Köln.Sport

In einen Topf geworfen

In der kommenden Woche sollten sich Fans und Mitarbeiter des 1. FC Köln mit der Wolfsburger Polizei treffen, um die Vorfälle vom letzten Saisonspiel 2017/18 beim VfL aufzuarbeiten. Dazu kommt es nun nicht. Der Köln.Sport-Kommentar.
Polizei Wolfsburg

Die Wolfsburger Polizei hat sich aus einem Gespräch mit FC-Verantwortlichen und -Fans zurückgezogen, in dem die Vorfälle beim Auswärtsspiel in Wolfsburg im vergangenen Mai aufgeklärt werden sollten. (Symboldbild) (Foto: imago/Sven Simon)

Noch immer ist nicht zu 100 Prozent klar, was beim vorerst letzten Bundesligaspiel des 1. FC Köln im Mai beim VfL Wolfsburg im und rund um das Stadion passiert ist. Auf der einen Seite steht die Tatsache, dass rund 50 Kölner festgenommen wurden, weil sie Polizeiangaben zufolge gewaltsam vom Unterrang in den Oberrang des Stadions zu gelangen versuchten und auf Beamte losgingen. Auf der anderen Seite beschwerten sich viele FC-Anhänger, die Polizei sei überhart und teilweise willkürlich gegen sie vorgegangen. Und diese Vorwürfe erreichten den 1. FC Köln von vielen Fans in einer derart hohen Taktung, dass sich der  Effzeh auch mit dieser Anschuldigung seiner Fans in Richtung Polizei auseinandersetzen musste. „Betroffene Fans sowie Augenzeugen, zu denen auch die FC-Fanbeauftragten gehörten, hatten erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes“, ließ der Club unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorfälle verlauten.

Der logische, rationale Schritt: Man setzt sich zusammen, mit Vertretern der Kölner Fan-Szene, dem für diese zuständigen Beauftragten, der Wolfsburger Polizei, den Stadionordern, den eingangs beschriebenen, angegangenen Beamten, und so weiter. Dazu kommt es nun nicht. Wie der 1. FC Köln am Montagabend verkündete, hat die Wolfsburger Polizei das für den kommenden Montag geplante Gespräch, in dem es um die Klärung dieser Vorfälle gehen sollte, abgesagt. Nach dem Angriff auf einen Fanbus von Union Berlin in Bocklemünd in der vergangenen Woche sehe der Wolfsburger Polizeidirektor Olaf Gösmann keine Voraussetzungen mehr für ein solches Gespräch mit Fans des 1. FC Köln, wie die Polizei über den VfL Wolfsburg mitteilen ließ.

„Der völlig falsche Weg“

Im Kölner Lager ist die Enttäuschung darüber groß. Vor allem, dass die angesprochenen Fälle, die zeitlich mehrere Monate und eine gesamte Fußballsaison auseinander liegen, miteinander in Verbindung gebracht werden, stößt beim FC-Fanbeauftragten Rainer Mendel auf großes Unverständnis. „Die beiden Vorfälle gleichzusetzen und die gesamte Fanszene des FC pauschal zu kriminalisieren, ist der völlig falsche Weg und hat nichts mit einer angemessenen Reflektion des Polizeieinsatzes zu tun. Damit wird die Chance verspielt, sich konstruktiv mit den unterschiedlichen Sichtweisen auseinanderzusetzen und künftige Einsätze anders zu gestalten,“ sagt er.

Und hat damit Recht. Denn: Die abscheulichen Vorfälle vom vergangenen Montag haben nichts mehr mit Fußball zu tun. Es handelte sich dabei um eine grauenvolle Gewalttat, ausgeübt von Menschen, die kein Fußballstadion von innen sehen dürfen, sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch überhaupt nicht für den Sport interessieren, ihn lediglich als Plattform für ihre Gewaltfantasien missbrauchen. Der FC arbeitet bereits eng mit Polizei und Netzwerkpartnern zusammen, um diese Menschen in Zukunft von Verein und Stadion fernzuhalten, er erteilt Stadionverbote, entzieht Dauerkarten. Dem Club sind jedoch außerhalb des unmittelbaren Umfeldes ein Stück weit die Hände gebunden, Gewaltverbrechen, wie am Montag verübt, Sache der Polizei- und Ordnungsbehörden. Hand aufs Herz: Wie soll der FC verhindern, dass sich Durchgeknallte in ihrer eigenen Realität sozusagen „für den Verein“ in Gewaltbereitschaft begeben?

Dialog wäre so wichtig gewesen

Nehmen wir nun die Vorkommnisse in Wolfsburg. Dabei benahmen sich, Polizeiangaben zufolge, einige der im Stadion befindlichen Personen mächtig daneben, widersetzten sich Befehlen und gingen auf Beamte los. Sollte der Vorwurf sich verifizieren, hätte der 1. FC Köln eine neue Grundlage, gegen die Störer vorzugehen und sie mit Kartenentzug und Stadionverbot zu bestrafen. Jedoch kritisierten viele FC-Fans, und nicht nur die, die oberkörperfrei am Zaun stehen, sondern auch aus den hinteren Reihen oder dem Oberrang, die Vorgehensweise der Beamten, auch der Fanbeauftragte bekam davon unmittelbar im Stadion etwas mit. Deshalb wäre es so wichtig gewesen, die Vorfälle aufzuarbeiten, an einem Tisch zu sitzen, ein konstruktives Gespräch zu führen. Stattdessen zieht sich die Wolfsburger Polizei nun aufgrund eines Vorfalls, der mit den Vorkommnissen in ihrem Hoheitsgebiet überhaupt nichts zu tun hat, aus dem Gespräch zurück. Und verzichtet so auf einen Dialog, wirft lieber sämtliche FC-Fans, die an einer Aufklärung des Vorfalls beim VfL interessiert waren, mit kranken Gewalttätern in einen Topf. Aufgeklärt wird so überhaupt nichts.

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