreiche Vergangenheit wird der VfL dennoch kurzfristig nicht anknüpfen können.

Zu sehr belasteten jüngst finanzielle Engpässe die Transfer- und Personalpolitik der Oberbergischen. Diese Umstände behagen dem ehrgeizigen Pfahl natürlich nicht: „Auf Dauer ist das nicht zufriedenstellend, wir können uns ja auch nicht ewig durch den Gewinn des Europacups für den europäischen Wettbewerb qualifizieren.“

Pfahl ist jedoch optimistisch, dass die Tendenz für die Blau-weißen nach oben zeigt: „Die Altschulden sind bewältigt. Mit der neuen Halle und neuen Talenten sollten wir auch wieder nach oben blicken können.“