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Noch längst nicht satt

Lange wussten die Footballer der Cologne Crocodiles gar nicht, wie es sich anfühlt, in Deutschlands höchster Spielklasse um Siege zu kämpfen, geschweige denn in den Playoffs. Nun aber haben sich die Krokodile diesen Traum nach 16 Jahren endlich wieder erfüllt – und dabei Blut geleckt.
Köpper

Nicht zu stoppen: Die Cologne Crocodiles sind auf dem Weg, eines der besten Teams in Deutschland zu werden (Foto: imago/Huebner)

Es gibt sie, diese Jahreszeit, in der das Herz eines Footballspielers höher schlägt als gewöhnlich. Die sogenannten „Wochen der Wahrheit“, für die sich die harten Jungs die ganze Saison über die Seele aus dem Leib reißen, Gras fressen, Schmerzen und Verletzungen in Kauf nehmen. Diese ganz spezielle Zeit hat einen Namen, der in den allermeisten europäischen Sportarten nicht existiert, in Amerika aber den Football-, Eishockey-, Basketball oder Baseballfans gleichermaßen das Funkeln in die Augen treibt: die Playoffs!

Anders als beispielsweise in der Fußballbundesliga spielen die besten Teams nämlich nach amerikanischem Modus im Anschluss an die reguläre Saison eine Endrunde um die Meisterschaft. Packende K.o.-Spiele, in denen die Fans der Cologne Crocodiles in den letzten 16 Jahren schweren Herzens nicht mitfiebern, sondern nur anderen Teams zuschauen durften. Am 22. September 2018 allerdings hatte das Warten dann endlich ein Ende.

„Wir sind stolz darauf, unser Saisonziel einmal mehr erreicht zu haben und bereits zwei Jahre nach dem Aufstieg den Einzug in die Playoffs geschafft zu haben“, berichtet Patrick Köpper, Headcoach des GFL-Ligisten. Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen schaffte sein Team am Ende verdient den Sprung unter die besten acht Mannschaften Deutschlands. Auch die 14:37-Viertelfinalniederlage im Kampf um die Deutsche Meisterschaft weiß der langjährige Trainer einzuordnen.

„Dafür, dass wir jetzt nach 16 Jahren zum ersten Mal wieder Playoff-Luft geschnuppert haben, und dann auch noch direkt gegen den amtierenden deutschen Meister Schwäbisch Hall, der auch dieses Jahr wieder zu den Top-Favoriten gehört, haben wir uns doch sehr anständig verkauft und können darauf aufbauen“, so Köpper.

(Lesen Sie hier wie sich Köln.Sport-Redakteur im Selbstversuch bei den Cologne Crocodiles geschlagen hat)

Turbulenter Saisonverlauf

Der erfahrene Übungsleiter weiß einerseits, dass die Schwäbisch Hall Unicorns derzeit schlicht noch mehr Qualität besitzen, und kann anderseits einschätzen, dass bereits der Einzug in die Playoffs ein großer Erfolg für sein Team war. Nach zunächst sechs Siegen zu Beginn, fielen die Crocodiles in ein Loch und verloren in der Folge ebenso viele Spiele, wie sie vorher gewonnen hatten. In der Endphase der regulären Saison rissen sich die Grün-Gelben dann aber wieder zusammen und machten den Einzug in die Endrunde perfekt.

Trotz der erfolgreichen Saison lehnt sich Köpper allerdings nicht zurück, er will die Erfolgsstory nach dem Aufstieg in die GFL 2016, dem Klassenerhalt 2017 und dem Einzug in die Playoffs 2018 weiterschreiben. „Wir können zufrieden sein, aber: Sowohl die Spieler als auch wir Verantwortliche haben ganz klar gesehen, woran wir noch arbeiten müssen, um unsere weiteren Ziele ebenfalls zu erreichen.“

Mit den weiteren Zielen meint der Coach einen Angriff auf die Meisterschaft. Erst ein Mal triumphierten die Cologne Crocodiles im „German Bowl“, dem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Der Sieg ist mittlerweile 18 Jahre her. Dass die Kölner Footballer bereits im nächsten Jahr realistische Titelchancen haben, ist fraglich. Ein Angriff auf die Spitze scheint aber aufgrund der positiven Entwicklung des Teams in der jüngeren Vergangenheit realistisch.

Köpper weiß, worauf es ankommt: „Wichtig ist, und da sind in erster Linie die Spieler gefordert, dass man noch mehr Zeit in den Sport investiert. Wenn du Football in Deutschland auf GFL-Niveau spielen willst, musst du neben den normalen Trainingsmöglichkeiten auch privat noch Einheiten absolvieren. Es ist mittlerweile schon ein semi-professioneller Sport.“

Um den Weg in die nationale Spitze zu ebnen, will der Verein infrastrukturell aufrüsten und bessere Trainingsmöglichkeiten auf der Bezirkssportanlage Bocklemünd schaffen. Außerdem plant der Verein, bei der Auswahl der Import-Spieler noch genauer hinzuschauen, um in diesem Bereich mehr Konstanz sowie mehr Qualität zu generieren. Leicht wird Letzteres allerdings nicht, denn die finanziellen Rahmenbedingungen müssen natürlich auch passen.

„Wollen Powerhouse werden“

Eine Pause gönnt das ehrgeizige Trainerteam jedenfalls nur seinen Spielern, nicht aber sich selbst: „Für die Spieler ist jetzt erstmal Pause bis Anfang Dezember. Dann beginnt das Wintertraining. Wir Trainer und der Verein planen jetzt schon den Kader für die nächste Saison und beginnen mit der Rekrutierung neuer Spieler“, sagt Köpper, der sich für die nächste Saison vor allem mehr Tiefe im Kader wünscht, um Ausfälle besser kompensieren zu können.

Welche Neuzugänge die Cologne Crocodiles im Frühjahr präsentieren, steht noch in den Sternen. Jetzt schon gewiss ist hingegegen, dass die Grün-Gelben 2019 hoch hinaus wollen. Köpper strebt mittelfristig sogar an, an die glorreichen 1990er Jahre anzuknüpfen, als die Kölner in einer Dekade stolze vier Mal den German Bowl erreichten.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir da wieder hinkommen können, weil hier alle mitziehen. Die Zuschauerzahlen haben sich im Vergleich zur Vorsaison verdoppelt. Ich glaube, wir können relativ zeitnah das Powerhouse in NRW werden. Es ist mein angestrebtes Ziel, dass wir in den nächsten zwei, drei Jahren ganz oben mitspielen, und das dann auch permanent“, gibt sich Köpper selbstbewusst. Die Cologne Crocodiles sind trotz des ersten Playoffs-Einzuges seit 16 Jahren noch längst nicht satt!

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