Köln.Sport

Nachhaltigkeit fest im Blick

Am 13. Oktober ist es wieder so weit und ganz Köln steht unter dem Slogan „Der Dom ist das Ziel“. Bei der 23. Auflage des RheinEnergieMarathons werden erneut mehr als 27.000 Menschen auf 21 km (Halbmarathon) bzw. 42,195 km (Marathon) ihre Ausdauerfähigkeit beweisen.

Bei der diesjährigen Ausgabe sollen möglichst viele Läufer die neuen Marathon-Shirts aus 100 Prozent nachhaltigen Materialen tragen (Foto: imago images / Norbert Wilhelmi)

Doch wo so viele Menschen über Stunden zusammengekommen, entsteht auch unweigerlich viel Müll. Ein Problem, dessen sich die Veranstalter nun angenommen haben. Denn während die Läuferinnen und Läufer vor allem schnell ins Ziel kommen wollen, haben die Organisatoren ein ganz anderes Ziel: eine möglichst klimaneutrale Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Die fünf Bausteine

50.000 Bananen, 25.000 Müsliriegel, 5.000 Äpfel, 4.000 Liter Apfelsaft, unzählige Liter Wasser und noch einiges mehr – alleine bei der Verpflegung der Teilnehmer zeigt sich, dass der Lauf einiges an Ressourcen verschlingt. Hinzukommen noch meterhohe Türme Papier für Anmeldungen und ähnliches, Medaillen für die Teilnehmer, Läufershirts und einiges mehr…

Das bietet viel Potential klimafreundlicher zu werden. Sehen auch auch die Organisatoren so und drehen deswegen in diesem Jahr das Event auf links. „Wir haben uns eingängig damit beschäftigt, was es für Möglichkeiten gibt, unseren Marathon umweltfreundlicher zu machen als bisher. Am Ende ist es natürlich teurer und mehr Aufwand. Aber das ist es uns wert. Wir wollen wirklich Dinge verändern“, sagt Markus Frisch, Geschäftsführer der Köln Marathon Veranstaltungs- und Werbe GmbH.

Die entscheidenen Key Words sind dabei: „Rethink, Refuse, Reduce, Reuse, Recycle“ oder aber auf deutsch: „Überdenken, Vermeiden, Reduzieren, Wiederverwenden, Wiederverwerten“. Damit nehmen die Veranstalter sich, aber auch alle Besucher und Teilnehmer in die Pflicht: Alles was klimafreundlich sein kann, soll es auch werden, denn die 140 Tonnen CO2, die das Event laut TÜV jedes Jahr produziert, sind teilweise vermeidbar.

Invest von 60.000 Euro

Die Umsetzung des Ziels lässt sich der Veranstalter dabei richtig was kosten. Insgesamt 60.000 Euro investieren die Organisatoren in die neuen Nachhaltigkeitsmaßnahmen und fördern damit gleichzeitig die lokale Wirtschaft. Besonders bei der Verpflegung setzt man gemeinsam mit Partner REWE auf lokale, saisonale Produkte, zumindest dort, wo es geht.

Die Bananen haben dafür immerhin ein Rainforest-Alliance Zertifikat. Auch sonst steht die Veranstaltung im Zeichen der Lokalität, denn für einige der Neuerungen besteht nun eine Kooperation mit Startup-Unternehmen aus NRW. So zum Beispiel bei den offiziellen Marathon-Shirts, die nun aus 100 Prozent nachhaltigen Materialen bestehen. Zwar sind sie auch doppelt so teuer wie die Vorgängershirts, dafür wird aber für jede Bestellung ein neuer Baum gepflanzt.

Eine der auffälligsten Veränderungen ist erst nach dem eigentlichen Lauf sichtbar, denn Holz- statt Metallmedaillen lautet die Devise. Alleine dadurch sollen 30 Tonnen CO2 gespart werden. Zum einen ist Erlenholz im Gegensatz zu Zinkmetall eine nachwachsende Ressource, zum anderen ist der Transport aus Ungarn deutlich kürzer als der aus Südafrika.

Nicht nur die Bestzeit im Auge

Doch bevor die Teilnehmer ihre Medaillen in Empfang nehmen können, wird es auch für sie eine kleine Zusatzaufgabe geben. Neben den üblichen (recycelbaren) Pappbechern, kommen erstmalig auch 100.000 Mehrwegbecher zum Einsatz. Ein Fallenlassen der Becher, wie sonst immer, soll es in diesem Jahr nicht geben.

Markus Frisch dazu: „Das Ziel ist es – und da haben wir uns einen schönen Hashtag zu ausgedacht: #keinbecheraufdiestraße – dass wir nach der Veranstaltung keinen einzigen Becher, egal ob Papp- oder Mehrwegbecher, mehr auf der Straße liegen haben. Wir haben dafür extra Fangnetze entwickelt und werden die auch in ausreichend großer Zahl aufstellen, aber da muss natürlich auch der Läufer den Becher reinwerfen.“

Dass dies funktionieren kann, zeigte sich bereits bei der gelungenen Generalprobe der Netze beim Basteilauf Köln im März. Allerdings waren hier nur um die 1.000 Läufer am Start. „Das ist noch kein Vergleich zu den über 27.000 Läufern, die wir erwarten“, betont Frisch, „denn wenn einer beginnt, die Becher fallen zu lassen, kann durchaus eine ungewollte Gruppendynamik entstehen.“

An einem Strang ziehen

Nachdem Köln im Juli dieses Jahres den Klimanotstand ausgerufen hat, setzen Stadt und Veranstalter mit dem Lauf ein Zeichen und zeigen, dass bereits kleine Veränderungen einen Unterschied machen können. Der Sport kann sich in dieser Hinsicht seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht entziehen und will es auch nicht mehr.

„Wir wollen Vorbild sein“, gibt Markus Frisch die Marschrichtung vor. Dass jedoch noch ein langer Weg zu gehen ist, wird jedem deutlich, der nach einem Großevent durch die Straßen schlendert. Nach wie vor bestimmen dann Müll- und Flaschenberge die Landschaft. Vor dem Marathon appelliert Markus Frisch daher noch einmal an alle, denn „Nachhaltigkeit lebt vom Mitmachen. Und daheim wirft man den Müll ja auch nicht einfach auf den Boden.“

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