Vielleicht schmerzt er auch, weil alle Beteiligten – Vorstand, Geschäftsführung, Sportliche Leitung und Mannschaft – machen durften, was sie wollten. Dass beim FC mal einer querschießt, sind wir ja gewöhnt. Aber die Art und insbesondere die Häufigkeit der Vorfälle in dieser Saison sprengte jeden Rahmen.
Aber auch die Anhängerschaft muss sich hinterfragen. Wie lange will sie noch dulden, dass der Verein und die Gesamtheit seiner Fans durch einige – ganz gleich welcher Szene zugehörige – Dumpfbacken in Verruf gebracht wird. Die nutzten am letzten Spieltag das Abstiegsszenario einmal mehr zur Selbstinszenierung der übelsten Sorte. Angeblich waren es Ultras, die die Rauchbomben zündeten. Von wegen! Vom eigentlichen Ultra-Gedanken, den eigenen Verein immer und überall kompromisslos zu unterstützen, haben sich diese Brandstifter in ihrer Selbstherrlichkeit doch schon längst verabschiedet.
Das einzig Erfreuliche, was an diesem Abstiegssamstag zumindest etwas Hoffnung machte, war die Reaktion der Mehrheit der FC-Fans. Die gaben mit ihrem Pfeifkonzert ein klares Votum gegen die Ausfälle einiger Weniger in der eigenen Kurve ab.
So wie im Verein mit neuem Vorstand ein Selbstreinigungsprozess in Gang gesetzt wurde, der in einen Neuanfang münden wird, sollte sich auch die Fanszene einen solchen Prozess verschreiben. Im eigenen Sinne und im Sinne des Vereins.
Die Sperre bleibt trotzdem bestehen. Aber wer etwas anderes erwartet hat, ist naiv. Es ist wahrscheinlicher, dass sich der Papst plötzlich als Befürworter der Abtreibung outet, als dass der DFB eine Schiedsrichterentscheidung nachträglich ändert.
Tatsachenentscheidung. Unabänderlich. Unanfechtbar. Stur wie ein bockiger Esel hält der größte Sportverband der Welt an seinen antiken Vorstellungen fest. TV-Beweis? Na klar, machen wir. Aber nur, wenn dadurch keine Schiedsrichterentscheidung infrage gestellt wird. Spieler nachträglich für Vergehen sperren, die der Schiedsrichter nicht gesehen hat? Da sin mer dabei!
Der Schiedsrichter hat sich vertan? Egal, das passiert im Eifer des Gefechts schonmal. Schiedsrichter sind schließlich auch nur Menschen. Soweit, so richtig. Aber mit diesem Urteil tut das DFB-Sportgericht niemandem einen Gefallen. Die Autorität der Schiedsrichter wird dadurch ebenso wenig gestärkt wie das Image des Verbandes, der hiermit wohl als erster Sportverband in die Geschichte eingeht, der einen nachweislich Unschuldigen dennoch verurteilt.
Ein Witz! Aber ein schlechter, denn lachen kann darüber keiner mehr.
Poldi tanzt dem FC auf der Nase rum – zumindest könnte das denken, wer Poldis Interview in der Bild am Sonntag liest. Dort nämlich spricht das Fan-Idol von falschen Versprechungen und fehlender Kontinuität und ständigem Wechseln der leitenden Angestellten. So könne langfristig nichts entstehen, sagt Podolski. Zu einem Zeitpunkt, der unpassender nicht sein könnte. Das Interview erschien unmittelbar vor dem Heimspiel gegen den HSV, in dem der Club mit einem Heimsieg ein Polster zwischen sich und die Abstiegsränge hätte legen können.
Den uninspirierten Auftritt der Solbakken-Truppe bei der 0:1-Niederlage alleine auf Podolskis Äußerungen zu reduzieren, ist natürlich viel zu einfach. Schließlich sind es größtenteils ausgelutschte, alte Kamellen, die das Kölner Nationalheiligtum im BamS-Gespräch abgibt. Diese Aussagen hat man so von ihm oder anderen bereits dutzendfach gehört. Viel schwerer wiegen der Zeitpunkt und der Umstand, dass das Springer-Blatt eine nicht autorisierte Fassung des Interviews veröffentlicht wurde, freigegeben lediglich von Podolski-Berater Kon Schramm.
