Köln.Sport

Neue Kölsche Welle

Der Haie-Nachwuchs präsentiert sich in diesem Jahr in Topform – sogar das DEL-Team profitiert schon ausgiebig von der Jugendarbeit des KEC. Der Durchbruch von Dumont und Co. ist das Ergebnis einer durchdachten Strategie
Dumont

Lucas Dumont stammt aus der Nachwuchsakademie der Kölner Haie. (Foto: imago images/Beautiful Sports)

Auf der ganz großen Bühne durfte sich die DNL-Mannschaft der Kölner Haie den verdienten Lohn abholen: In der Drittelpause des fünften Spiels der Playoff-Serie ihrer großen KEC-Vorbilder gegen den ERC Ingolstadt kamen Robin Palka, Simon Gnyp und Co. aufs Eis und wurden von den anwesenden Zuschauern frenetisch gefeiert. Kurz zuvor hatten die talentierten Junghaie in zwei spannenden Duellen gegen den Mannheimer Nachwuchs nur äußerst knapp den Kürzeren gezogen, doch die Vizemeisterschaft, das war den Beteiligten anzumerken, schien inklusive des aufmunternden Applauses von den Rängen tröstende Wirkung zu entfalten.

Dorthin, wo sie nun den berechtigten Beifall erhielten, zieht es die Jugendspieler aus den Reihen des Kölner EC – die Lanxess-Arena mit den DEL-Profis ist das ganz große Ziel für die Kufencracks aus dem eigenen Nachwuchs. Für Robin Palka, Kapitän der Kölner U20, und Verteidiger Simon Gnyp kein neues Gefühl: Während der 20-jährige Angreifer Palka in der Spielzeit 2018/19 sechsmal für die Haie-Profis die Schlittschuhe schnüren durfte, gehörte Ausnahmetalent Gnyp (17) für einen geraumen Zeitraum zu den Stammspielern in der DEL. 14 Partien absolvierte der Junioren-Nationalspieler in der höchsten deutschen Spielklasse und beeindruckte auf diesem Niveau mit einer für sein Alter enorm abgeklärten Spielweise. Der Lohn: Der KEC stattete Gnyp mit einem Profivertrag bis 2022 aus.

Doch die beiden U20-Akteure sind beileibe nicht die einzigen Akteure aus dem Haie-Nachwuchs, die den Sprung in den Profikader geschafft haben. Gleich elf Spieler des achtmaligen Deutschen Meisters haben in der Vergangenheit eine Ausbildung in der Jugendabteilung des Kölner EC genossen. Von Kapitän Moritz Müller über Nordamerika-Rückkehrer Frederik Tiffels bis zu Shootingstar Lucas Dumont: Die hervorragende Arbeit im Kölner Nachwuchsbereich schlägt sich nun auch in der DEL-Mannschaft gewaltig nieder. „Wir gehören in der Nachwuchsförderung zu den Top-Klubs Deutschlands. Dass das auch seit ein, zwei Jahren auch Früchte trägt und Talente aus unseren Reihen bei den Profis sehen, ist für uns sehr wichtig“, schildert KEC-Nachwuchschef Rodion Pauels im Gespräch mit Köln.Sport.

Dass Spieler wie Dumont ihre ersten Duftmarken in der DEL gesetzt haben, mache ihn durchaus stolz, wenngleich er eine andere Begrifflichkeit benutzt: „Ich bin sehr zufrieden, dass wir die Jungs nicht für andere Vereine ausbilden, sondern dass sie bei den Haien den Durchbruch schaffen. Das ist in erster Linie auch unsere Aufgabe: Wir wollen keine Titel holen, das wäre ein schönes Nebenprodukt, sondern Spieler ausbilden für den Profibereich“, so Pauels, der vor allem die engere Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen als wichtigen Faktor für die neue kölsche Welle bei den Haien sieht. „Die Talente gab es auch früher. Das Entscheidende ist, dass sie auch die Chance bekommen und sich weiter entwickeln können. Das hat sich enorm verbessert, vor allem in den letzten Jahren durch Sportdirektor Mark Mahon. Auch Haie-Geschäftsführer Philipp Walter setzt auf den Kölner Nachwuchs“, weiß der 56-Jährige, der neben seiner Tätigkeit als Nachwuchschef auch als Cheftrainer der DNL-Mannschaft fungiert, um den Rückhalt der Entscheider an der Gummersbacher Straße.

