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Neu, aber langweilig

Vor wenigen Wochen wurde im Kölner Süden die neue Bezirkssportanlage "Sürther Feld" feierlich durch Oberbürgermeister Roters eröffnet. Beim Sürther Feld handelt es sich um zwei Kunstrasenplätze, die den zahlreichen Mannschaften verschiedener Vereine, insbesondere denen des FC Rheinsüd, zur Verfügung stehen. Auch die 1. Seniorenmannschaft des SC Rondorf hat mittlerweile ihren hemischen Aschenplatz, der häufig genug bei Regen (zu) schnell unter Wasser stand, an der Pastoratsstraße verlassen, um seine Heimspiele in der Bezirksliga hier auszutragen. Grundsätzlich also eine sinnvolle städtische Investition. Gleichwohl macht die Anlage einen sehr lieblosen und langweiligen Eindruck. Zwischen den beiden Plätzen zwei Betonstufen in beide Richtungen, dazu seitwärts eine Art Unterstellmöglichkeit, die den Charme eines Carports hat, für den Aufbau eines Verpflegungsstandes inkl. Toiletten. Das wars. Keine Überdachung für Zuschauer und Kabinen für Spieler und Schiedsrichter weit nebenan außerhalb der Anlage. Warum hat sich die Stadt nicht mehr Mühe bei der Gestaltung gegeben? So jedenfalls wirkt das Sürther Feld wie hingeworfen und nicht zu Ende gebaut. Schade drum.

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Kreisliga statt "Champions"-League

Eigentlich sollte es heute nur mal eben zu einer kurzen Stippvisite der umgebauten Sportanlage von Deutz 05 an der Dr. Simons-Straße gehen. Mal schauen, ob die Stadt Köln wenigstens diesmal unsere aller Steuergelder gut angelegt hat. Und fürwahr, das hat sie: Neben einem herrlichen neuen Sportplatz, der seit wenigen Wochen aus Kunstrasen besteht, gibt es noch zwei kleinere Kunstrasen-Trainingspätze respektive Sportplätze für Jugendspiele. Der neu betonierte Stehplatzbereich auf einer Längsgeraden scheint zwar noch nicht vollendet zu sein, aber das wird bestimmt wohl noch. Ein wirklich gelungener Umbau! Dagegen hat das Vereinsheim trotz Umbau seinen Charme nicht verloren, und das Kölsch für 1,20 € wird einem weiterhin freundschaftlich-kameradschaftlich serviert.

Das heutige Spiel der 3. Mannschaft gegen den RSV Rath-Heumar schien zunächst nur nebenbei zu laufen. Doch schnell wurde es dann doch höchst interessant: Nach 25 Minuten führte Deutz´ Dritte bereits 4:0 - ohne große Gegenwehr aus Rath-Heumar. Nachdem in der 50. Minute noch das 5:0 fiel, war eigentlich der Käse gegessen. Doch als der RSV kurz darauf sein vermeintliches Ehrentor erzielte, schien durch die Mannschaft der "Schweden-Geist" zu gehen. Wie vor kurzem die blau-gelben Skandinavier beim Länderspiel gegen Jogis Jungs in Berlin glaubte der RSV plötzlich an seine Chance. Und was keiner für möglich hielt: Binnen weiterer 8 Minuten verkürzte der RSV auf 5:4! Sollte sich Geschichte wiederholen - just hier auf dem Sportplatz zwischen Deutzer FRiedhof und Aurora-Werke? Leider nein, denn während die Zuschauer auf das Unfaßbare, den 5:5-Ausgleich, warteten, legte Deutz wieder einen Gang zu und stellte den alten 4-Tore-Abstand der 1. Halbzeit wieder her. Mit dem Schlusspfiff dann noch ein weiterer Ehrentreffer für den RSV - Endstand: Ein unglaubliches 8:5!

Wer braucht schon die zeitgleich spielende "Champions" (?)-League (Frage am Rande: In welchem Wettbewerb wurde Bayern letzte Saison eigentlich Champion??), wenn man solche abwechslungsreichen und höchst spannende Spiele in der Kreisliga verfolgen kann? Ich jedenfalls nicht.

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Drittligareif? Noch lange nicht.

