Philippe Rasch
Der Köln.Sport-Redakteur bloggt zum aktuellen Sportgeschehen. Schwerpunkte: Kölner Haie, Basketball, Ringen
Der Einlauf der Kölner Haie in die Lanxess-Arena gleicht bei jedem Heimspiel einem feurigen Spektakel. Das Licht ist aus. Auf dem Videowürfel flimmern actionreiche Szenen über den Bildschirm. Rockmusik dröhnt aus den Boxen. Für Fans, die das ganze Brimborium nur selten oder gar zum ersten Mal erleben, beeindruckende Momente. Für Dauerkarteninhaber oder "Presse-Fuzzis" wie mich, nutzt sich diese Szenerie mit der Zeit jedoch ab.
Am vergangen Dienstag, beim Heimspiel gegen die Eisbären aus Berlin, habe ich mich gefragt, wie das für die Spieler sein muss. Wird es auch sie zur Routine? Es sind ja schließlich stolze 26 Heimspiele, die ein Haie-Crack zu bestreiten hat.
Als die Spieler nach und nach durch das große aufblasbare Haifischmaul aufs Eis fuhren, glaubte ich eine Art Lustlosigkeit ausgemacht zu haben. Hängende Köpfe, den Schläger zum Gruß ans Publikum gar nicht oder nur missmutig erhoben. "Nur schnell das Spiel rumkriegen – gegen den Tabellenführer haben wir nach sechs Niederlagen in Folge eh keine Chance. Und in die Playoffs schaffen wir es auch nicht mehr", müssen sie gedacht haben.
Weit gefehlt!
Bei den Spielern hat es klick gemacht. Die Partie gegen die Eisbären war eines der spannensten und für das geübte Auge interessantesten Spiele in dieser Saison. Viele Torchancen, wenige bis keine langatmigen Phasen. Und dann auch noch ein überraschender Sieg über den Topfavoriten.
So kann man sich täuschen!
Die Stimmung in der Halle nach der Schlusssirene glich der nach einer gewonnenen Playoff-Serie. Kein Haie-Fan ist früher gegangen. Alle haben bis zur letzten Sekunde die Daumen gedrückt. Und das ist es genau, was die Kölner Haie in den letzten fünf ausstehenden Spielen brauchen. Die uneingeschränkte Unterstützung und den Glaube der Fans an ihr Team.
Klar, nach der Verpflichtung von Uwe Krupp haben viele den KEC schon wieder im Finale um die Deutsche Meisterschaft gesehen. Und klar, auch Uwe Krupp selbst hat sich insgeheim wahrscheinlich deutlich mehr von seiner ersten Saison hinter der Bande der Haie versprochen. ABER: Es war von vornherein klar, dass das Projekt "Krupp-Kölner Haie" ein langfristiges sein wird. Jetzt, mitten in der entscheidenden Phase, die ganze Arbeit schon wieder in Frage zu stellen, wie es hier und da schon wieder zu lesen war, ist falsch. Fehler werden nach die Saison analysiert und aufgearbeitet.
Heute gegen Straubing, morgen in Mannheim, am Sonntag wieder zuhause gegen Iserlohn, dann noch nach Düsseldorf und Berlin – fünf Spiele in elf Tagen: "Auf geht's Haie – kämpfen und siegen!"
Prinz Poldi ist verletzt – am Knöchel.
Erst schien es nicht so schlimm, dann doch ein bisschen. Im Trainingslager in Portugal war für Podolski an Mannschaftstraining nicht zu denken. Der Heilungsverlauf sei schwer einzuschätzen, da die lädierten Haltestrukturen in der Strecksehne im Fuß eine Verletzung ohne Erfahrungswerte sei, wie Trainer Solbakken mitteilte. Also doch noch schlimmer?
So weit so ärgerlich ... aber ...
... Lukas Podolski hat sich die Verletzung bei einem Freizeit-Hallenkick mit Freunden in der Winterpause zugezogen und damit einen guten Start des FC in die Rückrunde fahrlässig aufs Spiel gesetzt!
Geht der Start in die Hose, ist die Stimmung rund um die Geißböcke sofort wieder im Keller ... und der FC bald auch?
Doch was kommt von den Verantwortlichen des 1. FC Köln? „Kann überall passieren", „Keine große Verletzung", Wenn er vier, fünf Tage nicht im Training ist, kein Problem" usw.
Hallo! Geht's noch!?
Ist das alles, was der Verein dazu zu sagen hat? Kein Wort der Kritik? Kein Zurechtweisen? Oder gar eine Abmahnung?
Oder will es sich der Verein gerade vor den so wichtigen Vertragsgesprächen mit dem Star nicht verscherzen? Nach dem Motto: „Lasst den Jungen doch spielen."
Chance vertan. Der 1. FC Köln hätte handeln müssen. Ein Zeichen setzen, auch für andere Profis, und sich nicht vor dem mächtigen Superstar verstecken dürfen. Auch wenn dieser Lukas Podolski heißt.
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