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Viktoria: Eine Frage der Einstellung?

Wollen in der Rückrunde wieder öfter jubeln: Der FC Viktoria Köln um Marcus Steegmann, Kapitän Mike Wunderlich und Lukas Nottbeck (v.l.) Foto: imago/Eibner

Wollen in der Rückrunde wieder öfter jubeln: Der FC Viktoria Köln um Marcus Steegmann, Kapitän Mike Wunderlich und Lukas Nottbeck (v.l.)
Foto: imago/Eibner

Die Zwischenbilanz beim FC Viktoria Köln fällt durchwachsen aus. Der Regionalligist überwintert in Schlagdistanz zur Spitze, zeigte aber zu oft zwei Gesichter. 

„Das neue Gesicht“ – so lautete der Titel unserer Köln.Sport-Geschichte über das runderneuerte Viktoria-Team in der August-Ausgabe. 18 Akteure mussten gehen, 16 neue, teils sehr erfahrene Spieler kamen. Mehr frischer Wind geht kaum. Gerade gegen vermeintlich kleine Gegner konnten die Höhenberger im bisherigen Saisonverlauf aber ihrer Favoritenrolle spielerisch oft nicht gerecht werden. Dass dies im Laufe der Hinrunde ein Problem der Einstellung gewesen sei, weist Viktorias Sportdirektor Stephan Küsters zurück: „Wir haben eine gute Mentalität im Team, das wissen wir. Mit dem 6:0-Sieg gegen Aachen haben wir einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Unsere klaren Worte nach dem Zittersieg im FVM-Pokal gegen Euskirchen (2:1 n. V., Anm. d. Red.) haben die Mannschaft erreicht.“

Küsters will nach vorne blicken – es müsse Schluss sein mit der Debatte über die falsche Einstellung der Mannschaft. Allerdings passt Aachen als Tabellensechster eben wieder genau in die Riege der spielerisch stärkeren Teams, die der Viktoria zu liegen scheinen. Sobald sich der Gegner in die Defensive zurückzieht, scheinen die Höhenberger gehemmt. Fehlen vielleicht doch die echten Typen, die Arbeiter im Team?

Fakt ist, dass vor allem die viel gepriesenen Offensiv-Neuzugänge im bisherigen Saisonverlauf weitestgehend enttäuschten. Die ersehnte Entlastung von Spielmacher Mike Wunderlich (22 Pflichtspiele, elf Tore, sieben Vorlagen) haben bisher weder die zweitligaerfahrenen Jules Reimerink und Sven Kreyer noch Stoßstürmer Freddy Mombongo-Dues gebracht. Dabei hatte Trainer Tomasz Kaczmarek Kreyer vor Saisonbeginn als „einen der Topstürmer der Regio­nal­liga“ bezeichnet. Im Viktoria-Trikot herrscht aber Flaute bei dem 24-Jährigen, der in 20 Partien erst ein Mal getroffen hat. Die größte Torgefahr in Höhenberg geht weiterhin von Wunderlich aus. „Unsere Stürmer konnten zuletzt leider keine guten Leistungen abrufen. Warum auch immer“, ist sogar­ Küsters ein wenig ratlos.

Mit Oldie nachgerüstet
So musste sogar ein „alter Hase“ in die Bresche springen, der seine Fußballkarriere eigentlich schon beendet hatte. Gegen Aachen überragte der 34 Jahre alte Marcus Steegmann mit zwei Treffern und stahl den jüngeren Kollegen mal eben die Show. Als Kritik am akribisch geplanten Kader will Küsters die Entscheidung, „Steegi“ zu reaktivieren, aber nicht sehen: „Er war nie ganz weg aus dem Umfeld und hat im Training überzeugt. Im Nachhinein kann man sagen: Wir haben alles richtig gemacht, ihn spielen zu lassen.“

Neben der Formschwäche einiger Leistungsträger ist ein großes Pro­blem der Viktoria sicherlich auch das Verletzungspech. So konnte Tim Jerat nach einem Muskelbündelriss erst ab dem 10. Spieltag seine Erfahrung im Mittelfeld einbringen. Youngster Sebastian van Santen, der in der Vorbereitung mit starken Leistungen auftrumpfte, konnte verletzungsbedingt noch kein Liga­spiel bestreiten. Regelmäßig nicht dabei ist Jules Schwadorf, den immer wieder Muskelblessuren plagen. Angesichts der Lage musste Antreiber Mike Wunderlich zum Ende des Jahres wochenlang mit Kniebeschwerden auflaufen.

Trotz der Breite des Kaders fehlen Spieler, die auch mal dorthin gehen, wo es weh tut. Anders sind schwache Auftritte gegen Kellerkinder wie Erndtebrück (0:0), Kray (2:2) oder Ahlen (0:2) nicht zu erklären. Erkennbar wird das Potenzial der Mannschaft gegen Mitfavoriten um die vorderen Plätze, wie das 6:0 gegen Aachen oder das 3:3 gegen Spitzenreiter Lotte. Nur die „schönen“ Spiele zu gewinnen reicht aber nicht, um das einmal mehr anvisierte Saisonziel – Platz eins – zu erreichen. Denn zur Spitze klafft nach 19 Spielen ein Sechs-Punkte-Rückstand.

Eine Aufholjagd scheint, gerade in Anbetracht des richtungsweisenden 3:0-Sieges beim Verfolgerduell in Oberhausen, durchaus möglich. Dafür müssen die Höhenberger jedoch mit der richtigen Einstellung aus der Winterpause kommen. Denn gleich zum Jahresbeginn warten mit Kray, Dortmund II und Wiedenbrück Gegner aus unteren Tabellenregionen, denen die Viktoria vom Potenzial und den spielerischen Möglichkeiten her, ohne Frage überlegen ist. Alles eine Frage der Einstellung also.

Svenja Dahlhaus