Es war angerichtet. Der Tabellenführer der Regionalliga West spielte beim Viertplazierten. Eigentlich eine gute Ausgangslage für ein spannendes Viertligaspiel auf gehobenem Niveau. Zudem noch das Duell einer Traditionsmannschaft, die in den 70er Jahren noch in der 1. Bundesliga zuhause war, gegen die mit Zweit- und Drittligaspielern gespickte Mannschaft des FC Junkersdorf, die bekanntlich seit etwas mehr als einem Jahr als FC Viktoria Köln aufläuft.

Doch die Erwartungen wurden leider schnell enttäuscht. Viktoria reichte eine einzige Torchance, um in der ersten Halbzeit in Führung zu gehen und die Fanschar von annähernd 40 Fans, die die weite Anreise von 37 km nicht gescheut hatten, in der Gästekurve glücklich zu stimmen. Wuppertal bekam trotz spielerischer Überlegenheit aber auch kaum etwas zusammen und kam nur dank eines Torwartfehlers zum Ausgleich. Doch Geschenke waren noch nicht genug verteilt: Selbst ein Eigentor in der 89. Minute des WSV reichte nicht zum Sieg des Aufstiegsfavoriten aus Köln, da in der Nachspielzeit noch der Ausgleich hingenommen werden mußte. Insgesamt ein sehr schwaches Spiel zweier Mannschaften, die gerne in Liga 3 möchten, dort aber aktuell (noch) nicht hingehören.

Es sieht zunächst also nicht danach aus, als würde der Traum der wenigen getreuen rechtsrheinischen Fans vom Durchmarsch wahr werden. Erst einmal müssen die Junkersdorfer, ach nee, die Höhenberger, ihre Hausaufgaben in der Regionalliga erledigen. Spannend wäre es jedenfalls, wenn am Saisonende Aufstiegsspiele gegen die Söldner-Truppe aus Leipzig anstehen würden. Dann würde sich zeigen, wessen Viertliga-Millionen besser angelegt waren. Ob Red Bull dann Flügel zum Aufstieg verleiht, würden Mäzen Wernze und sein Team dann erfahren. Und vielleicht reisen dann auch mehr Fans mit.

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Aufgehender Stern an der Autobahn

Mittwochabend, Ende August, sommerliche Temperaturen. Ein idealer Zeitpunkt, um mal wieder ein Spiel des Kreispokals zu besuchen - dieses wunderbaren Wettbewerbs, der leider noch viel zu oft zu wenig Beachtung, auch in den Medien, findet.

Einzige Paarung an diesem Abend war die letzte Begegnung des Achtelfinals zwischen C-Ligist Türkgücü Rodenkirchen und Landesligist SV Bergfried aus Leverkusen. Eigentlich eine klare Angelegenheit bei vier Ligen Unterschied. Etwa drei Dutzend Besucher hatten sich auf dem Sportplatz auf der Konrad-Adenauer-Straße gleich unterhalb der A4 eingefunden und erwarteten eine ganze Menge Tore, überwiegend natürlich vom Gast von der „Schäl Sick“.

Die überraschenden ersten Türkgücü-Chancen wurden mit leichtem Erstaunen registriert, doch rechneten alle weiterhin mit dem erwarteten Spielverlauf. Doch nix da. Türkgücü ging nach toller Kombination in Führung und musste vor der Pause lediglich den Ausgleich hinnehmen. Auch in der 2. Halbzeit zeigte Bergfried nicht unbedingt den Willen, den Vier-Klassen-Unterschied in Tore umzuwandeln. Selbst ein Elfer wurde ziemlich jämmerlich vergeben. Als Türkgücü nach 70 Minuten erneut in Führung ging, schwenkten auch die wenigen neutralen Zuschauer allmählich ins rote Lager über. Als die Riesen-Sensation eigentlich schon perfekt war, war es erst ein Verlegenheitsschuss in der 92. (!) Minute (obwohl der Schiedsrichter lediglich eine Minute Nachspielzeit anzeigte), der Bergfried so gerade eben noch in die Verlängerung rettete.