Reines Kalkül? Von Poldi – schwer vorstellbar. Von BILD und Schramm? Schon eher: Die BILD hat ein Thema, das sie genüsslich bis Karneval auswalzen kann. Der Berater kann mit Podolskis Aussagen jetzt hausieren gehen und träumt schon von der dicken Provision, die er einstreicht, wenn er seinen Mandanten am Saisonende ins Ausland verschachert. Dann das Resultat dieser Aktion ist Podolskis Aussage „Stand jetzt würde mich das Ausland sehr reizen", die nun schwarz auf weiß und unwiderruflich in der Presse steht.
Gelackmeiert ist wieder mal der FC, der nun klare Kante zeigen und glaubhaft vermitteln muss, dass es sich von seinen hochbezahlten Angestellten nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Weder von Podolski noch von irgendwem anders. Tut er das nicht, sind dem Chaos Tür und Tor geöffnet. Schon bei Podolskis Freizeitkick-Verletzung im Winter, die ihn auch jetzt wieder lahmlegt, war der Superstar ohne öffentlichen Tadel davongekommen. Narrenfreiheit für den Prinzen, um sich die Chancen auf eine Vertragsverlängerung zu erhalten.
Einen weiteren arbeitsvertraglichen Verstoß darf der Club nicht durchgehen lassen. Auch auf die Gefahr hin, den Qualitätsspieler Podolski im Sommer zu verlieren – so schlimm dieser Gedanke vor dem Hintergrund der 90 Minuten gegen den HSV auch erscheint.
Am gestrigen Dienstag erlebten die Kölner Haie in der Lanxess Arena mal wieder einen Abend zum Vergessen. 1:7 stand es am Ende gegen den ERC Ingolstadt. 1:7 – die höchste Heimniederlage der Haie seit Menschengedenken. Nicht. Aber zumindest seit die Haie in der Arena spielen.
Eine Ohrfeige für die Mannschaft, und eine noch heftigere Ohrfeige für die treuen Anhänger. Stellen Sie sich nur einmal vor, so etwas würde im Profi-Fußball passieren. Konkreter: Stellen Sie sich mal vor, der FC würde sich derart abschlachten lassen – ohne richtig Gegenwehr zu leisten. Nicht auszudenken, was dann los wäre.
In Nullkommanichts würde die Situation eskalieren. Die Abfahrt des Mannschaftsbusses würde blockiert und noch in der Nacht martialische Spruchbänder am Trainingsgelände aufgehängt. Die x-te Diskussion über Söldnertum im Profisport würde nicht lange auf sich warten lassen. Ich habe die Rufe "Scheiß Legionäre", "Wir sind Kölner und Ihr nicht" schon im Ohr.
Was aber machen die Haie-Fans ob der jämmerlichen Darstellung ihrer Mannschaft? Sie überschütten die Versager mit Spott und stimmen höhnische Gesänge an. Sie kanalisieren ihre zweifellos vorhandene Wut in pure Ironie.
Eine absolut angemessene Reaktion und bewundernswert, wie zivil die Proteste bleiben. Ganz anders die Gegenreaktion von Vereinsseite. Thomas Eichin fällt nach dem Spiel nichts besseres ein als herumzujammern. Nein, nicht über das desolate Auftreten der Profis. Über die Fans: „Es ist eine Frechheit, im letzten Drittel hämisch 'Oh, wie ist das schön' zu singen", mokierte sich der Haie-Geschäftsführer.
Entschuldigung? Geht's noch? Diesen Fans, die den Verein mit ihren Eintrittsgeldern und mit Spenden in den letzten Jahren mehrfach vor dem Exitus bewahrt haben, so über den Mund fahren, war mit Abstand die größte Frechheit dieses Abends. Aber vielleicht wäre dem Ex-Kicker Eichin ja eine Reaktion wie beim Fußball lieber gewesen. Blöd nur, dass die Lanxess Arena über kein Marathontor verfügt, dass man blockieren könnte.
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Frank Schwantes
Der Köln.Sport-Redaktionsleiter bloggt zu allen Themen des Kölner Amateur- und Profisports. Schwerpunkte: Fußball und Boxen.Neueste Blogs
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Der Köln.Sport-Redakteur bloggt zum aktuellen Sportgeschehen in Köln.Neueste Blogs




