Kevin Vogt: Der Balancegeber

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"Es ist mein Anspruch, dass ich mich noch öfter mit einschalte, wenn unsere Ausrichtung das erlaubt", sagt Kevin Vogt über seine Offensivqualitäten Foto: imago/ActionPictures

„Es ist mein Anspruch, dass ich mich noch öfter mit einschalte, wenn unsere Ausrichtung das erlaubt“, sagt Kevin Vogt über seine Offensivqualitäten
Foto: imago/ActionPictures

In seinem zweiten Jahr beim 1. FC Köln entwickelt sich Kevin Vogt zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Dabei kommt dem 23-Jährigen die offensivere Ausrichtung des FC zu Gute. 

Kevin Vogt lauert auf den richtigen Moment. Ganz genau beobachtet der Kölner Mittelfeldspieler das Geschehen vor ihm. Als Hamburgs Innenverteidiger Emir Spahic den Ball zu Mitspieler Albin Ekdal passt, gibt Vogt seinen Mitspielern ein Kommando und läuft den ballführenden Spieler im Tempo an. Mittelfeldspieler Ekdal hatte sich zwischen die HSV-Innenverteidiger Spahic und Cleber geschoben, um das Spiel von hinten heraus zu eröffnen.

Auf Vogts Zeichen hin schieben die FC-Stürmer Anthony Modeste und Simon Zoller nach außen und schließen so zwei mögliche Passwege. Da auch die anderen Kölner Spieler mit aufrücken, hat Ekdal ohne Risiko nur noch die Möglichkeit, den Ball zurück zum eigenen Keeper oder lang nach vorne zu spielen. Von Vogt bedrängt, schlägt Ekdal das Spielgerät weit in die gegnerische Hälfte, wo FC-Verteidiger Dominique Heintz zur Stelle ist. Ballbesitz FC.

 

Diese Geschichte ist der aktuellen Köln.Sport-Ausgabe 10/2015 entnommen. Die komplette Ausgabe lesen Sie hier kostenlos: http://mailing.koelnsport.info/f/52534-113473/
Diese Geschichte erschien zuerst in der aktuellen Köln.Sport-Ausgabe 10/2015. Die komplette Ausgabe lesen Sie hier kostenlos

Offensive Weiterentwicklung
„Wir versuchen schon, unsere Antworten auf die Aufgaben, vor die uns die Gegner stellen, zu haben. Aus dem Zentrum sehen ich die Situationen und gebe dann das Kommando. Für unsere Stürmer ist es schwer, anzulaufen, wenn sich ein gegnerischer Mittelfeldspieler fallen lässt. Da muss dann einer aus dem Mittelfeld rauspressen. Das bin oftmals ich, so ist es einstudiert“, erklärt Kevin Vogt. Dem 23-Jährigen, der in seiner zweiten Saison das FC-Trikot trägt, scheint die neue, offensivere Ausrichtung des 1. FC Köln augenscheinlich zu gefallen. Statt – wie in der Vorsaison – alles auf die Sicherung des eigenen Tores auszurichten, agieren die Kölner seit Sommer variabler und können den Gegner situativ auch gezielt unter Druck setzen.

Dies geht mitunter zwar zu Lasten der defensiven Ordnung, ermöglicht auf der anderen Seite aber auch frühe Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte. „Das gibt uns die Chance, die Jungs in der Spitze noch besser in Szene zu setzen. In dieser Hinsicht haben wir uns mit Sicherheit weiterentwickelt“, sagt Vogt und ergänzt: „Es ist mein Anspruch, dass ich mich noch öfter mit einschalte, wenn unsere Ausrichtung das erlaubt.“ Schon in Augsburg, seiner ersten Station im Bundesliga-Oberhaus, fiel der Modell-Athlet nicht nur durch eine konsequente Zweikampfführung auf, sondern offenbarte auch mit Ball mehr als ordentliche Fähigkeiten in Sachen Übersicht und Passspiel. Qualitäten, die der gebürtige Westfale in seiner zweiten Saison beim FC mehr denn je einbringen kann. Dabei schien zu Saisonbeginn sogar ein kurzfristiger Abschied Vogts möglich.

