Köln.Sport

Nichts passiert

„Wir fühlen uns im Regen stehen gelassen“, sagte Marco Hartel, 1. Vorsitzender des SV Auweiler-Esch, im Dezember im Gespräch mit Köln.Sport. Eigentlich sollte der SVAE in diesem Jahr seinen Kunstrasen bekommen, doch aktuell ist in dieser Angelegenheit noch kein Ende in Sicht. Dadurch steht jetzt sogar die Zukunft des Vereins auf dem Spiel
Kunstrasen

Bereits seit über dreieinhalb Jahren warten Marco Hartel und der SV Auweiler-Esch auf einen neuen Kunstrasen. (Foto: Köln.Sport)

In diesem Jahr wird der SV Auweiler-Esch 60 Jahre alt. Doch dem 1. Vorsitzenden des Vereins, Marco Hartel, ist aktuell nicht wirklich zum Feiern zumute. Bereits Ende 2018 hatte sich Hartel an Köln.Sport gewandt, der Anstoß damals: die Kunstraseninitiative der Stadt Köln. Denn eigentlich sollte der Aschenplatz, auf dem der SVAE trainiert und seine Spiele austrägt, bereits 2018 in einen Kunstrasen umgewandelt werden. Dann wurde der Baubeginn jedoch auf Frühjahr 2019 verschoben, eine richtige und nachvollziehbare Begründung, so Hartel, habe er nicht erhalten. „Dadurch fühlen wir uns schon ein Stück weit im Regen stehen gelassen“, hatte der 1. Vorsitzende damals gesagt, jedoch bestand weiterhin die Hoffnung, dass im Frühjahr dieses Jahres tatsächlich die Bagger rollen würden. So wurde dies auch den Vereinsmitgliedern kommuniziert, und nur durch die Anschaffung eines Soccer-Courts mit Kunstrasenbelag auf eigene Kosten schaffte es der Verein überhaupt, diese Warteperiode zu überstehen.

Ende Januar wandte sich Hartel erneut an Köln.Sport – eigentlich sollten zu diesem Zeitpunkt zumindest erste Bauvorbereitungen getroffen worden sein. Doch weit gefehlt. „Nach einigen Wochen Recherche und Telefonaten mit dem Rechnungsprüfungsamt wurde uns jetzt mitgeteilt, dass wir erst 2020 mit einem Bau rechnen können“, sagt er. „Und das wird der SV Auweiler-Esch nicht überleben. Wenn wir das gegenüber unseren Mitgliedern bekannt geben, werden uns 80 Prozent der Fußballer verlassen. Und dann wäre auch unsere 2016 getätigte Investition von 80.000 Euro für den Soccer-Court, der uns den Hintern gerettet hat, völlig umsonst gewesen!“

Verzögerungen in der Stadtverwaltung

Was Hartel neben der offensichtlichen Tatsache, dass in Esch noch immer auf roter Erde gespielt werden muss, vor allem stört: Er blickt bei den Abläufen in der Verwaltung nicht mehr durch, weiß nicht, wer bei der Stadt für die einzelnen Schritte des Kunst­rasenprojektes verantwortlich ist. „Ich habe inzwischen zu diesem Thema so viele Telefonate geführt – ich weiß gar nicht mehr genau, mit wem ich schon alles gesprochen habe. Dort wird die Schuld aber ohnehin immer auf die anderen Behörden geschoben.“ Doch egal, wo der Vereinsboss anfragt, so richtig in Bewegung kommt das Ganze nicht. „Bis ich beim Rechnungsprüfungsamt angerufen und so erfahren habe, dass unsere Unterlagen seit über einem Jahr dort in der Schublade liegen“, ärgert er sich. „Da vermute ich natürlich, dass wir einfach vergessen worden sind.“

Sportamtsleiter Gregor Timmer kann Hartels Unmut verstehen, die entstandenen Verzögerungen jedoch auch zumindest teilweise erklären. „Die Prüfung hat in diesem speziellen Fall tatsächlich sehr lange gedauert. Inzwischen sind die Unterlagen auch der Bauaufsicht vorgelegt worden.“ Dort gebe es jedoch wegen der zahlreichen Verfahren lange Bearbeitungszeiten, was dazu führt, dass so ein Prozess schon einmal neun bis zwölf Monate dauern könne. „Wir sind auf die Zusammenarbeit mit anderen Ämtern angewiesen“, erklärt Timmer. Diese hätten aber auch ein großes Aufgabengebiet zu bewältigen, weil sie sich nicht nur um Sport, sondern auch um alle anderen Bereiche in der Stadt kümmern. „Und diesen Ablauf können wir von Seiten des Sportamtes leider nicht beschleunigen.“

Die Verzögerungen liegen also vornehmlich an den Abläufen innerhalb der Stadtverwaltung – das hat auch Marco Hartel festgestellt. So richtig trösten kann das ihn und den SV Auweiler-Esch jedoch auch nicht. „Ich habe gelesen, dass 60 Abteilungen in solch einen Prozess involviert sind. Ich weiß, dass Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf dem Heumarkt jährlich das Ehrenamt feiert und betont, dass man es unterstützt, aber in Wahrheit kommt zumindest bei uns nichts davon an.“ Hartel versucht mit allen Mitteln, den Vorgang voranzutreiben, kommt jedoch nicht wirklich weiter. „Wir bekommen überhaupt keine Informationen. Hätte ich nicht so einen Stress beim Rechnungsprüfungsamt gemacht, würde unser Fall wahrscheinlich noch heute dort in der Schublade liegen.“

„Planen Sie mal mit dem nächsten Jahr“

Durch den Aschenplatz, der Stand jetzt im dritten Quartal 2020 in Kunstrasen umgewandelt werden soll, steht nun sogar die Zukunft des gesamten Vereins auf dem Spiel. „Wir haben jetzt aktuell schon wieder zwei Jahrgänge, die auseinanderzubrechen drohen, weil viele keine Lust mehr auf das Theater haben. Die Betroffenen bekommen natürlich auch mit, dass es in diesem Jahr wohl nichts mehr wird – und so verlieren wir richtig gute Kids“, beklagt Hartel. Man merkt ihm die Verzweiflung über die verzwickte Situation mit jedem seiner Worte an. „Und jetzt wurden wir wieder vertröstet. Letztes Jahr hat man uns gesagt, der Baubeginn sei im Frühjahr 2019, wir sollen uns keine Sorgen machen. Und dann heißt es einfach so: Planen Sie mal mit dem nächsten Jahr.“

Zudem soll nun laut Hartel noch ein Kunstrasenplatz im benachbarten Sinnersdorf entstehen. „Und wenn die Stadt Pulheim, die dafür verantwortlich ist, schneller ist als die Stadt Köln bei uns, bekommen wir richtig Probleme.“ Dann droht das endgültige Auseinanderbrechen des Vereins. Und das Jubiläum wird in diesem Jahr trotz 60-jährigem Bestehen ein trauriges. Denn es könnte für den SV Auweiler-Esch der letzte Geburtstag sein.

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