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Matsumoto: Der mit dem Auge

Jon Matsumoto soll im Sturm der Kölner Haie der Anführer werden. Der kanadische Spielmacher gilt als Mann mit Übersicht – und weckt Erinnerungen an eine KEC-Legende
Matsumoto

Jon Matsumoto soll in der kommenden Saison das Haie-Spiel lenken. (Foto: imago images/Zink)

Geht es nach Jon Matsumoto, gibt es über ihn nicht viel zu berichten. „Eine langweilige Person“ sei er, betont der 32-jährige Kanadier immer wieder in seinen eher rar gesäten Interviews. Eishockey spielen, hart trainieren, Zeit mit seiner Familie verbringen: Das ist nach eigener Auskunft das ­Leben des Angreifers, der in der kommenden Saison für die Kölner Haie stürmen wird. Seine Frau Kristen (eine ehemalige Eiskunstläuferin), seine Kinder und seine Hunde – das sind die Stützen im Alltag des Routiniers. „Nicht der Stoff, aus dem Romane sind“, erklärte Matsumoto und wirkt darüber nicht sonderlich traurig. Dabei ist allein seine persönliche Geschichte schon alles andere als langweilig: Sein Nachname klingt nicht nur japanisch, sondern der aus Ottawa stammende Matsumoto ist der Sohn eines in Kanada geborenen Japaners. Matsumoto – das bedeutet soviel wie: Wurzeln eines Kiefernbaumes. Mütterlicherseits dagegen hat er sogar deutsche Wurzeln: Die Vorfahren stammen aus Hamburg. „Wir haben ein bisschen Ahnenforschung betrieben, weil wir feststellen wollten, ob ich berechtigt wäre, einen deutschen Pass zu kriegen, aber meine deutsche Wurzeln sind zu alt, zu weit weg“, erzählte er einst der Münchener „Abendzeitung“ mit einem Lachen.

Langweilig soll es mit Jonathan Richard Matsumoto auch auf dem Eis bei den Kölner Haien zukünftig keinesfalls werden. Was der Angreifer alles drauf hat, das bewies er in der vergangenen Saison bei den Iserlohn Roosters. 22 Tore erzielte der 32-Jährige in 52 Partien für die Sauerländer, legte darüber hinaus noch 34 Treffer seiner Mitspieler auf. 56 Scorerpunkte – einzig Straubings Torjäger Jeremy Williams (30 Tore, 27 Assists) konnte einen Zähler mehr verbuchen. Doch auch wenn sich Matsumoto die Krone des besten Punktesammlers der gesamten DEL nicht aufsetzen konnte und letztlich mit Iserlohn die Playoffs deutlich verpasste: Matsumoto zählte in der abgelaufenen Spielzeit zu den spektakulärsten Akteuren auf dem Eis. Seine großartige Übersicht, sein herausragendes Spielverständnis, seine blitzgescheiten Pässe: In Sachen Offensivaktionen gab es kaum jemanden in der Liga, der dem einstigen Münchener Meisterhelden das Wasser reichen konnte. Als Führungsspieler mit viel Eiszeit überzeugte er im Sauerland auf ganzer Linie – und zog das Interesse vieler Klubs auf sich, die ihn vielleicht nach seiner Zeit beim bayerischen Serienmeister etwas abgeschrieben hatten. Schon während der Saison kursierten Gerüchte, dass sich finanzstarke Schweizer Vereine für Matsumoto interessieren und ihn noch für die damals laufende Spielzeit gegen eine Ablöse verpflichten wollen. Am Ende entschied sich der schweigsame Stürmer aber für die Kölner Haie – und damit einen weiteren Angriff auf einen Titel in Deutschland.