 

Schwerer Stand zum Start
Angeblich hatten die Tottenham Hotspur ihre Fühler auch nach dem robusten Mittelfeldmann ausgestreckt. Jener finanzstarke Londoner Premier-League-Klub, der sich für ein nettes Sümmchen zuvor bereits die Dienste von FC-Innenverteidiger Kevin Wimmer gesichert hatte. Wimmer und Vogt pflegten in Köln ein sehr gutes Verhältnis, wohnten Tür an Tür. So schien auch ein gemeinsamer Wechsel beider Kevins nicht ausgeschlossen. „Ich kam super mit ‚Hacki‘ aus und stehe noch immer in regelmäßigem Kontakt mit ihm“, sagt Vogt, der sich zu Angeboten oder einem möglichen Wechsel weiterhin nicht äußert.

Aktuell spielt dieses Thema ohnehin eine untergeordnete Rolle. Nicht nur, weil Transfers erst wieder im Januar getätigt werden können, sondern auch weil sich die Nummer sechs im Team von Trainer Peter Stöger festgespielt hat. Wie im Vorjahr sah dies zu Saisonbeginn noch anders aus. Im Pokalspiel beim SV Meppen gehörte Vogt nicht zur Startelf und konnte sich nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit auch nicht nachhaltig empfehlen. „Er hat noch Luft nach oben“, urteilte FC-Coach Stöger und ließ den Mittelfeldmann auch beim Bundesligastart in Stuttgart zunächst auf der Bank.

Dank eines lange Zeit drückend überlegenen VfB kam Vogt im zweiten Durchgang zu seinem Einsatz und erledigte seinen Job glänzend. „Mit Vogt kam Stabilität“ – so lautete das Fazit nach dem Kölner Auswärtserfolg, zu dem Einwechselspieler Vogt einen entscheidenden Beitrag leistete. Nicht nur, dass er in der Defensive Lücken stopfte, Bälle abfing und wichtige Zweikämpfe gewann. Er bewies auch seine offensiven Qualitäten und leitete mit einem schönen Pass auf Kollege Zoller das vorentscheidende 2:0 für den FC ein. So erwies sich Stuttgart erneut als gutes Pflaster für den Blondschopf.

 

Das ist ein Box-to-Box-Player: Da Box das englische Wort für Strafraum ist, zeichnet sich ein sogenannter Box-to-Box-Player dadurch aus, dass er überall zwischen beiden Strafräumen zu finden ist. Er stoppt gegnerische Angriffe vor dem eigenen Strafraum und sucht mit Ball den Weg nach vorne, initiiert Angriffe oder schließt selber ab. Kevin Vogts Heatmap aus dem Spiel gegen den HSV (oben) zeigt aber auch, dass er oft im eigenen Strafraum aushilft Foto: imago/Eibner

Das ist ein Box-to-Box-Player: Da Box das englische Wort für Strafraum ist, zeichnet sich ein sogenannter Box-to-Box-Player dadurch aus, dass er überall zwischen beiden Strafräumen zu finden ist. Er stoppt gegnerische Angriffe vor dem eigenen Strafraum und sucht mit Ball den Weg nach vorne, initiiert Angriffe oder schließt selber ab. Kevin Vogt verkörpert diesen Spielertyp im bisherigen Saisonverlauf optimal, ist nach acht Spielen effizientester „Sechser“ der Liga, hilft gleichzeitig aber auch oft im eigenen Strafraum aus
Foto: imago/Eibner

 

In der Vorsaison hatte Vogt an gleicher Stelle am zweiten Spieltag erstmals von Beginn an für die Geißböcke gespielt und seinen Stammplatz danach nicht mehr hergegeben. Den Eindruck, dass er auch in diesem Jahr wieder etwas mehr Anlaufzeit benötigte, teilt der 23-Jährige jedoch nicht: „Letztes Jahr hatte ich Anlaufschwierigkeiten, das kann man sagen. Ich musste mich umstellen, neue Mechanismen und Automatismen und eine neue Stadt kennenlernen. Da kommt dann einiges zusammen, das dafür gesorgt hat, dass ich ein bisschen länger gebraucht habe, um mich einzuleben“, sagt Vogt. Dieses Jahr habe er dagegen eine ordentliche Vorbereitung gespielt. „Wenn der Trainer aber das Gefühl hat, dass eine andere Formation besser ist, habe ich das zu akzeptieren und muss meine Leistung bringen, wenn ich dran bin.“

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