Sollten jetzt nun aber wie erwartet alle Dämme über den tapferen Türken einbrechen? Nee, wieder nicht. Mit Glück (zweimal mussten Pfosten und Latte retten) und Geschick wurde auch die Verlängerung unbeschadet überstanden. Doch auch nun spielte der Schiri wieder Schicksal und ließ, erneut nicht nachvollziehbar, sieben Minuten nachspielen. In der 123. Minute war es dann passiert –die letztlich einzige Unaufmerksamkeit nutzte der Landesligist zur Entscheidung. Schade – ein Elferschießen wäre bestimmt auch noch hochinteressant geworden.

Großes Lob jedenfalls an Türkgücü für diese außerordentliche Leistung! So unglücklich ist in letzter Zeit wohl kaum ein Verein ausgeschieden. Sollte diese Leistung auch im weiteren Saisonverlauf häufiger abgerufen werden können, ist ein Durchmarsch in die B-Liga absolut realisierbar. Im Schatten der Autobahn scheint ein neuer Stern am Kölner Fußballhimmel aufzugehen.

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EM-Tagebuch, Tag 24 (Finale)

Spanien ist also wieder Europameister! Gut so. Haben auch den schönsten und effektivsten Fußball gespielt. Auch wenn insbesondere die ARD- und ZDF-Moderatoren häufig anderer Meinung waren und ihre Leistung herabwürdigten. Die Luft war raus. Nachdem Jogis Jungs verdient die Segel streichen mussten, waren bis Sonntag schon die meisten Autofahnen abmontiert und Transparente an den Balkonen abgehangen. Ehrlich Leute, was soll denn das? Tage vorher noch Köln an den Rand des Wahnsinns hupen und bunt dekoriert zum Rudelschauen schunkeln, um dann nach dem Ausscheiden kleinlaut den italienischen Fähnchen den gesamten Fahrtwind zu überlassen. Es war doch ein tolles Turnier „unserer“ Jungs – darauf kann man zumindest bis zum Turnierende stolz sein und es auch zeigen! Ein letztes Mal traf sich die Truppe zum Fernseh-Fußball. Heute ging es ins „Heimspiel“ – den Plan mit der Schäl Sick hatten irgendwie alle vergessen. Ohne besondere Anspannung wurde ein letztes Mal ein Deckel mit zahllosen Strichen verziert und auf den neuen alten Europameister angestoßen. Einhelliger Tenor: Hauptsache nicht die Italiener! Auf dem Ring das erwartete Bild: Deprimierte, häufig aber auch stolz dreinschauende Italiener in unüberschaubarer Menge. Dazwischen nicht viele, dafür aber umso enthusiastischere Spanier, die ihre Glücksgefühle so richtig auslebten. Auch gemeinsame Feiern von Italienern und Spaniern, insbesondere am Friesenplatz, waren normal. „Wir haben die Deutschen besiegt – das reicht!“, hörten wir oft. Zu oft. Ach ja, was hier auf dem Ring wohl los gewesen wäre, wenn…? Naja, Schwamm drüber. Gratulation, La Furia Roja! „Wars das wirklich? Müssen wir zurück in die Realität?“ Boris konnte es kaum glauben. „Jau! Muß wohl!“ Tiefes Seufzen allenthalben. „Jungs, Kopf hoch – die nächste WM kommt bestimmt!“, verbreitet Stefan Optimismus. „Und es war eine geile Zeit!“ Gesamtfazit: Die Kölner Gastronomie war hervorragend und absolut professionell auf die EM eingestellt. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle bestens ihre Hausaufgaben erledigt und für ausreichend Platz vor vielen TV-Geräten und zum Teil riesigen Leinwänden gesorgt. Egal, ob drinnen oder draußen geschaut wurde – es war fast immer perfekt! Dafür ein ganz großes Lob an (fast) alle! Die EM-Stimmung in Köln war dagegen eher durchschnittlich. Sie kam zunächst schwer in Fahrt, explodierte förmlich zum Viertel- und Halbfinale, um dann binnen weniger Stunden nach dem Ausscheiden sogleich zu Grabe getragen zu werden. Das Event-Publikum hatte sich abgewendet und suchte schon einen neuen Partner, an den man sich schmiegen kann. Zum Glück läuft es ja just bei der Leichtathletik-EM so gut für unsere Starter… Nee Leute, unter Mitfiebern und insbesondere Mitleiden verstehe ich mehr als Autokorso, Dauerhupen, Deutschland- Schminke im Gesicht und „Setz dich hin, do Jeck! Sonst kumm ich gleich rübber zo dir!“-Rufen, wenn mal jemand versucht, annähernd Stadion-Atmosphäre in den Biergarten zu bringen. Fan-Sein bedeutet mehr. Und dauert länger als 24 Tage.
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EM-Tagebuch, Tag 22 und 23 (spielfrei)