„Jede Menge Erfahrung“

Denn von der neunten Meisterschaft träumen in der Domstadt seit 2002 die Fans sehnsüchtigst, auch wenn der KEC seine Ambitionen zuletzt deutlich defensiver verkaufte. Unter dem neuen Trainer Mike Stewart, unter dem Matsumoto 2015/16 in Augsburg aufblühte, wollen die Haie nach dem Halbfinal-Aus der Vorsaison einen weiteren Schritt nach vorne machen. Und der kanadische Spielmacher soll ein wichtiges Puzzleteil bei dem Angriff auf die nationale Spitze werden. „Jon Matsumoto bringt jede Menge Erfahrung mit nach Köln. Seine vielen Scorerpunkte kommen nicht von ungefähr: Er spielt mit viel Energie, hat Spielmacherqualitäten und weiß auch selbst, wo das Tor steht. Jon ist hochmotiviert, seine DEL-Karriere in Köln fortzusetzen“, erklärte Haie-Sportdirektor Mark Mahon zur Verpflichtung des routinierten Angreifers, der im Angriff des achtmaligen Deutschen Meisters die Spielmacher-Rolle ausfüllen soll. Schon seit Jahren fahndet der KEC nach einem adäquaten Mann, der auf der Center-Position zum Anführer der Mannschaft avanciert. Seit Haie-Legende Dave McLlwain seine Karriere 2009 beendete, klafft im Sturmzentrum ein kreatives Loch. Viel wurde probiert, doch nichts half so richtig. Nun ruhen die Hoffnungen also auf Matsumoto, der seine Teamkollegen mit den entsprechenden Vorlagen füttern, aber gleichzeitig auch selbst torgefährlich werden soll.

Seine Qualitäten in der Offensive sind unbestritten: Matsumoto gilt als Mann mit goldenen Händen, der es versteht, seine Mitspieler perfekt einzusetzen. Jemand, der seine Reihenkollegen auf dem Eis besser macht. „Schnelle Hände, schnelle Füße und einen guten Speed“, attestierte ihm einst Münchens Meistermacher Don Jackson. Gerade in Überzahl, in den vergangenen Jahren ein Schwachpunkt der Haie, kann Matsumoto glänzen, doch auch bei Gleichzahl auf dem Eis zählt der 1,80 Meter große Angreifer zu den gefährlichsten Spielern der Liga. Matsumoto ist allerdings in seinen fünf Jahren in Deutschland auch zum Führungsspieler gereift, wird stets als charakterlich starker Profi beschrieben, der den Wettkampf liebt und sich immer weiter verbessern will. „Wenn ich die Halle betrete, egal welche Halle, möchte ich immer gewinnen, meine Einstellung ist immer positiv. Ich verschwende keine Gedanken an etwas anderes“, sagte er in der vergangenen Spielzeit, als es in Iserlohn trotz seiner statistisch besten Saison nicht sonderlich gut lief. Auch das zeichnet Matsumoto aus: Nicht aufgeben, immer weiter kämpfen. Denn der neue Haie-Spielmacher wird nicht nur wegen seiner technischen Fähigkeiten geschätzt, sondern weiß auch körperlich auf dem Eis Akzente zu setzen.

Köln als fünfte DEL-Station

Und Matsumoto weiß, wie es sich anfühlt zu gewinnen: 2017 und 2018 holte er mit München den Titel, bei seiner zweiten Meisterschaft wurde er sogar aufgrund seiner herausragenden Leistungen in den Playoffs als MVP, also als bester Spieler ausgezeichnet. Die Lobeshymne auf ihn waren gerade in der Finalserie gegen die Eisbären aus Berlin immens – technisch und an der Scheibe habe der Kanadier „so ziemlich alles drauf“, betonte beispielsweise der ehemalige KEC-Angreifer Patrick Hager, der seit 2017 für die Münchener stürmt. Dennoch ging es damals für Matsumoto nicht weiter in der bayerischen Landeshauptstadt: Zu wenig Eiszeit für ihn, der Klub wollte auf andere Spieler setzen. „Sie wollen mich hier nicht mehr“, sagte er lakonisch bei der Titelfeier. Also zog der 2006 von den Philadelphia Flyers an 79. Stelle gedraftete Mittelstürmer, der 14 NHL-Spiele (zwei Tore) auf seinem Konto hat, weiter nach Iserlohn. Kein ungewohntes Gefühl für Matsumoto, denn Köln wird nach Schwenningen (2014/15), Augsburg (2015/16), München (2016-2018) und eben Iserlohn in der vergangenen Saison bereits die fünfte Station für ihn in der DEL sein. Ein kleiner Wandervogel ist er schon, der neue Hoffnungsträger der Kölner Haie. Auch das spricht dafür, dass es mit Jon Matsumoto alles andere als langweilig werden wird.

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