Keine Trennung zwischen Jugend und Profis

Einen sehr guten Draht habe er zu Mark Mahon, nahezu täglich tauschen die beiden sich aus. „Ganz locker“ sei das Verhältnis, eine Trennung zwischen Jugendabteilung und Profibereich, die früher schon einmal vorgekommen sei, gebe es nicht mehr. Die Vorteile der intensiven Nachwuchsförderung liegt für den Verein auf der Hand: Die Haie müssen sich Spieler nicht extern dazuholen, sondern können auf selbst ausgebildete Akteure setzen, deren Qualitäten sie genauso einschätzen können wie deren Charakter. Außerdem, das betont Pauels immer wieder, sei die Verbundenheit des Spielers mit dem Club enorm hoch, wenn dieser sich aus dem eigenen Nachwuchs nach oben zu den Profis gearbeitet hat.

Auch die Fans können sich mit den Eigengewächsen zumeist mehr identifizieren als mit so manchem Importspieler, der in der nächsten Saison eventuell wieder woanders spielt. Auf ein U23-Team in der Oberliga, wie das der rheinische Rivale aus Krefeld ab der kommenden Spielzeit macht, werden die Haie bei der Entwicklung ihrer Nachwuchskräfte in näherer Zukunft nicht setzen. „Wir haben uns für ein anderes Konzept entschieden. Das DNL-Team soll so stark sein, dass es mindestens auf Oberliga-Niveau ist. Der logische nächste Schritt ist dann der DEL2-Partner – und eine Liga darüber das Haie-Team in der DEL. Dieses Dreieck hat in dieser Saison aus unserer Sicht sehr gut funktioniert“, erklärt Pauels die Ausrichtung des Vereins beim Übergang zwischen Jugend- und Profibereich. Immer wieder konnten Spieler aus den Nachwuchsteams der Junghaie bei der DEL-Mannschaft mittrainieren und mitspielen, dasselbe galt für den DEL2-Kooperationspartner aus Frankfurt. Ein durchdachtes System, das langsam Früchte trägt.

Damit allerdings auch in Zukunft weiter „kölsche Jungs“ für den KEC aufs Eis gehen und in der DEL um Punkte kämpfen können, müsse sich in Köln einiges tun. „Wir müssen immer schauen, wo wir uns verbessern können. Ein großes Problem gibt es definitiv – und das sind die Kapazitäten bei der verfügbaren Eiszeit. Im Vergleich mit den Mitbewerbern sind wir klar im Nachteil, weil wir in Köln derzeit nur eine Eisfläche nutzen können. Alle anderen haben zwei oder sogar drei Eisflächen für den Nachwuchs“, schildert Pauels die Nöte der Junghaie. Zwölf Mannschaften, doch zu wenig Eiszeit, zu wenig Kabinen und nicht genügend hauptamtlichen Trainer: Luft nach oben ist im Haie-Nachwuchs definitiv noch, vor allem mit einem Blick auf die Kölner Konkurrenz.

Abhilfe dabei soll die geplante Halle in Stammheim schaffen – zwei weitere Eisflächen stünden der KEC-Jugend dann zur Verfügung. „Die neue Halle wäre ein enorm wichtiger Schritt für uns“, unterstreicht Pauels die Bedeutung des Projekts für die Nachwuchsförderung in Köln: „Auf Dauer können wir sonst nicht mithalten. Mannheim baut ein Leistungszentrum für die Jugend, in München wird ein neues Stadion mit drei Trainingsflächen geplant. Dadurch werden sie aus meiner Sicht auf Jahre die Nachwuchsarbeit in Deutschland dominieren. Wir müssen zusehen, dass wir uns dahinter positionieren – und dafür brauchen wir die beiden zusätzlichen Eisflächen. Ohne geht es nicht“, so Pauels. Sonst könnte es in Köln bald traurige Realität sein, dass kein U20-Team mehr in der Drittelpause eines Playoff-Spiels für seine Leistungen gefeiert wird. Und erst recht kein kölscher Jung aus dem eigenen Nachwuchs im Profiteam für die entsprechende Akzente auf dem Eis sorgt.

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