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Leverkusen in der Krise

Bayer Leverkusen hat seine sportliche Talfahrt auch gegen den FSV Mainz 05 nicht stoppen können. Die Hyypiä-Elf verlor in einem an Höhepunkten armen Spiel mit 0:1.

von David Vorholt

Wo vorher noch moderarativ von einer Leverkusener Ergebnisskrise die Rede war, ist die ausgemachte sportliche Krise nun endgültig Realität: Unter dem Bayer-Kreuz. Bonjour tristesse in Leverkusen! Das Jahr 2014 bleibt für Bayer auch nach dem Heimspiel gegen Mainz ein äußerst frustrierendes. Der vor dem Spiel auf dem zweiten Tabellenplatz liegende Bundesligist musste gegen taktisch klug agierende Mainzer die sechste Niederlage im achten Pflichtspiel des Jahres hinnehmen. Kalenderjahrübergreifend war es für die Werkself gar die achte Pleite aus den letzten zehn Partien und die fünfte in Serie.

Hyypiä rotiert – fünf Änderungen in der Startelf

Die auf gleich fünf Positionen veränderte Elf von Trainer Sami Hyypiä zeigte die aus den letzten Wochen bekannten Schwierigkeiten. Der Spielaufbau der Werkself wirkte, wie so oft in der Vergangenheit, behäbig und uninspiriert. Unpräzise Zuspiele und der in Teilen nicht vorhandene Blick für den besser postierten Mitspieler ließen Leverkusens Angriffsversuche oft schon scheitern, bevor der Ball überhaupt in der Nähe des Mainzer Tores auftauchen konnte.

Lediglich Heung-Min Son konnte einige male auf der linken Außenbahn durchbrechen, allerdings fehlte seinen Flanken anschließend die Präzision. Mainz beschränkte sich zunächst aufs Abwarten und kam über zwei Standard-Situationen ersmals vor den Leverkusener Kasten. Okazaki hatte nach einem Freistoß die erste erwähnenswerte Tormöglichkeit.

Okazaki scheitert – Choupo-Moting macht es besser

Nach weiteren erfolglosen Leverkusener Angriffsbemühungen hatte Mainz in der 30. Spielminute die erste große Chance auf die Führung. Choupo-Moting hatte sich auf rechts freigelaufen und bediente Okazaki mustergültig im Zentrum. Den Schuss des Japaners aus kürzester Distanz konnte Bayer-Keeper Bernd Leno durch einen starken Reflex grade noch entschärfen.

Sieben Minuten später hatte dann allerdings auch der bis dahin starke Torhüter keine Chance, als die Gäste erneut über rechts kamen. Zdenek Pospech fand den im Strafraum positionierten Stefan Bell, dessen Pass in der Mitte Choupo-Moting erreichte, der sehenswert und unhaltbar für Leno mit der Hacke abschloss. Kurz vor dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte Son den Ausgleich vor Augen, als er frei vor dem Mainzer Tor zum Kopfball kam. Doch Loris Karius verhinderte mit einem starken Reflex das Leverkusener Erfolgserlebnis.

Sam enttäuscht total

Sami Hyypiä reagierte zur Halbzeit und brachte für den völlig enttäuschenden Sidney Sam den erst 17 Jahre alten Julian Brandt, der im vorigen Bayer-Heimspiel gegen Schalke bereits einige gute Akzente setzten konnte. Doch zunächst änderte sich am Gesamteindruck wenig. Gefahr prodzierte das Hyypiä-Team aus dem Spiel heraus kaum. Son prüfte Karius in der 49. Minute mit einem starken Freistoß, doch wieder blieb der Mainzer Keeper Sieger.

Mainz verlegte sich in der Folge auf Konter, Leverkusen konnte weiter keine Durchschlagskraft entwickeln und hatte in der 59. Minute Glück, als Koo alleine auf Ömer Toprak zulief und den Innenverteidiger mit einem Dribbling schwindelig spielte, bei seinem Torabschluss allerdings glücklos blieb.

Bis zum Schluss ohne Mut und Ideen – Pfiffe in der BayArena

Außer einer guten Einzelaktion durch einen Son-Schuss an der Strafraumgrenze passierte beim „Unternehmen Chancenkreation“ der Werkself weiter wenig. Konsequenz: In der 64. Minute brachte Hyypiä den angeschlagenen Stefan Kießling für Defensiv-Mann Stefan Reinartz. Einen merkbaren Effekt hatte auch diese Maßnahme nicht. Die rund 25.000 Fans in der BayArena quittierten den Auftritt ihrer Mannschaft in der 66. Minute erstmals mit lauten Pfiffen, weil wieder einmal der Ball unbeholfen im Mittelfeld hin und her geschoben worden war, ohne den entscheidenden Impuls nach vorne zu kreiren.

Der in allen Belangen unzureichende Auftritt der Leverkusener erfuhr auch in der Schlussphase keine Besserung. Lediglich Kießling konnte mit einer energischen Aktion, bei der er sich von links in den Strafraum getankt hatte, dann jedoch an Karius scheiterte, so etwas wie Torgefahr erzeugen. Kurz vor Ende hatte Johannes Geiß auf Mainzer Seite dann sogar noch die Chance auf das alles entscheidende 2:0, als er mit viel Tempo gegen die weit aufgerückte Leverkusener Verteidigung anlief und sich den Ball durch eine gekonnte Finte nur minimal zu weit vorlegte.

So blieb es beim 1:0 für den FSV, der die drei Punkte aus Leverkusen mitnimmt. Der Werkself hingegen bleibt nur das, was sie auch vor dem Spiel bereits hatte: Die sportliche Krise. Nur da nannte sie sich noch Ergebnis-Krise.

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