Das war keine gute Nacht. Habe geträumt, dass ich mit Adriano Celentano und Umberto Tozzi im Gesangs-Wettbewerb stehe. Und am Ende von beiden hämisch ausgelacht werde. Später messe ich mich mit Gianluigi Buffon im Spaghetti-Wettessen. Auch hier hoffnungslos versagt. Als ich von Mario Balotelli zum Sixpack-Vergleichskampf gebeten werde, habe ich wieder Hoffnung. Wett-Trinken könnte klappen. Er meint aber was anderes. Winke ab. Tagsüber ertappe ich mich dabei, dass ich hinter jedem hupenden Auto einen feiernden Tifosi vermute. Und an jeder Ecke sehe ich grinsende, freundlich winkende Italiener, die mich zum Cappuccino einladen wollen. Nene, ihr habt bestimmt das Spiel als Dauerschleife laufen. So geht’s nicht weiter. Ich brauche eine kurze Auszeit. Spontan mache ich alles klar für eine Stippvisite ins Ruhrgebiet. Ist jetzt auch nicht gerade eine Italiener-freie Zone, aber dennoch ein Versuch, die nächtlichen Jubelbilder vom Ring aus dem Rest-Hirn zu bekommen. Na dann, bis zum Endspiel! PS: Simon hat sich gemeldet. Heute morgen irgendwo wach geworden. Italien-Flagge zum Lendenschurz gebunden, sonst nix an. Er kann sich an keine Details erinnern. Hoffentlich bleibt das so. Ich will auch keine wissen.
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EM-Tagebuch, Tag 21 (2. HF)

