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Marco Höger: Endlich angekommen

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Marco Höger trifft am Mittwochabend mit dem 1. FC Köln auf seinen Ex-Klub Schalke 04
Foto: imago/Team2

Ein schnelles Wiedersehen: Am vierten Spieltag gastierte Marco Höger mit dem 1. FC Köln bei seinem Ex-Klub Schalke 04. Köln.Sport porträtiert den 26-Jährigen, der in dieser Saison erstmals das Trikot seines „Herzensvereins“ trägt. 

Das Strahlen im Gesicht, das der Spieler mit der Rückennummer 6 nach dem Abpfiff trug, war ansteckend. Gerade hatte der 1. FC Köln zum Saisonauftakt Darmstadt 98 mit 2:0 besiegt – und dabei einen richtig starken Eindruck hinterlassen. Mittendrin statt nur dabei: Marco Höger, der im RheinEnergieStadion ein überzeugendes Debüt für die „Geißböcke“ gab. 67 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der 26-Jährige, mit 10,71 abgespulten Kilometern, 78 Ballkontakten und einer Passquote von 83 Prozent avancierte der Neuzugang zum Mittelfeldmotor der Kölner. Es wirkte, als hätte er niemals woanders gespielt, als wäre er schon seit Jahren Teil dieser Mannschaft, als würde er bereits zum x-ten Male in Müngersdorf auflaufen. Doch es war eine Premiere: Högers erster Bundesliga-Einsatz für seinen Herzensverein. „Ich habe auf diesen Moment natürlich seit Monaten hingefiebert. Davon habe ich ja schon geträumt, seit ich ein kleiner Junge war“, gab er nach der Partie Einblick in sein Gefühlsleben: „Das ist eine überragende Sache für mich. Als Kölner im Heimtrikot diese Hymne zu hören, das war Gänsehaut pur!“

Für den Rechtsfuß, der für 1,5 Millionen Euro von Schalke 04 in seine Heimatstadt zurückkehrte, war es eine Genugtuung. Den FC hatte Höger zuvor nur als Fan erlebt, gespielt hatte er für die „Geißböcke“ zuvor noch nicht. Versteckt hatte er seine Leidenschaft für den größten Fußball-Klub der Domstadt zu keiner Zeit, selbst zu Schalker Zeiten sah man ihn ab und zu bei Kölner Heimspielen. „Ich habe ja nie ein Geheimnis draus gemacht, dass in meinem Herzen der Geißbock lebt. Als ich klein war, habe ich zusammen mit meiner Familie mit dem FC mitgefiebert, jetzt stehe ich selber als Akteur auf dem Platz: Das ist einfach ein Traum“, erklärt Höger, der seinen Durchbruch in der Saison 2010/11 bei Alemannia Aachen feierte, und schiebt hinterher: „Natürlich ist es für mich trotzdem erst einmal ungewohnt, die FC-Farben zu tragen – ich habe ja in den letzten Jahren nur blau-weiß angehabt. Ich glaube aber, dass ich mich daran ganz schnell gewöhne.“

Schon bei der überraschenden Bekanntgabe des Transfers betonte Höger das Element der Heimatverbundenheit: „Jeder Junge hat irgendwann einmal den Traum, für den Verein in seiner Stadt Bundesliga zu spielen“, so der ehemalige Schalker, der damit natürlich den Nerv der FC-Fans traf. „Ich habe Familie in Köln, viele meiner Freunde leben hier, deswegen bin ich ja auch während meiner Zeit auf Schalke oft in Köln gewesen. Es hat mich immer hierher gezogen. Und dass ich jetzt vor der Haustür trainieren und spielen darf, ist wirklich großartig“, so der FC-Profi, der mit dem Wechsel ans Geißbockheim seinem Herzen gefolgt ist. „Für mich ist das insgesamt einfach eine runde Sache: Ich kann in meiner Heimat Fußball spielen, bei meinem Traumverein, dem ich schon als kleines Kind die Daumen gedrückt habe“, betont Höger, dessen Idol in frühen Kindertagen der ehemalige FC-Stürmer Toni Polster war.

