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Ryder Cup: Treffen der Elite

Ab morgen schaut die ganze Golfwelt gebannt nach Frankreich. Im „Le Golf National“ steigt dann der 20. Ryder Cup – und das prestigeträchtige Turnier war selten so stark besetzt wie in diesem Jahr.
Ryder Cup

Rory McIlroy gehört seit 2010 zu den Leistungsträgern des europäischen Teams (Foto: GettyImages)

Es ist der dritte Tag des Ryder Cups 2016. Im Hazeltine National Golf Club in Chaska, Minnesota, ist die Spannung zum Greifen nah. Nach zwei Tagen führen die US-Amerikaner gegen Team Europa mit 9½ zu 6½, doch jeder hier erinnert sich noch gut an das „Miracle at Medinah“ beim Ryder Cup 2012 und weiß: Keine Führung ist sicher. Damals lagen die USA sogar mit zehn zu sechs in Front, ehe die Europäer am letzten Tag eine sensationelle Aufholjagd starteten und durch einen legendären Putt von Martin Kaymer das prestigeträchtigste Turnier der Welt doch noch für sich entscheiden konnten.

Doch diesmal sollte Team Europa die Sensation nicht mehr schaffen. Angefeuert von fanatischen US-Fans und angeführt von einem überragend aufspielenden Patrick Reed, der sich mit Rory McIlroy eines der besten Matchplay-Duelle der letzten Jahre lieferte, gewannen die US-Boys den letzten Tag mit 7½ zu 4½ und das gesamte Turnier mit 17:11. „Ich bin einfach nur stolz auf die Jungs“, sagte US-Team-Captain Davis Love III nach dem Erfolg. „Sie standen zwei Jahre unter sehr großem Druck. Aber sie zeigten eine fantastische Teamleistung.“

Europas Elite am Start

Acht lange Jahre mussten die US-Amerikaner auf den Gewinn des Ryder Cups warten. Europa sicherte sich die Trophäe zuvor 2010, 2012 und 2014 drei Mal in Folge. Und 2018 wollen sie sie beim „Heimspiel“ wieder zurück. Angeführt vom dänischen Teamkapitän Thomas Bjørn will die Mannschaft vom 28. bis zum 30. September auf dem eigenen Kontinent wieder siegreich sein. Der Schauplatz diesmal: der gefürchtete Albatros-Kurs des „Le Golf National“ nahe Paris in Frankreich.

Für Team Europa qualifizierten sich Tommy Fleetwood, Tyrrell Hatton, Justin Rose (alle England), Rory McIlroy (Nordirland), Francesco Molinari (Italien), Alex Noren (Schweden), Thorbjörn Olesen (Dänemark) und Jon Rahm (Spanien). Als „Captain’s Picks“ nominierte Bjørn zudem den Schweden Henrik Stenson, den Spanier Sergio Garcia und die beiden Engländer Paul Casey und Ian Poulter. Martin Kaymer wird zum ersten Mal seit 2008 nicht dabei sein. „Die Spieler bringen Erfahrung in unser Team“, begründet Bjørn seine Auswahl. „Sie wissen, wie es ist, zu gewinnen und zu verlieren, und bringen Herz und Seele mit.“

Veteranen sollen es richten

Das gilt wohl für kaum einen Europäer mehr als für Ian Poulter. Der 42-Jährige spielte keine besonders starke Saison und landete im Ryder-Cup-Ranking Europas nur auf Platz 22. Allerdings läuft Poulter gerade bei diesem Wettbewerb immer zur Höchstform auf. Vier europäische Siege bei seinen fünf Teilnahmen sprechen eindeutig für den englischen Match-Play-Spezialisten.

Ein wenig überraschend mutet hingegen die Nominierung von Sergio Garcia an. Der spanische Publikumsliebling verpasste 2018 bei jedem Major den Cut und ist dieses Jahr bislang ohne Turniersieg. Allerdings ist er mit acht Ryder-Cup-Teilnahmen ein echter Veteran des Turniers und könnte den Europäern mit seiner großen Erfahrung weiterhelfen.

Mit Woods und Mickelson

Die Amerikaner werden derweil vom neunfachen Ryder-Cup-Teilnehmer Jim Furyk angeführt. Auch dem 48-jährigen US-Captain steht eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung. Sechs der aktuellen Top 10 der Weltrangliste schlagen Ende September in Frankreich für die USA ab – darunter die Plätze zwei bis vier, belegt von Dustin Johnson, Brooks Koepka und Justin Thomas. Hinzu kommen mit Rickie Fowler, Patrick Reed, Webb Simpson, Jordan Spieth und Bubba Watson weitere Weltklassespieler.

Doch auch sie alle werden, zumindest in den Augen vieler Fans, von zwei der Captain’s Picks noch in den Schatten gestellt. Denn mit Tiger Woods und Phil Mickelson sind zwei echte Legenden und insgesamt weitere 19 Major-Titel (14 von Woods und fünf von Mickelson) im Team vertreten. Die letzten beiden Wild Cards gehen an Bryson DeChambeau, der in den letzten Wochen brillant aufspielte und sowohl das „Northern Trust“ als auch die „Dell Technologies Championship“ gewann, und Tony Finau, der 2018 drei Majors in den Top 10 beendete. Ein besonderer Faktor des Ryder Cups sind bei jeder Austragung die Fans. Nirgendwo sonst im Golfkalender sind die Zuschauer derart emotional am Spiel beteiligt. Gesänge und leider manchmal auch Beleidigungen erinnern eher ans Fußballstadion, gehören aber mittlerweile auch zum Duell zwischen Europa und den USA. Selbst eher ruhige Gemüter wie Rory McIlroy können unter der hitzigen Atmosphäre schon mal aus sich herausbrechen und mehr Emotionen zeigen, als man gewohnt ist.

Somit ist alles angerichtet für ein weiteres Golf-Spektakel vom Allerfeinsten. Unterm Strich gelten die Amerikaner zu Recht als Favorit auf die Titelverteidigung. Ihr Aufgebot ist insgesamt sehr stark und verfügt über eine gute Mischung aus erfahrenen „Schlachtrossen“ des Ryder Cups und hungrigen Jungstars. Doch Team Europa darf niemals unterschätzt werden. Echte Match-Play-Spezialisten wie Fleetwood, Hatton, Casey oder Poulter können an einem guten Tag gegen jeden gewinnen. Dazu kommt die sicherlich lautstarke Unterstützung der europäischen Fans, sodass auch vor diesem Ryder Cup eigentlich nur eines feststeht: Alles kann passieren.

Diese Teams kämpfen um den Cup

Europa: Tommy Fleetwood, Tyrrell Hatton, Justin Rose, Rory McIlroy, Francesco Molinari, Alex Noren, Thorbjörn Olesen, Jon Rahm, Henrik Stenson, Sergio Garcia, Paul Casey und Ian Poulter. Kapitän: Thomas Bjørn

USA: Dustin Johnson, Brooks Koepka, Justin Thomas, Rickie Fowler, Patrick Reed, Webb Simpson, Jordan Spieth, Bubba Watson, Tiger Woods, Phil Mickelson, Bryson DeChambeau und Tony Finau. Kapitän: Jim Furyk

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