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Poldi: Endstation Japan?

Ab Sommer 2017 startet für Prinz Poldi ein neues Kapitel in der japanischen J-League. Nach einer großen Laufbahn wird das wahrscheinlich seine letzte Karrierestation.

Bundesliga, Premier League, Serie A, Süper Lig – in allen Ligen hat Lukas Podolski schon seine Fußballschuhe geschnürt und auch mindestens einen Treffer erzielt. Ab dem kommenden Sommer wartet das bislang größte Abenteuer auf den deutschen Nationalspieler, der am 22. März gegen England sein letztes Spiel im DFB-Dress absolvieren wird. Dann nämlich wird Prinz Poldi in der japanischen J-League auf Torejagd gehen.

Konnichiwa, Lukas Podolski to moushimasu. Diesen Satz wird Lukas Podolski ab dem Sommer wohl häufiger gebrauchen. Er bedeutet so viel wie: Guten Tag, mein Name ist Lukas Podolski. Wie man die inzwischen 31-jährige Frohnatur kennt, wird er trotz kurioser Aussprache und fehlendem Wortschatz nicht vor einigen Worten auf Japanisch zurückschrecken, wenn Podolski bald für Vissel Kobe auf Torejagd geht. Schon zu Beginn seiner Zeit bei Galatasaray Istanbul sprach der Offensivspieler in einem Facebook-Video türkisch.

Auch wenn für Podolski das Land Japan an sich eine komplett neue Erfahrung ist, weiß der Routinier, wie man mit Neuanfängen in fremden Ländern und Kulturen umgeht. Schließlich kickte er bereits in England, Italien und der Türkei. Seine erfolgreichste Zeit, gemessen anhand der Tore, hat er momentan bei Galatasaray Istanbul. In seinen bisherigen 64 Pflichtspielen traf er 31 Mal und legte zudem noch 16 Tore seiner Kameraden auf. Insgesamt konnte Poldi bislang drei Titel mit den Türken gewinnen. Während es in Italien bei Inter Mailand so gar nicht lief, schnappte sich der Bergheimer auch in England zwei Pokale. Mit dem FC Arsenal gewann er den FA Cup und den Community Shield. Dazu trug er in 82 Spielen 31 Tore und 17 Assists bei. Insgesamt kommt Podolski auf sieben große Titel in seiner Vereins-Karriere.

Köln, München, London, Mailand und aktuell Istanbul – Podolski ist Metropolen ab einer Millionen Einwohnern gewohnt. Auch seine neue Heimat Kobe braucht sich nicht vor Prinz Poldis bisherigen Aufenthaltsorten zu verstecken. Die Stadt an der Bucht von Osaka beherbergt derzeit rund 1,5 Mio. Menschen. Bei Vissel Kobe ist Podolski der erste deutsche Spieler der Vereinsgeschichte. Auf die J-League trifft das nicht zu. Vor dem 31-Jährigen waren bereits einige ehemalige Bundesliga-Kicker im Land der aufgehenden Sonne zu Gast, um dort ihre Brötchen zu verdienen. Gerade zu Beginn der J-League, die 1992 gegründet wurde, zog es einige Deutsche nach Fernost. Und das waren bei weitem keine Spieler zweiter Güteklasse, die keine anderen Optionen mehr hatten als in eine unbekannte Fußballliga zu gehen. Nein! Mit Guido Buchwald, Pierre Littbarski und Uwe Bein wagten gleich 3 Weltmeister von 1990 den Schritt ins Ungewisse. Bein (1994-1996) und Buchwald (1994-1997) waren bei den Urawa Red Diamonds sogar Teamkollegen. Mit Michael Rummenigge (1993-1995) war bereits schon vorher ein Deutscher nach Urawa gewechselt. Näheres hierzu finden Sie hier.

Noch heute werden die deutschen Spieler dort wie Götter verehrt. „Für mich war das von Anfang an eine tiefe Freundschaft zu dem Land, es ist zu meiner 2. Heimat geworden und ich habe dort sehr viele Freunde gefunden. Ich hatte eine ganz, ganz tolle Zeit in Japan, die ich nicht missen möchte“, berichtet Guido Buchwald im exklusiven bwin-Interview. „Diego“ ist auch der deutsche Spieler mit den meisten Einsätzen in der J-League. 127 Mal lief er für Urawa auf. Um den Buchwald-Rekord in der Kategorie Spiele zu knacken, müsste Podolski schon nahezu verletzungsfrei durch sein Engagement in Kobe kommen. Für 2,5 Jahre unterschrieb er beim aktuellen Tabellendritten der J-League. Realistischer könnte da schon die Bestmarke von Frank Ordenewitz sein. „Otze“ erzielte in Fernost 37 Buden, Podolski liegt aktuell nach 1,5 Jahren in Istanbul bei 17 Liga-Einschlägen. Ordenewitz war es auch, der neben Geld auch etwas Zählbares aus Japan mitnehmen konnte. Der ehemalige Bremer, Kölner und Hamburger wurde 1994 mit 30 Treffern Torschützenkönig der J-League. In der jüngeren Vergangenheit war es nur Cacau, der den Schritt nach Japan wagte. Der gebürtige Brasilianer wurde dort jedoch nicht so richtig glücklich, stieg mit Cerezo Osaka in die 2. Liga ab. Inzwischen hat „Helmut“ seine Karriere beendet.

Die deutschen Rekorde sind machbar, für die Allzeit-Ausländer-Bestmarken dürfte Podolski schlicht und einfach die Zeit fehlen. Dass Prinz Poldi noch immer genügend Klasse für so manchen Gegner hat, stellte in dieser Spielzeit unter Beweis. 14 Tore und 6 Assists in 21 Pflichtspielen sind eine hervorragende Bilanz.

Vor allem Spieler aus Südamerika und den Ozeanien-Staaten verdienten in Japan jahrelang gutes Geld, kickten jedoch auf einem limitierten Niveau. Nicht von ungefähr kommt es, dass bereits 8 Mal am Ende einer Saison ein Brasilianer die Torschützenliste anführte. Jedoch war keiner von ihnen so konstant gut, dass er diesen persönlichen Titel 2 Mal gewinnen konnte.

Auch der ehemalige Bundesliga-Stürmer Joshua Kennedy (VfL Wolfsburg, 1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, Dynamo Dresden, Karlsruher SC) sicherte sich die Torjägerkrone in Japan. Sowohl 2010 (17 Treffer) als auch 2011 (19) traf niemand häufiger als er.

 

 

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