Köln.Sport

Koziellos Kraftakt 2. Liga

Vincent Koziello ist einer der technisch stärksten Fußballer des 1. FC Köln. Doch kommt ihm die 2. Bundesliga entgegen? Köln.Sport stellt die Frage: Ist die zweite Liga Fluch oder Segen für Vincent Koziello?
Koziello

Beim 2:1-Sieg gegen RB Leipzig in der vergangenen Saison erzielte Vincent Koziello sein erstes Tor für den FC (Foto: Getty Images)

Wir schreiben den 25. Februar 2018, Red-Bull-Arena, Leipzig. Es läuft die 70. Minute, als Marcel Risse von rechts in den Strafraum flankt und Leipzigs Torhüter Gulacsi den Ball vor die Füße von Vincent Koziello faustet. Mit seinem rechten Fuß legt er sich die Kugel perfekt in den Lauf, mit dem linken zieht er von der Strafraumgrenze ab – und trifft ins lange Eck. Sein erstes Tor für die Kölner, die das Spiel bei Vizemeister Leipzig dann sogar noch mit 2:1 gewinnen. Der kleine Franzose mit der Rückennummer 41 hat für einen „Wow“-Moment gesorgt, wie es ihn in der vergangenen Spielzeit viel zu selten zu bestaunen gab.

Einen Monat später, 31. März 2018, Rhein-Neckar-Arena, Sinsheim. Es läuft die 61. Minute, als Vincent Koziello am eigenen Strafraum den Ball bekommt und ihn aus der Gefahrenzone dreschen will. Er trifft das Bein von Hoffenheims Rupp, der sich die Kugel erkämpft, Koziello nach gewonnenem Zweikampf links liegen lässt und sich anschließend mit den Teamkollegen durch eine Kölner Abwehr kombiniert, die den Namen an dem Tag nicht verdient hat. Das 4:0 für die TSG, bis Spielende ist das halbe Dutzend voll. Wie das gesamte Kölner Team zahlt der kleine Franzose mit der Rückennummer 41 ordentlich Lehrgeld.

Ball-, Pass- und Spielsicher

Zwei exemplarische Szenen, die zeigen: Obwohl er erst seit etwas mehr als einem halben Jahr in Köln ist, hat Vincent Koziello schon einiges mitgemacht. Im Winter von Sportchef Armin Veh geholt, versprach man sich von dem 22-Jährigen vor allem eine deutliche Verbesserung der spielerischen Qualität im Mittelfeld, wenn auch klar war, dass sich mit der Ankunft des Franzosen nicht gleich alle, teils über Jahre angehäuften Probleme der Kölner in Luft auflösen würden. Doch bei seinen Einsätzen zeigte sich, dass Koziello dem FC-Spiel mit seiner enormen Ball-, Pass- und Spielsicherheit tatsächlich Elemente hinzufügen konnte, die man in „Rut-Wieß“ seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Umso erfreulicher also auch die mit der Bestätigung des Transfers verkündete Nachricht, der neue Spielmacher in spe werde im Fall der Fälle mit ins Unterhaus gehen, um den „Betriebsunfall“ Abstieg wieder zu reparieren. Nun ist dieser Fall eingetreten – und wirft im Hinblick auf Koziello interessante Fragen auf. Denn spielerisch kann ihm in Liga zwei wohl kaum jemand das Wasser reichen – insofern er denn dazu kommt, seine technische Klasse auch wirklich zu zeigen.

Denn in der Zweiten Bundesliga geht es bekanntlich recht rustikal zu. Fußball-Ästheten und Kreative wie der 1,68 Meter große und nur 58 Kilogramm schwere Franzose tun sich dort traditionell erst einmal schwer. Es wird mehr mit langen Bällen agiert, es gibt mehr Nickligkeiten und Unterbrechungen, Zweikämpfe werden spürbar härter geführt als im Oberhaus. Fußball wird mehr gekämpft als gespielt. Eine Situation, auf die sich der mit der feinen Klinge agierende Koziello erst einstellen muss.

Stärken in der Offensive

Solche Bedenken begleiten den 22-Jährigen jedoch schon über seine gesamte Karriere hinweg. „Ich war immer der kleine Kerl mit weniger Muskeln. Aber ich habe meine Techniken entwickelt und profitiere von einem niedrigen Körperschwerpunkt. Ich habe auch von Lucien Favre gelernt, wie man seinen Körper am besten einsetzt“, sagte er selbst kurz nach seinem Wechsel in die Domstadt. Er scheint die Frage, wie er sich trotz seines eher jugendlich wirkenden Körpers im Profigeschäft etabliert habe, schon öfter gehört zu haben. Und verrät seine Taktik gleich hinterher: „Ich versuche einfach, auf den Beinen zu bleiben.“

Vor allem Letzteres ist jedoch leichter gesagt, als getan. Hochgerechnet auf 34 Spiele wurde Koziello in der vergangenen Saison fast 40 Mal gefoult, ähnliche Werte können die Stürmer Davie Selke, Filip Kostic oder Ante Rebic aufweisen. In der 2. Liga dürfte es noch drastischer werden und es wird niemanden wundern, wenn der Franzose einige Partien braucht, um sich auf die körperliche Spielweise und die ruppigere Gangart einzustellen. Es gibt also trotz aller spielerischen Qualität, die Koziello besitzt, noch einiges zu lernen für den „Zauberzwerg“.

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Der kleine Spielmacher (Hier im Test gegen Wuppertal) will auch in der 2. Liga für Furore sorgen (Foto: imago/Herbert Bucco)

Ist er allerdings erst mit der neuen Situation akklimatisiert, kann er zum Schlüsselspieler für die Aufstiegsambitionen der Geißböcke reifen – und wird vom System seines neuen Trainers profitieren. Denn: Obwohl Koziello bisweilen mit guter Zweikampfführung überrascht: Ein richtiger „Sechser“ wird er nicht mehr, etwas weiter offensiv kann er seine Stärken besser ausspielen. Holstein Kiel agierte unter Markus Anfang aus einem 4-1-4-1 heraus, sollte der neue Trainer dieses System auch beim FC planen, wäre der Franzose auf einer der beiden Halbpositionen bestens aufgehoben. Besonders, weil die Kölner vor allem tiefstehende Gegner erwarten und Koziello einer der wenigen Spieler mit Potenzial für den tödlichen Pass ist. Im Gegensatz zur Bundesligasaison dürfte er deutlich offensiver auflaufen.

Es ist mit Spannung zu erwarten, wie und ob sich der kleine Franzose im Unterhaus behaupten kann, ob die Zweite Liga für ihn eher zum Fluch wird oder ob er dort so viel dazulernt, dass sie auch Segen für ihn sein kann. Nur weil ein Spieler fußballerisch die Qualität für die Bundesliga hat, heißt das noch lange nicht, dass er sich auch eine Klasse tiefer sicher durchsetzt. Das Zeug dazu hat der kleine Franzose, der statt der Rückennummer 41 nun die 21 trägt, aber in jedem Fall.

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