„Germania Germania Vaffanculo“ – diese Worte vom vergangenen Sonntag klingen heute noch in meinen Ohren. Ob es im Laufe der Nacht zum oralen Kontakt an jenem Körperteil am unteren Rumpfende zwischen deutschen und italienischen Fans gekommen ist, kann ich nicht beurteilen. In den meisten Fällen wohl eher nicht. Gerüchteweise sollen ja viele Tifosi tagsüber auf den Gebrauch von Toilettenpapier in Vorfreude auf eine spätere Endreinigung verzichtet haben. Wussten die etwa schon, wie das Spiel ausgeht? Italienische Wettmafia halt. Gibt es heute Gewitter? Und wenn ja, wann und wo? Etwa ausgerechnet in unserem ausgesuchten Biergarten? Also doch drinnen schauen? Aber das bei diesen mega heißen Temperaturen. So in etwa lief der ganze Tag ab. Wenn man nicht grad am Telefon hing, dann wurde der Himmel begutachtet. Letztlich fuhren wir mehrgleisig. Einige besetzten Bierbänke an der „Rennbahn“, andere beanspruchten Sitzplätze per Deutschland-Fahne in der „Kantine“, während sich eine dritte Fraktion am Aachener Weiher umschaute. Am Ende wurden alle von ihren Standorten abgezogen (Aachener Weiher war auch extrem frühzeitig belegt) und so versammelte sich der Tross zum Halbfinal-Showdown doch an der „Rennbahn“, denn „ich hab auf RTL gehört, dass das Gewitter nicht vor 23 Uhr kommt. Und bis dahin simmer aufn Ring.“ Stimmt, dank der guten Verkehrsanbindung zur stundenlangen Party locker zu schaffen. Auch die „Rennbahn“ war bei unserer Ankunft schon proppevoll. Der Geheimtipp war längst schon keiner mehr. Darko und Stefan hatten jedoch „gewichtige“ Gründe eingebracht, um für alle Plätze freizuhalten. Und Bier stand auch schon bereit – es konnte also losgehen. Inzwischen hatten wir uns ja dran gewöhnt, dass die Stimmung hier selten Wohnzimmer-Atmosphäre übersteigt. Auch das ungläubige Anstarren der sonstigen Couch-Potatoes bei unserem Aufstehen zu BEIDEN Hymnen wird mittlerweile locker ignoriert. Wir fanden es eher einmal mehr peinlich, dass sechs unserer Nationalspieler die Hymne gar nicht mitsangen und der Rest sie in sich hinein nuschelte, während alle (!) Italiener mit ganzem Stolz lautstark ihre Strophen trällerten. Es ist einfach zum Kotzen! Nachhilfeunterricht absolut erforderlich, lieber DFB!! Kurz darauf fing das Spiel an. Nach 94 Minuten wurde es abgepfiffen. Randnotiz aus der 36. Minute: Gemeinsames Seufzen aller Besucher beim 0:2 – Männer wegen des Tores, Frauen wegen Balotellis Trikot-Aktion. Keine 40 Sekunden nach dem Abpfiff hatte man am Nachbartisch schon nichts Wichtigeres zu tun, als sich über den heutigen Shoppingtag auszutauschen. Das hatte nichts mit Verdrängung zu tun, das Spiel war längst egal und Nebensache (war es wahrscheinlich vorher auch schon). Daher an euch: Aufstehen, Deutschlandtrikot abgeben und bitte gehen – Hausverbot für mindestens 1 WM und 1 EM! Immerhin gab es aber doch noch genügend Fans, die noch eine längere Zeit wirklich traurig in ihr Kölsch starrten. Dagegen befand sich das Event-Publikum schon längst auf dem Heimweg und machte sich Gedanken, welche Events sie denn bis zur WM 2014 ganz toll finden könnten. Wir Masochisten trauten uns stattdessen noch in die grün-weiß-rote Hölle auf den Ring. Hier spielten sich natürlich die Szenen ab, die wir gerne in schwarz-rot-gold gesehen hätten. Der italienische Kioskbesitzer am Friesenplatz wollte fürs Kölsch noch nicht mal Kohle, grinste uns dafür aber minutenlang wie ein Honigkuchenpferd an. Hat vermutlich Fernsehen geschaut. Einzelne Scharmützel gab es erwartungsgemäß, doch war die Polizei immer schnell da. Häufig gab es auch Verbrüderungsszenen. So solls ja auch sein. Völkerverständigung halt. „Hat einer Simon gesehen?“ – „Seit 10 Minuten nicht mehr.“ Naja, es waren immer noch 26 Grad und Italienerinnen zeigen auch gerne, was sie haben. Viel Spaß denn! „Schauen wir denn noch das Endspiel?“ – „Ja klar, jetzt bringen wir das auch zu Ende!“ – „Hat einer denn eine Idee?“ – „Wir könnten ja mal auf die Schäl Sick fahren.“ – „Prima Vorschlag! Da hätten wir auch schon mal früher drauf kommen können.“
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EM-Tagebuch, Tag 20 (1. HF)

