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Vom Traumhüter zum Traumtrainer?

Trainiert ab dieser Saison den Bezirksligisten DSK Köln: Ex-Profi Lars Leese Foto: imago/Reviersport

Trainiert ab dieser Saison den Bezirksligisten DSK Köln: Ex-Profi Lars Leese
Foto: imago/Reviersport

Lars Leese zum DSK Köln? Dem Bezirksligist ist mit der Verpflichtung des Ex-Profis ein echter Coup gelungen. Im Köln.Sport-Interview spricht der „Traumhüter“ über seine Ambitionen in Ehrenfeld.

Früher Premier League – jetzt Bezirksliga. Lars Leese stieg als Spieler aus dem Amateur- in den Profibereich auf. Als Trainer wagt er nun einen „Abstieg“. Mit dem DSK Köln will er mittelfristig in die Landesliga. Für das kommende Köln.Sport-Fußball-Sonderheft, das am Freitag (14. August) erscheint, haben wir mit dem 45-jährigen Ex-Profi gesprochen.

Herr Leese, Sie haben den Bezirksligisten DSK Köln übernommen. Wie ist der Kontakt nach Ehrenfeld entstanden?

Zunächst einmal haben sich die Verantwortlichen vor gut einem Jahr per Mail bei mir gemeldet – später auch telefonisch. Wir haben uns in sehr angenehmen Gesprächen ausführlich ausgetauscht. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch vertraglich in Velbert gebunden, der Kontakt zum DSK ist aber nie abgerissen. Als Anfang des Jahres klar wurde, dass der Trainerposten frei werden würde, haben wir uns nochmal zusammengesetzt und uns schließlich geeinigt. Das waren mit die seriösesten Gespräche, die ich in meiner Laufbahn erlebt habe.

Zuvor haben Sie sich eine einjährige Auszeit genommen. Wie haben Sie die Zeit verbracht und haben Sie den Fußball vermisst?

Ganz auf den Fußball verzichtet habe ich ja auch nicht. Ich habe die Zeit genutzt, um mich weiterzubilden – unter anderem bei der U19 von Bayer Leverkusen. Es war also eher „Fußball Light“. Es war aber einfach an der Zeit, eine kurze Pause einzulegen, denn die Belastung als Trainer ist schon sehr stark, wenn man zusätzlich, wie ich, berufstätig ist. Ich hatte viel Zeit für meine Frau und meine Kinder und wir konnten endlich mal wieder verreisen, ohne auf den Spielplan zu gucken. Das habe ich sehr genossen. Trotzdem freue ich mich auf die Aufgabe beim DSK.

Nach Stationen wie Bergisch Gladbach oder Velbert in der Regionalliga wirkt Ihr Engagement beim DSK Köln auf den ersten Blick, wie ein Schritt zurück. Warum haben Sie sich für einen Kölner Bezirksligisten und gegen höherklassige Angebote entschieden?

Das hat vor allem berufliche Gründe. Den extremen Aufwand, den ich in Velbert betrieben habe, konnte und wollte ich nicht mehr betreiben. Es ist schön, nicht immer eine Stunde im Auto zu sitzen, bis ich am Trainingsplatz bin. Das ist jetzt deutlich entspannter. Dennoch hat mich auch das Gesamtkonzept beim DSK überzeugt. Der Verein ist sehr ambitioniert und es greift ein Rädchen ins andere.

Wie empfinden Sie das Umfeld beim DSK im Vergleich zu Ihren vorherigen Stationen?

Ich habe mit anderen Umständen gerechnet. Der DSK ist ein Integrationsverein wo verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Ich habe damit gerechnet, dass es da zwangsläufig auch zu Problemen kommen kann, aber das Klima in Mannschaft und Verein ist außergewöhnlich gut. Da gibt es keinen großen Unterschied zu Velbert oder Bergisch Gladbach. Infrastrukturell mit den Ascheplätzen jedoch leider schon, wobei in den kommenden Monaten und Jahren eine Kunstrasenanlage entstehen soll, die unsere Möglichkeiten noch einmal verbessert.

In der letzten Saison dümpelte der DSK im Niemandsland der Bezirksliga herum. Hand aufs Herz – ein Trainer ihres Kalibers geht doch nicht in die Bezirksliga, um im Mittelfeld der Liga zu spielen. Wie ist die Zielsetzung für die anstehende Spielzeit?

