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Viktoria: „Es muss alles passen“

Seit 2014 Viktoria-Sportvorstand: Franz Wunderlich Foto: imago/Eibner

Seit 2014 Viktoria-Sportvorstand: Franz Wunderlich
Foto: imago/Eibner

Ein schweres Los, aber nichts ist unmöglich: Viktoria Kölns Sportvorstand Franz Wunderlich ist vor dem Pokalfight ­gegen Bayer Leverkusen im Köln.Sport-Interview ­zuversichtlich.

Nein, eine richtige Wundertüte ist die Partie zwischen Viktoria Köln und Bayer Leverkusen in der zweiten Pokalrunde nicht. Bereits im Sommer spielten die Nachbarn von der „Schäl Sick“ gegeneinander. Zum 111-jährigen Jubiläum der Viktoria war die „Werkself“ in den Sportpark Höhenberg gekommen und sah sich in der Vorbereitung auf die neue Saison beim Viertligisten einigen Schwierigkeiten gegenüber. Die Viktoria­ brachte den Champions-League-Teilnehmer an den Rand einer Niederlage, doch Stefan Kießling konnte kurz vor dem Abpfiff noch ausgleichen. Im Duell „David“ gegen „Goliath“ sind die Leverkusener also vorgewarnt. Köln.Sport sprach mit Viktoria-Sport­vorstand Franz Wunderlich­ über den Pokalfight am 28. Oktober.

Herr Wunderlich, was haben Sie gedacht, als Felix Neureuther Ihnen für die 2. Runde des DFB-Pokals Bayer Leverkusen zuloste?

Mit ein bisschen Abstand muss ich sagen, dass es ein tolles Los ist. Bayer ist ein Champions-League-Teilnehmer, wir haben ein gutes Verhältnis zu ihnen. Im ersten Moment war ich aber nicht so erfreut. Erstens ist Bayer sportlich eine sehr schwere Aufgabe und zweitens hatten wir vor einigen Wochen das große Vergnügen, bei unserem 111-jährigen Jubiläum gegen sie anzutreten. Das Überraschungsmoment werden wir also nicht mehr haben. Wir freuen uns dennoch auf einen heißen Pokalabend!

Möglich wäre auch der 1. FC Köln gewesen. War das ein Gegner, auf den sie spekuliert hatten?

Wir hatten auf ein namhaftes Los spekuliert. Ich hätte aber lieber – wie schon in der ersten Runde (Viktoria schlug Union Berlin 2:1, Anm.d.Red.) – einen Gegner gehabt, der an einem guten Tag auch realistisch zu schlagen ist. Der 1. FC Köln wäre sicherlich eine große Sache gewesen. Jeder weiß, dass unser Verhältnis leider Gottes nicht das Beste ist. Daher hätten wir das sehr gerne angenommen.

Jetzt geht es als Regionalligist gegen einen aktuellen Champions-League-Teilnehmer – der Klassenunterschied ist immens. Ist der Abstand zu groß oder ist die Sensation möglich?

Natürlich ist sie möglich. Die Chance ist zwar nicht groß, aber wir haben eine Chance. Wir sind aber alle realistisch: Dafür müsste alles passen. Deswegen war ich nach dem Los etwas traurig, denn wir haben in der Vorbereitung ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Deswegen ist Leverkusen ein Stück weit vorgewarnt. Roger Schmidt wird seine Spieler schon darauf hinweisen, dass sie auch gegen einen guten Viertligisten verlieren können.

In der Vorbereitung konnten Sie sich schon von den Qualitäten der Leverkusener überzeugen. Welchen Eindruck haben Sie dort gewinnen können? Vielleicht sogar einen Schwachpunkt erkannt?

Dass Leverkusen eine Top-Mannschaft ist, darüber brauchen wir nicht zu reden. Es gibt aber auch Punkte, wo wir glauben, sie treffen zu können. Im Sommer ist uns das schon einmal gelungen. Wenn man aber lange genug im Fußball dabei ist, weiß man diese Spiele auch einzuordnen. Die Vorbereitung ist gerade bei den Profi-Teams immer sehr intensiv. In dieser Phase bei einem Viertligisten anzutreten, da geht auch immer etwas Spannung verloren.

Trotz des guten Auftritts beim Jubiläumsspiel: Besteht dennoch die Gefahr, dass die Viktoria mit zuviel Respekt aufläuft?

Wir werden Respekt haben, denn den haben wir grundsätzlich immer vor unserem Gegner, aber keine Angst. Davon bin ich überzeugt. Wir kennen die umgekehrte Situation ja aus der Liga, wo wir in nahezu jedem Spiel Favorit sind. Diesmal haben wir nichts zu verlieren, darin liegt der Reiz der Partie. Du kannst zwar auch vier-fünf Stück kriegen, wenn Bayer einen guten Tag hat, aber unsere Mannschaft wird heiß sein. Die Jungs freuen sich auf dieses Highlight!

Es wird eine ganz andere Situation als in der Liga, wo Viktoria oftmals der große Favorit ist. Kommt die Rolle als großer Außenseiter dem Team entgegen?