Das Leben hat wieder einen Sinn – EM geht weiter! Vorbei die Phase des pseudomäßigen Zeitmanagements, wo jedem Anfragenden offenbart wird, absolut keine Zeit für irgendwas zu haben, da man die spielfreie Zeit ja endlich für gaaanz wichtige Dinge nutzen kann. Muss ja keiner wissen, dass eigentlich nur die Stunden bis zum Halbfinale runtergezählt wurden. Na gut, gegen Ende des Turniers muss ja doch schon mal bilanziert werden, dass wir es nicht geschafft haben, alle geplanten Lokalitäten mit einem Besuch zu beehren. Lag oft aber auch am Wetter. Jetzt wollen wir aber auch eher im Herzen Kölns bleiben, um mitzuerleben, was nach dem Spiel so abgeht. Simon hatte sich fürs 1. Halbfinale bereits abgemeldet, da er wieder bei "seinem" Spanier Fußball schauen wollte (in Wahrheit hatte er eine SMS von Ramira bekommen). Der Rest traf sich frühzeitig am Chlodwigplatz und tingelte durch die altbekannten Straßen. Später kurz beim über-nervösen portugiesischen Inhaber vom „El Touro“ vorbeigeschaut und Mut zugesprochen („Ist doch egal, ob ihr heute oder am Sonntag nicht Europameister werdet“), nicht minder nervöse Spanier in diversen Kneipen verunsichert und irgendwann standen wir vorm „Lapidarium“. Sind wir Irren wirklich den ganzen Ring hoch marschiert? Draußen war schon alles voll und auch die anderen umliegenden Gaststätten meldeten "Bierbänke belegt". Wir wurden das Gefühl nicht los, dass die allgemeine Stimmung wegen morgen doch schon sehr angespannt war. Ruhe vor dem Sturm. Die 1. Halbzeit wurde stehend verfolgt und über die Pseudo-Portugal-Fans abgelästert, danach wechselten wir ins nahe „Anno Pief“. Die alten Herren mussten sich nun mal langsam setzen. „Toni“ war bereits wieder in seinem Element und feuerte ebenfalls vehement die Portugiesen an, „weil wir dann im Endspiel gegen die ganz leichtes Spiel haben“. Ahja, warum? „Weil die nix können.“ Ja, aber die haben doch dann den Welt- und Europameister besiegt. Ist doch gut für die Moral. „Dat reicht ävver nit för uns. Dr Poldi haut dänne drei Dinger rinn.“ Ja, so ist der Kölner – stets optimistisch und realistisch. Es sollte ein langer Abend werden. Zu sehr merkte man beiden Mannschaften an, keinen Fehler machen zu wollen. Und dennoch hätte der schöne Cristiano acht Sekunden vorm Ende alles klar machen können. Hat er aber nicht. Also Verlängerung. Und Elferschießen. Erwartungsgemäß hupten sich nach dem Elferkrimi die Spanier durchs nächtliche Köln, aber im Vergleich zum morgen so oder so stattfindenden Getöse war das ja nur ein Warmlaufen. „Und morgen…“ - „NEIN!“ Armer Boris. Hat zu Hause nur die Pantoffeln an und jetzt fällt ihm selbst seine Männertruppe ins Wort.
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EM-Tagebuch, Tag 18 und 19 (spielfrei)

Irgendwann hatten die Italiener den Kölner Ring wieder freigegeben, und es legte sich eine entspannende Stille über die Stadt. Es wirkt wie ein allgemeines Ausruhen vor dem sich anbahnenden Höhepunkt des EM-Turniers, der zunächst am Donnerstagabend erreicht wird. Spielfreie Tage sind komisch. Einerseits sind sie die Gelegenheit, mal etwas abzuschalten und das Leben von der anderen Seite -das ist die ohne die Lederkugel- wieder betrachten zu können. Andererseits kommt man sich an Tagen wie diesen vor, als wäre man Hunderte Kilometer zu einem bestimmten Museum gefahren, um dann an der Eingangstür das Schild "Heute geschlossen" lesen zu müssen. Wie hilfreich kann es dann doch sein, einen Partner oder Partnerin zu haben, der/die einem die sinnentleerte Zeit bis zum Halbfinale mit spannenden und abwechslungsreichen Aufgaben versüßt. Sätze wie "Du könntest auch mal spülen!", "Hilfst du mir beim Bügeln?" (uuaah!), "Das Auto muss wieder getankt werden!" oder "Fahren wir in die Stadt bummeln?" kommen in der spielfreien Zeit besonders gut zur Geltung, da man sich als Fußballfanatiker in einer Art Metaphase befindet, in der die Außenwelt nur schemenhaft wahrgenommen wird und Aufträge wie die Geschilderten wie selbstversändlich und ohne Murren ausgeführt werden. Und es hat auch etwas Präventives, denn jeder weiß, dass die schlechte Laune des Partners/der Partnerin nach den nächsten beiden langen Abenden (bzw. kurzen Nächten) nicht ganz so exzessiv wie normal ausfallen sollte. Also Leute - Mund abputzen, Müll runtertragen und gehorchen! Die spielfreien Tage sind schon fast geschafft - nur noch wenige Stunden bis zum Halbfinale! Und wenn am Freitag eure Sachen nicht gepackt vor der Tür stehen oder eure bessere Hälfte überraschenderweise immer noch nicht die gemeinsame Bude geräumt hat, habt ihr alles richtig gemacht!
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EM-Tagebuch, Tag 17 (4. VF)

