Köln.Sport

Rückblick: Das war das Jahr 2017

Spannend, hochklassig, dramatisch – der Kölner Sport hatte auch dieses Jahr zahlreiche Highlights zu bieten und förderte einmal mehr die großen Emotionen zutage. Wir blicken auf ein ereignisreiches Jahr zurück, auf das der Kölner Sport in vielerlei Hinsicht Stolz sein kann.

Wenn sich wildfremde Menschen in den Armen liegen, ein gestandener Mann plötzlich Tränen vergießt oder dem größten „Schwadlappen“ die Worte fehlen – dann befinden Sie sich meist in einem Sportstadion. 2017 sorgte der Sport in der Domstadt einmal mehr bei Athleten sowie Zuschauern für die ganz großen Gefühle. Jubel, Frust, Freudentaumel oder Trauer – unser Jahresrückblick zeigt, dass all dies eng beieinander liegt.

Internationales Flair in Köln
Eishockey und Köln – das passt einfach. 2017 sorgten nicht nur die Spiele der Haie für jede Menge Action. Die Partien der IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft vom 5. bis zum 21. Mai verwandelten die Lanxess-Arena in ein Tollhaus. Zweieinhalb Wochen war die Domstadt fest in den Händen von Eishockey-Fans aus aller Herren Länder, rund 450.000 Zuschauer pilgerten zu den 34 Partien am Hauptspielort Köln (Co-Gastgeber war Paris, Frankreich). Zwar scheiterte die deutsche Auswahl am späteren Finalisten Kanada in der Runde der letzten acht, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Finale behielt Schweden die Überhand und sicherte sich seinen zehnten WM-Sieg.

Historischer Moment
Fragte man Ende 2017 in der Domstadt nach dem schönsten Tag des Jahres, stand ein Datum unangefochten vorne. Der
Elfte Elfte? Mitnichten! Zumindest allen FC-Fans wird der 20. Mai 2017 sogar ewig in Erinnerung bleiben. Der erstmalige Einzug in die Europa League nach 25 Jahren setzte im Rhein-Energie-Stadion sowie in der ganzen Stadt Emotionen frei, die selbst bei den fürs überschwängliche Feiern bekannten Kölner so schnell nicht zu toppen sein dürften. Zehntausende Fans auf dem Rasen, Leo Bittencourt mit Mikro auf der Empore, Bierdusche für Peter Stöger auf der Pressekonferenz – diese Bilder bleiben in Erinnerung. Und sie sollten es auch bleiben, falls der Jahresrückblick 2018 weitaus weniger Erfreuliches bereit­hält. 2017 haben die „Geißböcke“ jeden­falls Historisches geleistet.

Viktoria am Boden
Jubel in Müngersdorf, Verzweiflung in Höhenberg: Nach einer überragenden Saison und dem souveränen Gewinn der Meisterschaft in der Regionalliga West musste Viktoria Köln noch zwei Relegationsspiele bestreiten, um den langersehnten Aufstieg in die dritte Liga unter Dach und Fach zu bringen. Doch gegen den Meister der Regionalliga Nordost lief in zwei Spielen nichts nach Plan. Die Hypothek der 2:3-Heimniederlage inklusive Platzverweis für Kapitän Mike Wunderlich konnten die Rechtsrheinischen am 1. Juni in Jena (1:0) nicht mehr tilgen. Der Aufstieg war denkbar knapp verpasst, Wochen und Monate harter Arbeit blieben unbelohnt. Ein ganz bitterer Tag für alle Viktorianer. „Wir wollen wieder in ­diese beschissene Relegation und es dann besser machen“, gab sich der sportliche Leiter Stephan Küsters nach dem Spiel kämpferisch.