Definitiv. Es spielt uns natürlich in die Karte, dass in diesem Duell Bayer das Spiel machen muss und nicht wir. Die Jungs werden sich top verkaufen, davon bin ich überzeugt.

Hoffen gegen Bayer auf die Sensation: Wunderlich (l.) und Viktoria-Coach Tomasz Kaczmarek Foto: imago/Foto2press

Hoffen gegen Bayer auf die Sensation: Wunderlich (l.) und Viktoria-Coach Tomasz Kaczmarek
Foto: imago/Foto2press

Bei beiden Teams verläuft die Saison bislang recht schwankend, gute Partien jagen schwächere Leistungen. Woran liegt das aktuell bei Viktoria?

Wir haben im Sommer mit 16 neuen Spielern erneut einen großen Umbruch gewagt und brauchen einfach Zeit. Intern waren wir uns schon vorher einig, dass wir auf eine solche Phase stoßen können. Das ist nach außen schwierig zu kommunizieren, weil unsere Vorbereitung so gut lief. Wir haben Düsseldorf und Magdeburg geschlagen sowie gegen Leverkusen 1:1 gespielt. Dazu kamen Verletzungen bei wichtigen Spielern wie Tim Jerat – das hat alles Spuren hinterlassen.

Vor der Saison wurde ein angebliches Interesse Bayers an ihrem Sohn Mike bekannt. Was war an dieser Geschichte dran und warum scheiterte es letztlich?

Zuallererst muss ich sagen, dass ich es schade finde, wie sehr das Thema in den lokalen Medien gepusht wurde. Das wird der Sache in der Form nicht gerecht. Roger Schmidt hat zu Mike schon länger ein sehr gutes Verhältnis. Aus losen Gespräche nach dem Freundschaftsspiel wurde das Interesse dann etwas konkreter. Letztlich hat es aus verschiedenen Gründen für Mike leider nicht geklappt.

Ist er deshalb besonders motiviert?

Nein. Jeder, der Mike kennt, weiß, dass man ihn nicht motivieren muss, egal ob es gegen so ein Kaliber oder gegen Gegner aus der Landesliga geht. Er wird – wie jeder Spieler – heiß sein. Mike muss Leverkusen auch nichts beweisen, dafür waren die Gespräche zwischen allen Beteiligten zu korrekt und offen. Er hegt da keinen Groll.

Wenn für Viktoria die Sensation möglich sein soll, muss er der Schlüsselspieler sein? Oder kommt es auf andere Spieler an?

Mike ist natürlich ein Eckpfeiler dieser Mannschaft, das steht außer Frage. Auch, dass er ein Spiel mit einer Aktion entscheiden kann. Aber das wird nicht der ausschlaggebende Punkt sein: Gegen so einen Gegner ist das Kollektiv entscheidend. Wir müssen in der Lage sein, als ganze Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute sehr diszipliniert und konzentriert zu agieren. Dann kann ein Torwart der entscheidende Mann sein oder auch ein Stürmer – das ist letztlich egal.

Auf wen muss ihr Team denn auf der Gegenseite achten? Oder sind das schlichtweg zu viele Topstars?

Nochmals: Bayer ist eine Top-Mannschaft. In der Offensive weiß man, dass ihnen dank Hakan Calhanoglu ein ruhender Ball schon reichen kann. Es ist eine Extra-Klasse, die dieser Spieler bei Standardsituationen verkörpert. Einen Stefan Kießling darf man nicht alleine lassen, Karim Bellarabi ist überragend. In der Offensive ist Bayer schon herausragend bestückt. Wir wissen aber auch um die Probleme, die dieses Team in dem ein oder anderen Bereich hat.

Viktoria hat sich dazu entschieden, nicht ins große RheinEnergieStadion zu wechseln. Was waren die Gründe dafür?

Für uns war klar, dass wir das Spiel im Sportpark Höhenberg austragen werden, wenn wir das dürfen. Denn: Wenn wir überhaupt eine Chance gegen Bayer haben wollen, müssen wir in unserem kleinen Stadion spielen. Das hat das Spiel gegen Union Berlin bereits gezeigt, wo unsere Fans uns unglaublich unterstützt haben. Dazu hat es das gesamte Umfeld des Vereins verdient, ein solches Highlight im eigenen Wohnzimmer austragen zu dürfen.

Im Testspiel lag die Viktoria lange in Führung, das Spiel endete 1:1. Was wäre denn beim Pokalduell eine Leistung und ein Ergebnis, das sie zufriedenstellen würde?

Wir dürfen uns auf keinen Fall abschlachten lassen. Das kann durchaus passieren, wenn Bayer einen Sahnetag erwischt und wir den ein oder anderen Fehler zuviel machen. Das wäre bitter. Aber ich kann versprechen, dass wir am 28. Oktober alles heraushauen werden. Und dann bin ich überzeugt, dass wir uns bestmöglich verkaufen werden. Und wer weiß: Vielleicht springt am Ende dann ja die Sensation dabei heraus.

Interview: Thomas Reinscheid

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