EM-Tagebuch, Tag 17 (4. VF)
Geschmackssache. Da haben zwar überlegene, aber dennoch wenig überzeugende Italiener schwache Engländer im Elferschießen rausgeworfen, und schon stürmen binnen weniger Minuten Hunderte Italiener den Ring und fordern zu mitternächtlicher Stunde schlaftrunkene Kölner lauthals zum Gebrauch ihres länglichen, von Schleimhaut überzogenen Muskelkörpers im Mundbereich auf: „Germania Germania vaffanculo“. Naja, warten wir mal ab, wer wessen Hintern am Donnerstagabend säubert. Wir orientierten uns heute zunächst an unseren italienischen Mitbürgern. In der Südstadt war schon jede Menge los, hätte aber für die Möglichkeit eines Sieg der „Tifosi“ zu lange bis zum Ring gedauert. Also ab ins „Hellers Brauhaus“, wo vor der einzigen Leinwand (nix mit TV) Kinobestuhlung angesagt war. Und hier hatte sich schon ne größere Truppe Holländer (was machen die denn hier?) niedergelassen. Muss auch nicht sein. Weiter durch mehrere italienische Restaurants, wo zwar bereits Fernseher heiß liefen, aber das essende Volk nicht unbedingt den Eindruck hinterließ, bei eventuellen Toren kurzzeitig das Spaghetti-Drehen einstellen zu wollen. „Heimspiel“ war auch wieder ziemlich leer, also ab Richtung Ring. Im „Chattanooga“ wurde es allmählich besser. Gut besucht, der Laden, und nahezu jeder Tisch grün-weiß-rot verziert. Dennoch gings weiter. Das „Giga Center“ neben „Joe Champs Sportsbar“ war erwartungsgemäß fest in italienischer Hand, aber um mal zu prüfen, warum die Kroaten ihre Spiele ausgerechnet beim Italiener verfolgt hatten, kehrten wir nebenan im „La Strada“ ein. Gleich neben einer mit der Zeit stets anwachsenden italienischen Runde mit sehr sympathischen Leuten unmittelbar vor der Leinwand ließen wir uns nieder. Beste Sicht – nur nicht so ganz für die schräg versetzten Sitzplatzinhaberhinter un. Aber selbst das störte hier und heute keinen. Wenn die „Squadra Azzurra“ sich im Verlauf der nächsten zweieinhalb Stunden nicht ganz so blind angestellt hätte, wäre das für die Nerven unserer Tischnachbarn bestimmt besser gewesen. So war dann lange Nägelkauen angesagt. Und spätestens beim nicht gegebenen Tor in der Verlängerung habe ich erstmals bereut, kein Italienisch zu verstehen. Während Simon ab der 2. Halbzeit mit intensiverer Kontaktaufnahme zum Nebentisch beschäftigt war (und in der Verlängerung auch dort saß), staunten wir nur über die äußerst passive englische Taktik. „Ey Mann, wollen sich die Engländer etwa ins Elferschießen retten? Dat können die doch eh nicht!“, stellte Darko nicht zu Unrecht fest. Selbstverständlich sollte er damit recht behalten. Und kaum hatte Diamanti den entscheidenden Elfer ins Netz geballert, vergingen noch nicht einmal drei Minuten, bis Hunderte Tifosi den kompletten Ring zwischen Rudolfplatz und Ehrenstraße vereinnahmt hatten. Alles, was erstürmt oder zu erklettern war, hatte binnen Sekunden grün-weiß-rote Männchen auf sich stehen oder liegen – auch vor Autos völlig Unbeteiligter wurde nicht Halt gemacht. Eine riesige geniale Party – wenn nicht ständig die oben erwähnten drei ominösen Worte gefallen wären. Aber als zukünftiger Endspiel-Teilnehmer kann man da schon mal in sich ruhend milde drüber hinwegschauen. Jedenfalls wurde es noch eine lange Nacht – besonders für die doch bedauernswerten Anwohner. Aber tröstet euch: In einer Woche habt ihr es geschafft!! „Und morgen Deutzer Bahnhof!“, rufe ich triumphierend in die Runde. „Ey Alter, wat willste denn da? Morgen ist doch spielfrei“, raunzt mir Stefan zu. Wieder nix.
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