Überragende Atmosphäre
Das VELUX EHF Final4 war auch 2017 wieder ein Sportevent der Extraklasse. Die Halbfinal- und Finalspiele in der Handball Champions League lockten am 3. und 4. Juni erneut Fans aus ganz Europa in das Deutzer „Henkelmännchen“. Allein im Finale waren 19.750 Fans Zeuge von einem an Dramatik kaum zu überbietenden Handballspektakel. Am Ende behielt das Überraschungsteam Vardar Skopje sensationell gegen das Star-Ensemble von Paris Saint-Germain die Oberhand und holte den Titel (24:23). Ein denkwürdiges Final Four, das schwer zu toppen sein wird.

Auf Europas Thron
In einem Jahresrückblick über den Kölner Sport dürfen die Hockey-Herren von Rot-Weiss Köln nicht fehlen. Denn nationale Titel räumen die Mannen von André Henning in schöner Regelmäßigkeit ab. 2017 ist ihnen aber ein besonderer Coup gelungen: Im Finale um den EHL-Pokal setzten sich die Spieler von Coach André Henning am 4. Juni gegen den HC Oranje-Rood mit 3:2 durch und gewannen erstmals in ihrer Geschichte die Euro Hockey League. „Das ist generell sicherlich der größte Erfolg der Vereinsgeschichte und somit auch das Größtmögliche, was wir mit den Jungs einholen konnten“, ordnete Henning nach dem Schlusspfiff den Triumph im belgischen ­Brasschaat historisch ein.

Rund um Köln
Bereits zum 101. Mal fand am 11. Juni das traditionsreiche Radrennen „Rund um Köln“ statt, und die Bedingungen am zweiten Juniwochenende hätten besser kaum sein können. Viele Zuschauer waren bei herrlichem Sonnenschein an die Strecke und zum Zieleinlauf gekommen, um die Fahrer der verschiedenen Rennkategorien anzufeuern. Bei den Profis siegte der ­Österreicher Gregor Mühlenberger. Lokalmatador André Greipel, der gesundheitlich angeschlagen ins Rennen ging, fuhr mit 4:46 Minuten Rückstand über den Zielstrich am Kölner Rheinauhafen. Die Bewertung von Organisator Artur Tabat fiel im Anschluss an das Event rundum positiv aus: „Ich bin mit der 101. Auflage unseres Radklassikers sehr zufrieden. Alles hat gepasst. Toller Renntag, ­tolles Wetter mit viel Sonnenschein. Und mit ­Gregor Mühlberger haben wir ­einen tollen Sieger gesehen“, so Tabat, der das Rennen seit 44 Jahren ausrichtet und nächstes Jahr sein persönliches Jubiläum feiert.

111 Jahre: SC Colonia und RW Köln feiern ­Geburtstag
Es kommt nicht oft vor, dass ein Verein das stolze Alter von 111 Jahre erreicht. 2017 feierten in der Domstadt jedoch gleich zwei Vereine das kölsche Jubiläum. Zelebriert wurde dies allerdings nur bei einem der beiden Jubilare: Während am 12. Juli beim ältesten und erfolg­reichsten Boxverein Deutschlands eine stimmungsvolle Feier mit zahl­reichen Gratulanten wie Bestseller-Autor Frank Schätzing und Ex-Profi Rüdiger May stattfand, musste die Feier beim KTHC aufgrund mangelnder Sponsoren abgesagt werden. Schade angesichts der Tatsache, dass sowohl die Hockey- als auch die Tennis­abteilung einmal mehr ein sehr erfolgreiches Jahr spielte und auch die Mitglieder
eine ­gebührende Feier verdient ­gehabt hätten.

Action pur
Die Deutschen Wakeboard-Meisterschaften am Fühlinger See (25. bis 27. August) präsentierten sich dieses Jahr zum zweiten Mal mit einem besonderen Konzept: Neben actiongeladenen Wettkämpfen sorgten mehrere Streetfoodstände sowie diverse DJs für tolle Festival-Atmosphäre. Im Vordergrund stand aber nach wie vor der Sport. Und da konnten die zahlreich erschienenen Zuschauer einmal mehr spektakuläre Stunts bestaunen. Ein rundum gelungenes Event, das Kölner Wakeboard-Fans dafür entschädigte, dass mit „Wake the line“ (Stadionbad) ein weiteres Turnier der Extraklasse 2017 keine Wiederholung fand.

