Köln.Sport

Kölsches Schwergewicht

Vor zwei Jahren war Nelvie Tiafack Kölns „Nachwuchssportler des Jahres“. Mittlerweile ist aus dem aufstrebenden Youngster ein echter Topboxer geworden – mit großen Ambitionen für die Zukunft!
Tiafack

Im Ring kennt Nelvie Tiafack mit seinen Gegnern meistens keine Gnade. (Foto: imago/VIADATA)

Als Köln.Sport Nelvie Tiafack telefonisch erreicht, sitzt der Box-Hoffnungsträger gerade im Zug. Doch dabei handelt es sich für den talentierten Faustkämpfer des traditionsreichen Boxclubs SC Colonia 06 nicht um eine Reise in den Winterurlaub. Denn das neue Jahr beginnt für den Superschwergewichtler direkt mit einer ganz neuen Erfahrung. „Ich werde Sportsoldat bei der Bundeswehr“, berichtet Tiafack, während er sich gerade auf dem Weg zur vierwöchigen Grundausbildung in Hannover befindet.

Dieser Schritt soll den 20-Jährigen dabei unterstützen, sich zu 100 Prozent auf seine mittlerweile äußerst erfolgreiche Boxkarriere konzentrieren zu können. „Das wird eine große Hilfe für mich sein“, erklärt Tiafack, der im abgelaufenen Jahr die Schule beendet hat. „Normalerweise wäre es schwer, die Ausbildung und meine Boxlaufbahn zu verbinden, aber durch die Bundeswehr habe ich die Chance, Geld zu verdienen und trotzdem keine Nachteile in meinem Sport zu haben.“

In der Elite Angekommen

Nach der Grundausbildung wird der Athlet nach Köln zurückkehren und wieder in seinen normalen Trainings-alltag einsteigen. „Für Kurse und Seminare muss ich dann zwischendurch immer mal wieder zur Bundeswehr“, sagt der Boxer, der vor knapp zwei Jahren bei der Kölschen Sportnacht als Kölns „Nachwuchssportler des Jahres 2016“ geehrt wurde.

Dass er diese Auszeichnung verdiente, hat der in Buea (Kamerun) geborene und heute in Bergheim wohnhafte Ausnahmesportler zuletzt eindrucksvoll bewiesen. Denn mit gerade mal 19 Jahren gewann das Kraftpaket Anfang Dezember in Mühlhausen (Thüringen) die Deutsche Meisterschaft in der Elite-Klasse, eine weitere Goldmedaille in der schon eindrucksvollen Sammlung des Kölners. Bereits als U18- und U19-Athlet hatte er drei nationale Meistertitel und Bronze bei der Jugend-WM 2016 gewonnen. Eine beeindruckende Leistung für einen Boxer, der erst mit Ende 15 zum ersten Mal Boxhandschuhe übergestreift hat.

„Ich habe ein anstrengendes, aber auch sehr erfolgreiches Jahr hinter mir“, fasst der bullige Faustkämpfer seine letzten zwölf Monate zusammen. „Gerade der Titel des Deutschen Meisters war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Es war mein Ziel, und das habe ich erreicht.“ Ein Erfolg, der ihm den Weg zu den großen internationalen Turnieren ebnen soll.

Echter Leistungsträger

„Ich bin im Superschwergewicht Erster bei den DBV-Herren und denke, dass ich auch als erster Mann bei den großen Wettkämpfen eingesetzt werde“, sagt er selbstbewusst. Lange warten muss der 20-Jährige darauf nicht mehr. Denn bereits Ende Juni steigt mit den Amateur-Europameisterschaften in Minsk (Weißrussland) das erste große Highlight des Jahres. Nur noch getoppt von den Weltmeisterschaften im russischen Sotschi im September.

Bis dahin will Tiafack aber noch einen anderen Titel gewinnen – den des Deutschen Mannschaftsmeisters. Denn der 117-Kilo-Koloss steigt nun seit geraumer Zeit auch in der Box-Bundesliga in den Ring. In der vergangenen Saison verpflichtete ihn der damalige Champion Nordhäuser SV aus Thüringen. In der aktuellen Saison 2018/19 boxt Tiafack für den Traditionsverein BC Traktor Schwerin und zählt dort zu den absoluten Leistungsträgern.

Die Teams warben bei seinem Kölner Coach Lukas Wilaschek um die Dienste des Youngsters, dem die Bundesligakämpfe auch als wichtige Erfahrung auf hohem Niveau dienen, mit dem Vorteil, zu Hause wohnen bleiben zu können. Denn auch während der Saison trainiert und lebt Tiafack in Köln beziehungsweise Bergheim. Für die Liga-Fights reist er regelmäßig aus der Heimat an.

Angesprochen auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio gibt der Ring-Athlet sich noch zurückhaltend. „Olympia ist auf jeden Fall mein großes Ziel. Aber ob es schon 2020 so weit sein wird, ist schwer zu sagen“, erklärt er. „Ich habe die Spiele in Tokio auf jeden Fall im Blick, aber man muss erst mal abwarten wie die großen Turniere in diesem Jahr ablaufen.“

Sein wahres Ziel ist und bleibt jedoch eine Laufbahn als Profi, im Ring will er legendären Schwergewichts-Ikonen wie Muhammad Ali, Mike Tyson oder Lennox Lewis nacheifern. „Dafür mache ich das alles“, bestätigt Tiafack. Und wenn sein kometenhafter Aufstieg so weitergeht, wird der 117-Kilo-Koloss mit seinem druckvollen Stil nur schwer zu stoppen sein.

Autor des Textes: Benjamin Stroka

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