Köln.Sport

KS in Gefahr: Tiefer Fall

Für die einen ist es purer Nervenkitzel, für die anderen der blanke Horror: Der freie Fall aus 100 Meter Höhe ins Nichts! Ein Köln.Sport-Reporter stellt sich seiner Höhenangst – und erlebt den Adrenalinkick seines Lebens
Stoppi

Der große Moment: Köln.Sportler Olli Stopperich beim Sprung in die Tiefe (Foto: Ben Horn)

Es ist das große Finale einer actionreichen Serie: Angefangen beim American Football über Karate und Boxen bis hin zum Turmspringen – in „Köln.Sport in Gefahr“ haben sich unsere Redakteure schon in so manches Abenteuer gestürzt. Für den finalen Showdown stelle ich mich einer meiner größten Ängste: der Höhe! Ich stehe also in einer kleinen, wackligen Gondel in nicht weniger als 100 Metern über dem Erdboden – und das ausgerechnet über den Dächern von Düsseldorf! Geht’s noch schlimmer? Wohl kaum. In meinem Kopf starte ich eine kleine Zeitreise durch die vergangenen „Köln.Sport in Gefahr“-Termine. Wie gerne würde ich jetzt mit dem Ex-Boxprofi Rüdiger May im Ring stehen und mir ein paar Fäuste um die Ohren hauen lassen, einen Bauchplatscher vom 3-Meter-Turm machen oder mir beim Parkour den Fuß verstauchen. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr, der Sprung in die Tiefe ist unumgänglich…

Doch beginnen wie von vorne. Wir sitzen in der Themenkonferenz und suchen nach einem würdigen Abschluss der nun mehr als einjährigen Serie. Wakeboarden? Langweilig! Skateboarden? Langweilig! Es herrscht Ideenarmut. Doch dann rutscht mir ohne wirklich drüber nachzudenken das Wort „Bungeespringen“ über meine Lippen! Meine Kollegen sind begeistert. Aber ob das so einfach umzusetzen ist? Ich beginne meine Recherche nach einer geeigneten Location und stoße im Internet schnell auf „Bungee-Action Düsseldorf“. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Geschäftsführer Tim Schnitzler, ist klar: Ich werde springen. Eine Mischung aus großer Vorfreude und purer Angst macht sich in mir breit, aber noch habe ich genug Zeit, um mich seelisch auf den Sprung vorzubereiten.

Warten auf den großen Tag

Wer sich an dieser Stelle fragt, warum ich mir das überhaupt antue, dem kann ich sagen: Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht! Vielleicht ist es das Verlangen nach einem neuen Nervenkitzel. Ich könnte natürlich auch behaupten, es ist Teil meines Jobs. Um coole Stories zu liefern, muss man eben auch mal Dinge machen, die nicht nur tierisch Spaß machen. Ein Bungeesprung stand schon immer auf der Liste der Dinge, die ich irgendwann Mal machen wollte, aber bislang hat mir der entscheidende Anstoß gefehlt. Da alle meine Kollegen und Freunde darüber Bescheid wissen, kann ich mir keinen Rückzieher erlauben. Dass sich meine Anspannung aber von Tag zu Tag so steigert, dass ich selbst vor dem Einschlafen an nichts anderes denken kann, hab ich so nicht kommen sehen.

Wenig hilfreich sind dann auch noch Freunde, die dir unzählige Videos von missglückten Bungeesprüngen schicken. Ob ich das lustig finde? Geht so!

Am Abend vor dem Sprung habe ich große Probleme einzuschlafen. In meinem Kopf spielen sich unzählige Szenarien ab, zum Beispiel wie das Seil beim Sprung reißt. Oder dass ich doch noch einen Rückzieher mache. Aber das wird nicht passieren, die Blöße gebe ich mir nicht!

Die Ruhe vor dem Sturm

Als ich am nächsten Morgen aufwache und realisiere, dass es bald losgeht, geht mein Puls schlagartig in die Höhe. Mehr als einen Kaffee bekomme ich zum Frühstück nicht runter, die Autofahrt zur Location verbringe ich größtenteils mit Schweigen. „So still hab ich dich ja noch nie erlebt. Scheinst ja ganz schön angespannt zu sein“, lacht meine Freundin, die mir netterweise Gesellschaft leistet und mich begleitet. Ich versuche den „Ausflug“ wieder durch eine rosarote Brille zu betrachten: „Danach wirst du verdammt stolz auf dich sein, das haben schon ganz andere geschafft“, sage ich mir immer wieder leise im Kopf – in Wirklichkeit geht mir aber richtig die Düse!