Golf-Elite schlägt in Köln ab
Zuschauerrekord, erst­klassige Stimmung und Sport der Extraklasse – so ließ sich das Final Four im Kölner Golfclub zusammenfassen. Am 19. und 20. August richtete der Kölner Golfclub (KGC) erstmals das größte deutsche Mannschaftsgolfturnier aus und gab dabei eine exzellente Visiten­karte ab. Insgesamt ließen sich 5.000 Zuschauer das Saisonhighlight der Deutschen Golf Liga nicht entgehen. Der anvisierte Besucherrekord (bisherige Bestmarke: 2.900) wurde damit locker verwirklicht. Auch die German Long Drive Championchip (siehe Bild rechts oben), die im Rahmen des Final Four ausgetragen wurde, kam bei den Golf-Fans gut an. „Unser Ziel war es, den Golfsport in die Stadt zu bringen, und ich denke, das ist zu 100 Prozent gelungen“, zog Organisator Guido Tillmanns ein positives Fazit.

Köln läuft
Bei der 21. Ausgabe des Köln-Marathons am 1. Okto­ber gewann mit Hendrik Pfeiffer zum ersten Mal seit 1998 (Carsten Eich) wieder ein deutscher Läufer. Mit einer Zeit von 2:13:39 Stunden distanzierte er den Rest des Feldes deutlich. Zweiter wurde mit dem Kölner ­Dominik Fabianowski ein Lokalmatador. Bei den ­Frauen siegte ­Rebecca ­Robisch (2:43:02 Stunden) aus Fürth. Überschattet wurde der Köln-Marathon 2017 von einem tragischen Vorfall: Ein Halbmarathonläufer brach kurz nach der Hälfte der Strecke zusammen und starb trotz einer schnellen ärztlichen Betreuung wenig später im Krankenhaus. „Wir bedauern den Tod des Läufers sehr, unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden“, äußerte der Veranstalter über die Homepage seine Anteilnahme.

Meilenstein im G-Judo
Seit Anfang der 1970er Jahre ist Judo als Therapiesport für Menschen mit intellektuellen Einschränkungen (G-
Judo) etabliert. Es schult unter anderem die Alltagsmotorik der Athleten. Nun, gut 45 Jahre später, fand am 21. und 22. Oktober in der Halle des ASV Köln die erste offizielle Weltmeisterschaft für geistig behinderte Judoka statt. Zu den 106 teilnehmenden G-Judoka aus 13 Nationen zählten auch die Lokal­matadoren Niklas Herzog, Victor Gdowczok und
Theo Lavasas vom Südstadtverein Bushido. Das Trio holte eine Gold- und eine Bronzemedaille sowie einen fünften Platz. Am Ende zog Organisator Klaus Gdowczok ein positives Resümee: „Es gab Lob von ­allen Seiten. Ich denke, es war eine würdige Weltmeisterschaft.“ In zwei Jahren soll es eine Folgeweltmeisterschaft in Holland geben.

Abschied von einer FC-Legende
Neben vielen hocherfreulichen Sporthighlights gab es zum Ende des Jahres eine sehr traurige Meldung. Hans Schäfer, das größte Clubidol des 1. FC Köln, starb am 7. November, knapp drei Wochen nach seinem 90. Geburtstag, im Kreise der Familie. „De Knoll“ dürfte allen Kölnern sowie der FC-Familie ewig als bester Linksaußen seiner Zeit sowie als charismatischer Mensch in Erinnerung bleiben. Am 14. November wurde Schäfer auf dem Südfriedhof beigesetzt. Im Anschluss an die Trauerfeier gab der 1. FC Köln bekannt, die Südkurve des RheinEnergieStadions zu-
künftig in Gedenken an die Vereinslegende nach dem Spitznamen Hans Schäfers zu benennen: „De Knoll“. Die Fans veranstalteten am 26. November vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin ­einen Trauermarsch.

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