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Kölsche WM-Helden: Thomas Häßler

Sie nannten ihn nur „Icke“: Thomas Häßler ist einer der erfolgreichsten Kölschen WM-Helden überhaupt. 1990 wurde er Welt-, 1996 Europameister.
Icke

Sein größter Moment: 1990 wurde „Icke“ Häßler in Rom mit Deutschland Weltmeister. (Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Es gibt wohl heute noch ein paar Menschen, die den richtigen Vornamen von Thomas Häßler gar nicht kennen. Denn in der Fußballwelt ist der 1,66 Meter große Berliner nur als „Icke“ bekannt – dank seinem ehemaligen Mitspieler Pierre Littbarski. „Den Spitznamen hat Litti mir gegeben, als ich 1984 nach Köln gekommen bin. Weil ich früher so viel geickt habe“, verrät Häßler selbst. „Ich höre nur noch auf Icke. Thomas kenne ich ja schon gar nicht mehr“.

Und so klein Häßler auf dem Platz aufgrund seiner Statur doch wirkte – mit dem Ball am Fuß war er ein ganz Großer. Von 1988 bis 2000 lief er insgesamt 101 mal für die Deutsche Fußballnationalmannschaft auf, und kann auf eine beachtliche Trophäensammlung zurückblicken: 1990 wurde er in Rom Weltmeister, 1996 gewann er mit dem Nationalteam die Europameisterschaft. Zudem wurde er wegen seiner Leistungen bei der EM 1992 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.

1989 der Held, 1994 die tragische Figur

Unvergessen ist bis heute sein Tor im Müngersdorfer Stadion am 15. November 1989. In der Qualifikation zur WM 1990 erzielte er das 2:1 gegen Wales und schoss die Nationalmannschaft so zur Turnier-Qualifikation – man könnte also sagen, ohne Häßler hätte es den dritten Weltmeistertitel des DFB vielleicht nie gegeben. „Icke“ gehörte in Italien zum Stammpersonal, auch im Finale in Rom kam er über die volle Spielzeit zum Einsatz.

Vier Jahre später lief es für den filigranen Spielmacher nicht so rund. Für Aufsehen sorgte dort vor Allem eine Szene im Viertelfinale, als Häßler gegen den bulgarischen Offensivspieler Yordan Letchkov ein entscheidendes Flugkopfballduell verlor, was zum 2:1-Siegtreffer für Bulgarien führte. Das Turnieraus der Deutschen. Das Foto dieser Szene hat heute, nicht zuletzt aufgrund des deutlichen Größenunterschiedes der beiden Spieler, Kultstatus erreicht.

Damals Turin, heute Dschungelcamp

Er ist zudem einer der wenigen Spieler, die über 100 Spiele für die Deutsche Nationalmannschaft absolviert haben. Doch auch bei seinem langjährigen Verein, dem 1. FC Köln, sorgte er für Furore. Gemeinsam mit Pierre Littbarski bildete er ein kongeniales Mittelfeld-Duo, an dem Franz Beckenbauer auch beim WM-Titel 1990 nicht vorbeikam. Nach dem Titelgewinn dort wechselte er nach Italien zu Juventus Turin. Für 15 Millionen Mark – nach denen man am Geißbockheim wohl heute noch sucht. Anschließend ging es nach Rom, später spielte er noch für den Karlsruher SC, Borussia Dortmund und den TSV 1860 München.

Sein Karriere beendete er 2005 – und wurde mit einem Abschiedsspiel im Müngersdorfer Stadion geehrt. Heute trainiert er in seiner Heimat den „Club Italia 80 Berlin“, der aktuell in der achten Liga spielt. Auch Fernsehzuschauern von Formaten wie „Let’s Dance“ und dem Dschungelcamp ist er inzwischen bestens bekannt. Das ehemalige Mittelfeld-Genie ist also noch immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. „Mein ganzes Leben ist eine Herausforderung. Das fängt mit meiner Größe an. Ich war zu klein, zu schmächtig, ich habe zu dünne Beine, dies und das. Aber trotzdem wollte ich Fußball spielen!“ Und schaut man sich seine beeindruckende Vita an, kann man nur feststellen, dass ihm das ganz schön gut gelungen ist.

Lesen sie hier Teil 1 (Bodo Illgner) und 2 (Bernd Cullmann)3 (Karl-Heinz Schnellinger)4 (Wolfgang Weber)5 (Wolfgang Overath)6 (Pierre Littbarski)7 (Heinz Flohe)8 (Hans Schäfer), 9 (Lukas Podolski) unserer Reihe zu den Kölschen WM-Helden.

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