Köln.Sport

Im Ring mit dem Champ

Einmal mit dem Weltmeister im Schwergewicht im Ring stehen. Was für viele ein Traum bleiben wird, ist für einen Kölner Boxprofi längst Realität.
Muhamed

Hussein David ­Muhamed (l.) nach einer Einheit mit Champion Anthony Joshua (Foto: Privat)

In England nennen sie ihn „German Warrior“. Er stand schon über 40 Runden mit Superstar und Box-Weltmeister Anthony Joshua im Ring. Mehr Runden, als die ersten 17 Profigegner des britischen Modellathleten insgesamt überstehen konnten. Die Rede ist von Hussein David Muhamed. Der 27-Jährige ist Joshuas wichtigster Sparringspartner. Aber wie kommt ein junger Boxer aus Köln mit gerade mal acht Profifights ins Camp des bekanntesten Schwergewichtlers der Welt?

„Ich hatte Anfang April 2017 einen Kampf im Vorprogramm von Marco Huck vs. Mairis Briedis in Dortmund“, erzählt er beim Treffen mit Köln.Sport. „Ich habe dort einen guten Fight gegen Maksym Pedyura gezeigt. Und Wladimir Klitschkos Manager Bernd Bönte saß in der ersten Reihe.“ Nach dem Kampf (Muhamed gewann in der zweiten Runde durch Technischen K.o.) habe Bönte ihn für seine Leistung gelobt. „Er wollte mich als Sparringspartner für Wladimir vor dem Joshua-Kampf“, sagt Hussein David. „Da habe ich natürlich sofort zugesagt.“

Doch nicht nur das Klitschko-Camp wurde auf den 1,96-Meter-Mann aufmerksam. „Kurz darauf bekam ich einen Anruf aus England, mit der Nachricht, dass Anthony Joshua auch einen Trainingspartner suche.“ Da stand er plötzlich vor der Wahl: „AJ“ oder Klitschko? „Ich habe mich für Joshua entschieden“, berichtet Hussein David.Schwer

Zum ersten Sparring zwischen ihm und dem Schwergewichtskönig kam es knapp eine Woche vor dem legendären Klitschko-Fight im April 2017 im Londoner Wembleystadion. „Joshua war in Topform“, erinnert sich der Deutzer. „Ich hatte nur vier Stunden Schlaf, weil ich nachts nach England fliegen musste. Dann stieg am Morgen direkt das erste Sparring.“

Joshua sei sehr freundlich, höflich und zuvorkommend, sagt Muhamed, „aber als er in den Ring kam, hatte er sofort einen anderen Blick drauf. Ich dachte nur: ‚Okay, jetzt wird’s ernst.‘ Im ersten Sparring habe ich wirklich Prügel bezogen, vor allem in der ersten Runde. Danach habe ich meinen Stil etwas angepasst und konnte teilweise sogar mithalten.“

Kämpferherz

Muhamed hatte sich bewährt – und den Champ beeindruckt. Denn er blieb für mehrere Tage in England und absolvierte mit Joshua noch weitere Sparrings. Für die allerletzte Einheit vor dem Klitschko-Kampf wählte der Weltmeister den Kölner Profi. Eine besondere Ehre, schließlich ist das letzte Sparring sehr wichtig für einen Athleten und gilt als eine Art Generalprobe vor dem Kampf.

„Das war eine fantastische Erfahrung“, schwärmt Muhamed. Mittlerweile sei eine richtige Freundschaft daraus entstanden. Von da an bat „AJ“ den deutschen Boxprofi regelmäßig zu sich ins Camp. Für die WM-Duelle mit Joseph Parker (März 2018) und Alexander Povetkin (September 2018) war Muhamed erneut in England. Was ihn zu so einem guten Trainingspartner mache? „Ich habe Power in beiden Händen“, lächelt Hussein David, „und für einen Schwergewichtler bin ich sehr beweglich und schnell auf den Beinen.“

Auf die Frage, wie sein Spitzname „German Warrior“ zustande kam, muss Hussein David lachen. „Joshua deckte mich mit einem Schlaghagel von fast zehn Händen in Folge ein. Ich war leicht angeknockt, aber ging nicht zu Boden. Danach habe ich meine Augen wieder geöffnet – und ihn sofort attackiert. Das beeindruckte ‚AJ‘. Als danach die Presse ins Gym kam, nannte er mich vor den Journalisten ‚German Warrior‘ und erklärte, dass wir eine gute Schlacht im Sparring hatten.“

Den Namen „David“ trägt der kölsche Boxprofi übrigens nicht seit seiner Geburt – er gab ihn sich selbst. So möchte der Sohn syrischer Eltern eine Brücke zwischen zwei Kulturen schlagen. Denn Hussein David wurde in Deutschland geboren und sieht sich selbst als Deutscher. „Ich wollte meinen Namen nicht komplett ändern, wie das manch andere gemacht haben. Aber ich wollte auch einen Vornamen tragen, mit dem sich meine deutschen Fans identifizieren können“, erklärt der „German Warrior“.

Zweites Standbein

Als Kind und Jugendlicher absolvierte Hussein David vor allem Thai- und Kickboxkämpfe. 2014 wurde er Boxprofi. Sein eigenes Training absolviert er unter der Leitung seines Trainers Turgay Uzun hauptsächlich im „Medicon“ in Neuwied. In seiner Heimat Köln, wo auch seine Mutter und seine zwei Brüder leben, schwingt er außerdem im Gym von Felix Sturm die Fäuste. Zu ihm hat Hussein David häufig telefonisch Kontakt. „Er hilft mir oft. Felix begleitet meine Karriere und ist so eine Art Boxmentor für mich.“

Das Engagement mit Joshua sei auch für seine eigene Laufbahn ein echter Schub gewesen. Doch Muhamed baut sich trotzdem ein zweites Standbein für die Zeit nach seiner Ringkarriere auf. „Mein Bruder und ich sind Service-Partner eines großen Online-Versandhandels und lassen Pakete ausliefern“, erklärt er. Heute sind deutschlandweit rund 100 Fahrer im Auftrag der Muhamed-Brüder unterwegs.

Im Ring kämpft Hussein David bislang ohne größeren Promoter an seiner Seite. Eigentlich sollte er am 29. September im Vorprogramm des WM-Fights von Manuel Charr in Köln auf den Russen Denis Bakhtov treffen. Nach dem Dopingskandal um Charr wurde jedoch die komplette Gala abgesagt. Dennoch ist geplant, den Kampf nachzuholen – diesmal auf einer Veranstaltung des größten deutschen Promoters Sauerland Event.

Anfang Dezember steigt eine Boxgala in Gummersbach. Dort soll auch Muhamed wieder in den Ring steigen. Aber eines scheint jetzt schon sicher: Spätestens im nächsten Frühjahr wird wieder ein Anruf aus England kommen. Weltmeister Anthony Joshua muss schließlich perfekt auf seinen nächsten Gegner vorbereitet werden.

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