Wechsel kein Rückschritt
Durch die Verpflichtung des gebürtigen Kölners, der direkt einen Fünfjahresvertrag unterschrieb, stellt sich der FC auch noch ein Stück kölscher auf – nach Publikumslieblingen wie Marcel Risse oder Timo Horn trägt nun ein weiterer „Jung us’m Levve“, eine weitere Identifikationsfigur das Trikot mit dem Geißbock auf der Brust. Ein wichtiger Faktor, gerade angesichts der Sehnsucht der FC-Anhänger nach Helden aus den eigenen Reihen. „Für die Fans ist das etwas ganz Besonderes, weil das in der Bundesliga sicherlich nicht normal ist, dass viele Spieler aus der eigenen Stadt oder der Region kommen“, erklärte auch Marcel Risse Ende der vergangenen Saison im Köln.Sport-Interview. Das alles weckt Erinnerungen an die guten alten Zeiten beim FC: Insbesondere in den erfolgreichen sechziger und siebziger Jahren bestand die Kölner Elf zu großen Teilen aus Spielern aus dem Rheinland, ergänzt mit starken Legionären. Schäfer, Löhr, Overath, Weber, Flohe, Schumacher – die Reihe der FC-Legenden aus der Region ließe sich quasi unbegrenzt fortsetzen.

Marco Höger vom 1. FC Köln

„Wieder zuhause“ – Der kölsche Jung Marco Höger spielt endlich für seinen 1. FC Köln. Köln.Sport porträtiert den Mittelfeldspieler in der aktuellen Ausgabe
Foto: imago/ Uwe Kraft

„Ich will vorangehen“
An diese Tradition würde Marco Höger nur allzu gern anknüpfen. „Ich habe mir zusätzlich hohe sportliche Ziele gesteckt. Ich will mit dem FC einiges erreichen“, betont der zweikampf- und laufstarke Mittelfeldspieler, der seinen Wechsel von Europa-League-Teilnehmer Schalke 04 nach Köln nicht als „Rückschritt“ sieht. Bei den „Geißböcken“ möchte Höger Führungsaufgaben übernehmen: „Ich will vorangehen – das ist mein Anspruch. Für mich ist es sowieso eine Herzensangelegenheit, für den FC zu spielen. Wenn ich dann noch eine Führungsrolle bekleiden kann, macht es das für mich sehr besonders“, sieht sich die kölsche Frohnatur in der Pflicht. Um dieser Rolle gerecht zu werden, nahm sich der 26-Jährige in der Sommerpause einen Fitnesscoach, der ihn auf den Jahnwiesen in Form bringen sollte. Nach seinem zweiten Kreuzbandriss hatte Höger in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag wieder auf dem Platz gestanden. „Keinerlei Einschränkungen“ habe er nach der Blessur, vermeldete Höger schon zum Trainingsauftakt.

Dass es ihn erst mit 26 Jahren erstmals zum FC verschlug, daran hat auch der öffentliche Personennahverkehr seinen Anteil: In der D-Jugend trainierte Höger, damals beim TuS Höhenhaus unter der Leitung seines Vaters aktiv, bereits am Geißbockheim, jedoch stellten sich die Fahrten vom Wohnort Bergisch Gladbach als zu zeitintensiv dar. Der kleine Marco wechselte nach Leverkusen, dort konnte er zum Training mit dem Bus fahren. Und einen Freund, der einen ähnlichen Weg wie er nehmen sollte, begrüßen: Marcel Risse wechselte schon ein Jahr früher aus der Höhenhauser Talentschmiede ans Bayer-Kreuz. Knapp 20 Jahre später treffen sich beide wieder – bei ihrem Lieblingsverein, dem 1. FC Köln. „Wir haben noch regelmäßig miteinander gesprochen“, erzählt Höger in einem Doppelinterview mit der „Kölnischen Rundschau“ mit einem Lachen. „Aber es war nicht so, dass er mich jetzt überreden musste, dass ich zum FC komme. Das war schon immer mein Traum“, so der FC-Neuzugang, der sich selbst als „typisch kölsch“ einschätzt. „Ich habe häufig einen Spruch auf den Lippen und bin für jeden Spaß zu haben. Aber eben alles zu seiner Zeit, wenn es um die Ernsthaftigkeit geht, dann kann man sich auf mich verlassen. Unser Job erfordert für die optimale Leistung Ernsthaftigkeit und Professionalität.“

