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Auf dem Sprung nach oben

Ihre Bestleistung liegt bei 1,88 Meter: Hochsprung-Talent Alexandra Plaza Foto: imago/Chai v. d. Laage

Ihre Bestleistung liegt bei 1,88 Meter: Hochsprung-Talent Alexandra Plaza
Foto: imago/Chai v. d. Laage

Die 1,90-Meter-Marke als Ziel für den Sommer: Alexandra Plaza gehört zu DEN Hochsprung-Talenten in Deutschland. Dennoch zählt für die ­Kölnerin bei den Spielen in Rio 2016 nur das olympische Motto.

Hochsprung und Alexandra Plaza – das passt. Und es hätte eigentlich auch kaum anders kommen können, schließlich war schon die Mutter der 20-Jährigen in der gleichen Sportart erfolgreich. Trotzdem probierte die Tochter im Kindesalter auch andere Disziplinen der Leichtathletik aus, doch keine konnte die Kölnerin so sehr überzeugen wie Hochsprung. Die Entscheidung, der eigenen Mutter nachzueifern, hat sie nie bereut. „Im U16-Alter war mir natürlich noch nicht so klar, dass es Weltmeisterschaften und große internationale Turniere gibt, aber sobald ich davon wusste, war das mein Ziel, da dabei zu sein“, erklärt ­Plaza, dass Hochsprung für sie nie nur ein Hobby war.

Eini­ge Jahre später gehört die Studentin nun zu den hoffnungsvollsten Talenten im Kölner Sport – die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hat die Sportlerin vom „Leichtathletik-Team Deutsche Sporthochschule Köln e.V.“ mittlerweile fest im Blick. Angesichts ­ihrer nationalen Erfolge ist das auch kein Wunder: Im Sommer 2014 feierte sie den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm, im Winter folgte auch bei der Hallenmeisterschaft in Karlsruhe die Silber­medaille. Etwas mehr als ein Jahr vor Olympia ist Plaza also auf einem sehr guten Weg, auch wenn nationale Titel für sie nicht das Wichtigste sind: „Der Antrieb für mich ist eher die eigene Bestleistung, weil man sich vor allem dadurch international mit anderen messen kann.“

Spagat zwischen Uni und Sport

Die persönliche Bestleistung ihrer Mutter hat Plaza mit einem Sprung über 1,88 Meter bereits im Jahr 2012 eingestellt, doch im Sommer soll auch diese Marke übertroffen werden. „Ich bin nicht so weit von 1,90 Metern entfernt“, erklärt Plaza. „Vielleicht wäre es jetzt auch schon im Winter passiert, wenn die Saison mit nur sechs Wochen nicht so kurz gewesen wäre.“ Bei den Hallenmeisterschaften reichte ein Sprung über 1,83 Meter zum zweiten Platz. „Im Sommer wird die 1,90-Meter-Marke aber auf jeden Fall geknackt“, gibt sich Plaza selbstbewusst optimistisch.

Dass die Kölnerin überhaupt die Chance hat, mit nach Rio zu fahren, ist neben ihrem Talent auch ihrem Trainingseifer geschuldet. Bereits zu Jugendzeiten trainierte Plaza trotz Schullaufbahn inklusive Abitur sechs Mal die Woche für zwei bis drei Stunden. Im Profi-Bereich nimmt das Training nun noch mehr Zeit ein: „Der Aufwand ist jetzt größer, die Belastung deutlich höher und die Gewichte immer schwerer“, sagt Plaza. Auch der weitgehende Verzicht auf Fastfood und Partys bis zum Morgengrauen stört die Athletin kaum. „In meinem Freundeskreis sind viele, die auch Leichtathletik machen, das ist also dann geteiltes Leid“, erklärt die Psychologie-Studentin.

Seit drei Semestern nimmt Plaza nun neben dem Sport in den Hörsälen der Universität Bonn Platz – Sportpsychologin will sie aber nach ihrer aktiven Karriere nicht unbedingt werden, ­gerade weil diese Berufswahl so naheliegend wäre: „Es ist dann bestimmt schön, mal etwas anderes zu machen – für mich geht es zunächst einmal in Richtung Medien- und Wirtschaftspsychologie.“ Die Karriere nach der Karriere ist ohnehin erst einmal weit entfernte Zukunftsmusik für die 20-Jährige – jetzt heißt es für Plaza sich in der diesjährigen Sommersaison die optimalen Grundlagen für Olympia 2016 zu schaffen. Das ist wichtig, denn „die Vorbereitung auf Rio beginnt im Grunde schon jetzt“, wie Plaza im ­Gespräch mit Köln.Sport erklärt: „Das Pensum wird stetig erhöht, es kommen neue Trainingsinhalte hinzu, auch in den Wettkämpfen werden noch Kleinigkeiten umgestellt.“

Alexandra Plazas großes Ziel: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro Foto: Horst Fadel

Alexandra Plazas großes Ziel: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro
Foto: Horst Fadel

„Das macht schon Spaß“

Die Rolle als hoffnungsvolles Talent empfindet Plaza dabei vor allem als Ehre, gar nicht so sehr als Druck. „Damit muss man einfach umgehen können, das gehört zum Leistungssport dazu“, sagt die 20-Jährige, die ohnehin schon genau weiß, worauf es ankommt. Bei Face­book, Twitter und Co. lässt Plaza ihre Follower an ihrer Entwicklung teilhaben, postet im Vergleich zu anderen Leichtathleten viele Bilder und Videos. „Das macht schon Spaß“, erklärt sie, fügt aber an: „Mittlerweile ist es aber natürlich auch ein bisschen Vermarktung – für Sponsoren ist das natürlich wichtig und macht es einfacher.“

In Rio soll für sie dann aber trotz allem Ehrgeiz das olympische Motto im Vordergrund stehen: „Meine sportlichen Ziele überlege ich mir Anfang nächsten Jahres – für mich gilt aber erst einmal ganz klar: ‚Dabei sein ist alles!‘“ Denn für Medaillen hat Plaza noch genug Zeit vor sich: „Ich bin noch jung, ich kann auch bei den Spielen danach noch teilnehmen – da wird es dann eher darauf ankommen, eine Medaille zu holen.“

David Schmitz