Ich muss immer schmunzeln, wenn ich lese, dass viele Trainer uns als Mitfavoriten im Kampf um den Aufstieg sehen. Ich weiß, dass der Weg, den ich gehe nicht der typische weg ist, aber damit bin ich bis jetzt immer gut gefahren. Wenn wir am Ende der Saison einen oder zwei Plätze besser sind, als im Vorjahr, sind wir super zufrieden. Über mehr nachzudenken, wäre absolut vermessen. Um oben mitzuspielen, müssten wir unsere Punkteausbeute im Vergleich zur letzten Saison mehr als verdoppeln – das ist einfach nicht realistisch.

Welchen langfristigen Plan verfolgen Sie in Ehrenfeld?

Wir haben als mittelfristiges Ziel die Landesliga ausgemacht. Da wollen wir in der kommenden Saison auch hin. Dieses Jahr nutzen wir als Vorbereitungszeit für den Aufstieg. Ich habe den Luxus, viel Zeit für das Erreichen der Ziele zu bekommen. Die werde ich mir auch nehmen. Ich hätte auch Lust mit dem Verein bis zur Mittelrheinliga zu gehen – der ein oder andere Spieler sicher auch. Das ist jedoch erst einmal Zukunftsmusik. Der Verein investiert in die Infrastruktur und schafft gute Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Da wollen wir sportlich nachziehen.

Sie sind in Deutschland als „Traumhüter“ bekannt geworden, der den Sprung aus dem deutschen Amateurfußball in die englische Premier League geschafft hat. Glauben Sie, dass Sie eine solche Geschichte im Trainerberuf wiederholen können?

Es war mein Ziel, in den Profibereich zu kommen. Als ich in Velbert angefangen habe, lief das, wie die typischen Anfängen einer Profikarriere. Jetzt ist die Konstellation eine ähnliche, wie früher als Spieler. Ich schiele nicht darauf, irgendwann nochmal im Profibereich zu trainieren. Ich kann diese Dinge sowieso nicht beeinflussen, von daher bin ich ganz entspannt. Aber vielleicht wird aus dem Traumhüter ja auch noch mal ein Traumtrainer (lacht).

Der Fußball hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wäre eine Geschichte, wie Ihre, heutzutage noch möglich?

Diese Frage habe ich mir privat auch schon gestellt. Im Endeffekt ist meine Geschichte eine Mischung aus Talent und purem Zufall gewesen. Heutzutage ist das nur noch schwer vorstellbar. Die gesamte Fußballwelt ist deutlich transparenter geworden und es wird viel akribischer gescoutet. Ich will nicht sagen, dass es im Amateurbereich keine Spieler gäbe, die die Qualität hätten, Profi zu werden, aber es wäre eine absolute Ausnahme. Fast alle Bundesliga-Spieler haben ein Nachwuchsleistungszentrum durchlaufen, die Leistungsdichte insgesamt ist viel höher. Außerdem sind die Profifußballer mittlerweile absolute Maschinen – alle topfit und kein Gramm Körperfett zu viel.

Welche Erfahrungen aus dem Profibereich können Sie Ihren Bezirksligakickern mit auf den Weg geben?

Ich hatte in meiner Laufbahn viele gute Trainer, wie Christoph Daum zum Beispiel. Wie überall im Leben ist es normal, dass man sich von den guten Trainern viel abguckt und von den schlechten möglichst wenig. Das versuche ich an die Mannschaft weiterzugeben. Ansonsten möchte ich ein fairer und offener Partner für die Jungs sein. Neben unserer sportlichen Entwicklung, wollen wir auf dem Platz Spaß haben.

Wie ist es, Paolo di Canio den Ball vom Fuß zu nehmen?

In dem Moment war es, wie gegen jeden beliebigen Kreisliga-Stürmer (lacht). Da habe ich mir keine Gedanken gemacht – es war ja schließlich mein Job. Jetzt im Nachhinein betrachtet, waren es einfach geile Spiele, die ich mit Barnsley machen durfte. Wenn ich mir ab und zu die Videokassette von unserem Sieg in Anfield angucke, bekomme ich noch heute Gänsehaut.

Das Interview führte Christian Kühlborn.

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