Eine Einschätzung, die auch seine Mannschaftskollegen teilen: „Marco ist ein sehr sympathischer Typ, mit dem man viel Spaß haben kann. Aber auf dem Platz ist er eine Maschine. Ich sehe ihn jetzt schon als sehr wichtigen Spieler für uns, weil er die Ruhe am Ball hat und die Bälle verteilt und immer gut anspielbar ist“, urteilte Dominique Heintz im „kicker“ bereits nach wenigen Wochen. „Man sieht, dass er bei einem großen Verein und schon Europa und Champions League gespielt hat. Er weiß, wie es international läuft“, so der Abwehrspieler. Dazu gehört auch die entsprechende Prise Ehrgeiz, wie Höger betont. „Ich bin sehr impulsiv und emotional auf dem Platz – mir ist es egal, ob es Fußball-Tennis oder ein Bundesliga-Spiel ist: Ich will gewinnen. Ich gehe immer kompromisslos in jeden Wettbewerb, das ist meine Spielweise. Ich bin jemand, der auf dem Platz versucht, immer an die Grenzen zu gehen. Nur deshalb bin ich auch so weit gekommen“, sagt der 1,82 Meter große Modellathlet, dessen Opa bereits für den FC gegen den Ball trat.

Marco Höger beim Training des 1. FC Köln

Gemeinsam große Ziele verfolgen: Der Neuzugang will bei seinem Herzensklub viel erreichen
Foto: imago/T-F-Foto

Aggressiv und erfahren
Insbesondere die Stärke in direkten Duellen hoben die Kölner Verantwortlichen schon bei seiner Verpflichtung hervor. „Marco Höger ist ein robuster, laufstarker Spieler mit der entsprechenden Zweikampfhärte, der in den vergangenen Jahren auch auf internationaler Bühne überzeugt hat“, sagt FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke, dem mit dem Transfer des erfahrenen Abräumers sicher ein Schnäppchen gelungen ist. Auch Peter Stöger zeigte sich sehr angetan von den Leistungen des 26-Jährigen: „Marco hat seine Qualitäten wie Aggressivität gegen den Ball und sicheres Passspiel in vielen Spielen nachgewiesen.“

Lob, das auch beim Spieler sehr gut ankommt. „Es ist beflügelnd, wenn man weiß, dass der Trainer hinter einem steht“, sagt Höger – weiß aber gleichzeitig ganz genau, dass er die Vorschusslorbeeren mit Leistung zurückzahlen muss. Zwar habe er auf Schalke viele Positionen gespielt und sei flexibel einsetzbar: Seine Position in Köln sieht der Rechtsfuß in der Zentrale. „Dort kann ich der Mannschaft aus meiner Sicht am besten weiterhelfen“, betont Höger. Der Blick der Taktikexperten bestätigt diese Ansicht: Dort wird insbesondere sein Auge für die Situation gelobt. „Er entdeckt Räume auf dem Feld und kann diese auch bespielen. Es zieht ihn oft nach vorne, er bewegt sich auch in unbesetzte Bereiche und sorgt aktiv für Gefahr“, schreibt zum Beispiel das Taktikblog „halbfeldflanke“ über den neuen Mittelfeldmotor der „Geißböcke“. Solides Handwerk attestiert ihm „spielverlagerung.de“. „Höger lässt die Bälle sicherer zirkulieren, hält das Spiel simpel und versucht keine unnötigen spektakulären Einzelaktionen“, lautet das Urteil.

Gänsehaut und das Grinsen
Qualitäten, die der Stöger-Elf weiterhelfen sollten, das gesteckte Saisonziel zu erreichen: Eine Wiederholung des Vorjahresergebnis, als der FC erstmals seit 24 Jahren eine Spielzeit in der oberen Tabellenhälfte beendete, wurde vor dem Saisonstart als Marschroute ausgegeben. „Als Mannschaft tun wir aus meiner Sicht gut daran, wenn wir sagen, dass wir noch einen Tick erfolgreicher spielen wollen als im vergangenen Jahr. Das ist definitiv realistisch mit dem Team, das wir haben“, betonte Höger noch zum Trainingsauftakt. Gegen den Erfolg würde sich sicherlich niemand wehren – dennoch bleibt der gebürtige Kölner auf dem Boden der Tatsachen. „Die Fans dürfen träumen. Gute Stimmung und ein bisschen Euphorie müssen ja nicht unbedingt schaden.Wir dürfen auch Träume haben, aber wir wissen das schon einzuordnen. Uns ist klar, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben“, stellte er nach dem Auftakterfolg über Darmstadt 98 klar. Und wirkte auch dabei schon, als wäre er bereits einige Zeit an Bord. Die Gänsehaut beim Einlaufen ins Stadion und das Grinsen im Gesicht verrieten allerdings: Dieser „kölsche Jung“ ist erst am Anfang seines Traums.

Thomas Reinscheid

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