Köln.Sport

Von Beckum bis Platz 11

Einer der Top-Neuzugänge beim 1. FC Köln: Kevin Vogt Foto: imago/Thomas Zimmermann

Einer der Top-Neuzugänge beim 1. FC Köln: Kevin Vogt
Foto: imago/Thomas Zimmermann

Sensation oder Favoritensieg? Der FC trifft im DFB-Pokal auf FT Braunschweig. Köln.Sport blickt auf die bittersten Erstrundenniederlagen der Geißböcke zurück.

Nach einer langen Vorbereitung heißt es Samstag Nachmittag für den FC, die Karten auf den Tisch zu legen. In der ersten Runde des DFB-Pokals treffen die Geißböcke auf FT Braunschweig, seines Zeichens Regionalligist. Eigentlich sollte dies für einen Bundesliga-Verein eine lösbare Aufgabe sein. Eigentlich.

Die jüngere Vergangenheit des FC hat gezeigt: Mit Enttäuschungen und bittere Niederlagen ist gerade im DFB-Pokal zu rechnen. Mit vier Erfolgen (1968, 1977, 1978, 1983) sowie sechs weiteren Finalteilnahmen ist die Pokalgeschichte des FC zwar reich an Meriten und Siegen, doch liegen die großen Jahre des Vereins schon etwas zurück. Der Traditionsverein kann in den letzten 20 Jahren auf eine unrühmliche Bilanz blamabler Ausscheiden zurückblicken.

Bitteres Aus in Beckum

Eine unfassbare Niederlage erlitten die Geißböcke 1995 in der münsterländischen Provinz. Angetreten mit hohen Ambitionen in Richtung europäischem Geschäft und gespickt mit Stars wie Toni Polster, Bruno Labbadia oder Sunday Oliseh schaffte es der FC nicht, in 120 Minuten gegen den Außenseiter SpVgg Beckum ein Tor zu erzielen. Im Elfmeterschießen versagte den großen Stars dann die Nerven – die Überraschung war perfekt. Dem Ende im Pokal folgte kurz darauf auch das Aus für FC-Coach Morten Olsen.

Bekanntschaft mit aufmüpfigen Nobodys musste als Verantwortlicher auf der Kölner Bank auch Peter Neururer zwei Jahre später machen. Als hoher Favorit lag seine Mannschaft beim SSV Ulm bereits nach fünf gespielten Minuten mit 0:2 zurück. Selbst durch den prompten Anschlusstreffer Röseles ließ sich die Regionalliga-Truppe von Ralf Rangnick nicht verunsichern und schlug kurz darauf zurück. Mit einer 1:3-Niederlage im Gepäck wurde die Saison für den FC nicht erfolgreicher: Am Ende stand der erste Abstieg des Traditionsclubs. Ulm konnte sich nur eine Saison später auf erneuten Kölner Besuch freuen – in der zweiten Liga.

Zerplatzte Träume in Offenbach

Dort sollten die Geißböcke in der Zukunft häufiger in den Tabellen erscheinen. Ewald Lienen führte den FC zwar kurzfristig aus dem Jammertal, schaffte aber nicht die Etablierung in der Beletage. Auch im DFB-Pokal ist mit seinem Namen eine bittere Niederlage der FC-Geschichte verbunden: In Magdeburg geriet man im August 2000 früh in Rückstand und ergab sich danach mit wenig Gegenwehr dem Außenseiter. Schlussendlich kassierte der Bundesligist eine 2:5-Packung in der Hauptstadt Sachsen-Anhalts – und belegte am Ende der Saison einen respektablen 10. Rang.

Einen weiteren Anlauf in der höchsten Spielklasse des deutschen Fußballs unternahm der Club 2005 mit Uwe Rapolder. Nach zwei Auftaktsiegen gegen Mainz und Stuttgart flogen die Träume der Fans bereits sehr hoch. Den ersten Dämpfer verpasste Kickers Offenbach der Kölner Euphorie: Nach früher Führung durch Feulner und einem Platzverweis für Sinkala überrollte der Zweitliga-Aufsteiger die Geißböcke und gewann mit 3:1. Für Rapolder war nach einer katastrophalen Hinrunde, die nur noch einen weiteren Sieg brachte, Schluss in Köln. Und der FC stieg am Saisonende erneut ab.

Tiefer Fall auf Platz 11

In die Fußball-Beletage zurück wollte der Club 2007 – mit Hoffnungsträger Christoph Daum auf der Bank und mehreren hochkarätigen Neuzugängen auf dem Rasen. Bei der Reserve Werder Bremens schien auch alles nach Plan zu laufen: Der FC dominierte die Partie auf Platz 11, einem Nebenplatz des Weserstadions, und ging durch Novakovic und Vucicevic beruhigend in Front. Doch der Kölner Goliath hatte die Rechnung ohne David namens Martin Harnik gemacht: Der damals 20 Jahre alte Stürmer wirbelte den FC mächtig durch und schoss sein Team in die Verlängerung, wo der Außenseiter gegen konditionell nachlassende Favoriten alles klar machten.

Ob der FC in dieser Saison seine erfolgreiche Tradition bis Anfang der neunziger Jahre fortsetzen kann oder in Braunschweig ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen Geschichte der jüngsten Vergangenheit schreibt, müssen die Spieler auf dem Platz zeigen. Eine Sensation könnte zumindest für den weiteren Saisonverlauf als schlechtes Omen gedeutet werden.

Thomas Reinscheid

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