Vor Ort werden wir von der Crew herzlich empfangen, ein paar „lustige“ Sprüche können sie sich aber nicht verkneifen: „Bei uns gibt es auch 15 Prozent bei Bestattungsunternehmen“, bekomme ich zuhören. Ich versuche stets zu lächeln und mir von meiner Anspannung nichts anmerken zulassen, was mir nach meinem Empfinden auch ganz gut gelingt.

Beim Ausfüllen des Anmeldebogens stelle ich aber fest, dass dies nicht ganz der Fall ist. Mit zitternder Hand versuche ich mühevoll den Bogen in halbwegs leserlicher Schrift auszufüllen. Nachdem auch das geschafft ist, bekomme ich eine Sicherheitseinweisung und mir wird der Gurt angelegt. Die Worte meines „Guides“ prallen allerdings an meinem Kopf ab, wirklich aufnahmefähig bin ich nicht. Aber was soll ich auch großartig falsch machen? Mehr als mich fallen lassen muss ich hoffentlich nicht machen. Beobachtet und verfolgt von der Kamera zwinge ich mich immer wieder zu einem smarten Lächeln – wirklich authentisch ist es aber nicht. Egal, auf geht’s!

Jetzt wirds ernst!

Damit wir das große Finale der Serie auch ordentlich bebildern können, hat unser Fotograf nicht nur eine riesige Kamera, sondern auch eine Drohne dabei – schließlich muss auch der Moment kurz vor dem Absprung festgehalten werden. Zudem halte ich angespannt einen Selfiestick in der Hand, natürlich mit einer Schlaufe um mein Handgelenk gesichert. Zusammen mit zwei Guides und meiner Freundin steige ich in die Gondel und fahre langsam nach oben, ein Blick auf meine Uhr verrät mir: mein Puls liegt bei 123! Nicht nur die Höhe, sondern auch das mittelschwere Schaukeln der kleinen Kabine macht das Ganze unangenehm. Oben angekommen beginnt die schlimmste Phase des Sprungs, denn wir müssen warten, bis Ben die Drohne nach oben fliegt – und anschließend wieder landet. Ich schaue mich um und versuche die Aussicht zu genießen. Mein Blick wandert aber immer wieder über die Kante des Geländers nach unten. „Guck nicht runter, das macht es nur noch schlimmer“, wird mir geraten.

Die mittlerweile zahlreichen Zuschauer und anderen Springer sehen von oben wie Ameisen aus – und die Drohne lässt lange auf sich warten. „Scheiße ist das hoch“, flüstert meine Freundin – Danke dafür! Dass unser Fotograph Ben nicht der beste Steuermann einer Drohne sei, hatte er vorher bereits angekündigt. Nach gefühlten zehn Minuten Warten in schwindelerregender Höhe versuche ich ein letztes Mal freundlich und motiviert zu grinsen.

Nach einer weiteren, mir unendlich lange vorkommenden Minute ist es soweit: „Ich zähle von drei runter, dann lässt du dich einfach nach vorne fallen, ok?“ Letzter Blick auf die Uhr: Puls von 142! „Alles klar,“ stammel ich vor mich her. „Drei, zwei, eins, Buuungeeeeeee!“ Ich zögere noch eine Sekunde, ehe ich mich mit maximal zitternden Beinen nach vorne fallen lasse. Es dauert eine weitere Sekunde, bis der Adrenalinkick eintritt. Ein lautes „Woohoo“ platzt aus mir heraus. Ich brülle Sätze durch die Gegend, die mir normalerweise nicht über die Lippen gehen, zum Beispiel: „Oh my goodness!“ Der „Bounce“, also der Moment, wo ich nach dem tiefen Fall wieder nach oben geschleudert werde, ist erstaunlich soft – der Spaßfaktor riesig! Von meiner Umgebung bekomme ich nichts mit, mein Körper ist einfach nur voll von Endorphinen! Nach knapp einer Minute ist es geschafft und ich habe wieder festen Boden unter den Füßen. Ich lege mich auf eine Matte und muss erst mal tief durchatmen, mein Herz rast immer noch wie verrückt!

Im Nachhinein bin ich verdammt stolz, dass ich den Kampf gegen meine Höhenangst gewonnen und damit auch für einen würdigen Abschluss der „Köln.Sport in Gefahr“-Serie gesorgt habe.

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