Köln.Sport

Pure Fußballromantik

Ein großer ist gegangen. Nicht irgendeiner, nein. Sozusagen der letzte „Mohikaner“ des Sommermärchens 2006. Es war „Prinz-Poldi“, der sich im Länderspiel gegen England von Deutschlands Fußballbühne verabschiedet hat. Und wie! In seinem letzten Spiel das Team als Kapitän auf das saftige Grün im Westfalenstadion zu führen war die eine Sache. Sich mit einem Traumtor, wie man es schöner nicht hätte malen können zu verabschieden, die andere. Zwanzig Meter vor dem Kasten, kurz Maß genommen und ab die Post. Mit gefühlten 120 km/h schlug der Ball im rechten Giebel ein. Ekstase. Fassungslosigkeit. Gänsehaut!

Mit einer Köln-Flagge bestückt drehte Poldi nach dem Spiel eine Ehrenrunde

Mit Köln-Flagge in den Händen drehte Poldi nach dem Spiel noch eine extra lange Ehrenrunde durchs Stadion (Foto: imago/ Horstmüller)

Aber es war nicht nur das Tor des Monats, eines seiner schönsten im Dress der Nationalmannschaft, das den Abgang vom kölschen Jung so perfekt gemacht hat. Es waren auch die gewohnt authentischen Worte vor dem Spiel. Cool, ehrlich, locker – Podolski eben. Dazu ein fast ausverkaufter Fußballtempel in Dortmund. Jede Menge kölsche Jecken, Poldi-Sprechchöre bis die Kehle brannte. Wer vor dem Flimmerkasten keine Träne verdrückte, hat mit Fußballromantik nichts am Hut!

Und Podolski? Der Gefeierte selbst genoss die Liebesbekundungen seiner Anhänger, ohne dabei in sentimentale Tränenausbrüche zu verfallen. Nahm sich nach dem Spiel alle Zeit der Welt, um sich von seinen Fans zu verabschieden. Abklatschen, Selfies, Umarmungen, Poldi zeigte sich so nahbar wie eh und je. Am Ende hatte man beinah das Gefühl, er hatte sich von jedem Fan persönlich verabschiedet. Nach der Ehrenrunde im Stadion folgte noch die mediale Ehrenrunde: Kurz mit Mehmet und Delling geschnackt, dann noch ein Spontan-Besuch im Sportschau-Club, wo sein Jugendtrainer Willi Breuer in schönen Erinnerungen aus der gemeinsamen Poldi-Zeit schwelgte.

Der letzte seiner grandiosen Generation dankte ab, jagt künftig im fernen Japan der Murmel hinterher. Und verzaubert dort die Massen hoffentlich genauso, wie er es 13 Jahre mit dem Adler auf der Brust getan hat. Poldi, du bes e Jeföhl!

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