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„Ich denke wie ein Profi, aber spiele wie ein Amateur“

Im Rahmen der „DB Regio NRW Fußball Tour“ traf sich GOLFSPIEL mit der Fußballtrainer-Legende Peter Neururer, einem passionierten Golfspieler. Der gab dabei nicht nur viele Fußball-Anekdoten zum Besten, sondern sprach auch den vielen Hobbygolfern aus der Seele.
Neururer

Peter Neururer hat ein Handicap von 14,7 (Foto: imago/Eduard Bopp)

Als Fußballlehrer hat Peter Neururer etliche namhafte Klubs gecoacht. Unter anderem stand er bei Schalke 04, beim 1. FC Köln und bei Fortuna Düsseldorf an der Seitenlinie, seine bislang letzte Station als Trainer war der VfL Bochum. Seit dem Jahr 2000 nimmt das Golfspiel einen großen Teil in Neururers Freizeitgestaltung ein. Das Ergebnis ist nicht nur ein mehr als ordentliches Handicap, sondern auch die eine oder andere Anekdote, die der 63-Jährige im Gespräch mit GOLFSPIEL zum Besten gibt.

Peter Neururer, irgendwie kam es während der „DB Regio NRW Fußball Tour“ ja auch zum Thema Golf. Vielleicht lag es an der Runde Fußballgolf, die Sie mit den Gewinnern gespielt haben. Wie viel konnten Sie dort vom Golf ableiten – und hat es am Ende auch geholfen?

(lacht) Die Regeln sind natürlich ähnlich. Aber einen großen Unterschied gibt es: Der Ball ist größer. Mit dem Talent im Fußball kommt man dort weiter als mit den golferischen Fähigkeiten.

Was hat Sie bewogen, bei der Tour mitzumachen? Das Thema Fußball oder die Verbundenheit zum Bundesland NRW?

Das war eine Symbiose. Zum einen hat mir die Nachfrage gefallen. Die verschiedenen Locations. Das Ganze ging ja schon am Kölner Hauptbahnhof los. Köln als Stadt ist einfach toll. Dort habe ich ja auch als Trainer gearbeitet, zehn Jahre dort gewohnt und mich einfach sehr wohl gefühlt. Dann ging es weiter nach Düsseldorf. Auch eine alte Station. Die Stadiontour war sehr interessant – habe auch noch einiges dazugelernt. Vor allem, dass es in allen Stadien ein Gefängnis gibt (lacht). Kurios, aber höchst interessant! Und zum Schluss geht es dann ausgerechnet in die Stadt meines Lieblingsgegners (Dortmund, Anm. d. Red.), und die spielen dann auch noch gegen meinen zweiten Lieblingsgegner Bayer Leverkusen. Das abschließende Treffen mit Peter Stöger war natürlich ein super Abschluss. War ein guter Tag.

Was ist Ihrer Meinung nach der schwerste Platz in NRW?

Gut Lärchenhof, ohne Frage. Er ist einer der schönsten, aber für uns Amateure auch einer der schwersten Plätze. Es kommt aber auch darauf an, wie die Fahnen gesteckt sind und ob das Rough geschnitten ist …

Welches Handicap haben Sie derzeit?

Ich hab mich leider gerade erst verschlechtert auf 14,7. Davor war ich bei 10,4.

Können Sie dieses Niveau regelmäßig bestätigen? Gibt es ein realistisches Ziel, dass Sie sich gesetzt haben?

Ja, das auf jeden Fall. Mein Ziel ist es, endlich einstellig zu werden. Ich war ja schon auf dem besten Wege dazu, aber dann kam während der Runde der eigenartige Herzinfarkt samt Herzstillstand dazwischen. (Peter Neururer erlitt 2012 während einer seiner besten Runden Golf einen Herzinfarkt, Anm. d. Red.).

Man sagt ja oft, dass Ballsportler schneller das Spiel lernen. Sie haben selbst Fußball in der Amateuroberliga gespielt und spielen öfter mit ehemaligen Spielern zusammen. Vielleicht verraten Sie uns mal, wer sich von Ihren Flight-Partnern öfter mal schwertut? Natürlich alles mit einem Augenzwinkern …

Was heißt schwertun? Wir Amateurgolfer tun uns alle schwer! Das liegt einfach daran, dass wir uns den Sport, den wir ohne jede Frage lieben, wesentlich schwerer machen, als er ist. Wir wollen immer etwas nachmachen. Wir sehen beispielsweise, wie Tiger Woods einen Ball schlägt, und sagen uns: „Den kann ich auch.“ Kurzum: Ich denke wie ein Profi, aber spiele wie ein Amateur. Man muss sich das immer mal wieder vor Augen halten, weil ja auch die ganzen Fußballer unbedingt das einstellige Handicap haben wollen. Selbst ein Golfer mit einstelligem Handicap ist so weit von einem Profi entfernt, wie ein Kreisklassenkicker von der deutschen Nationalmannschaft.

Von Kreisklasse bis DFB-Elf? Ist das nicht etwas sehr drastisch?

(lacht) Ja, klar. Da liegen nicht nur Welten zwischen, da liegen ganze Sportarten zwischen.

Wenn ein ehrlicher Ruhrpott-Charakter und auch diverse Sportler auf die treffen, die dem Klischee der Gentlemen-Sportart Golf entsprechen: Da gab es doch bestimmt schon die eine oder andere lustige Geschichte, oder?

Das eine schließt das andere nicht aus. Es geht immer um Respekt gegenüber dem Sportler und dem Sport, aber für mich ist der Spaß entscheidend. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht wie ein Gentleman benehmen kann.

Neururer

Das Interview mit Golf-Fan Peter Neururer entstand im Rahmen der DB Regio-Tour (Foto: imago/Eibner)

Aber es gibt ja schon Golfer, die darauf extrem viel Wert legen.

Ich lege da auch großen Wert drauf. Aber es gibt eben Geschichten, die man als Amateur nur erlebt, wenn man auch mal mit Profis zusammen spielt. Da lernt man Demut und Ehrfurcht und kann diesen Sport besser einschätzen.

Sie sprechen da aus eigener Erfahrung?

Absolut. Eine lustige Geschichte habe ich zum Beispiel auf dem schönsten Platz der Welt erlebt. Meine Frau hat mir zu meinem 60. Geburtstag eine Runde auf dem Golfkurs Pebble Beach in den USA geschenkt. Das war natürlich der Wahnsinn. Ich komme da hin und werde eingewiesen. Abschlag eins, Pebble Beach, dann steht ein Caddie da. Der hat schon Tiger Woods und viele andere begleitet. Gänsehaut! Der fragt mich dann, ob ich Pebble Beach kenne. Ich sage: „Klar!“ Dann fragt er, ob ich Pebble Beach schon gespielt hätte. Ich sage: „Klar!“ Er schaut mich schon leicht verwundert an und fragt, wie oft ich Pebble Beach gespielt hätte. Ich sage: „An die hundert Mal!“ Aus seiner Verwunderung wird Fassungslosigkeit. Er fragt, wer ich sei, weil er mich dann eigentlich kennen müsse. Ich sage: „Ich bin Fußballtrainer in Deutschland, mich kennt hier keiner.“ Wo ich denn dann gespielt habe? Meine Antwort: „In Bottrop! Wenn bei uns Schnee liegt, dann spiele ich dort immer am Golfsimulator. Da spiele ich natürlich immer Pebble Beach.“ Mit Bottrop konnte er dann gar nichts anfangen und schüttelte nur den Kopf. Mein Abschlag war anschließend überragend: Schön aus dem Dogleg habe ich den Ball rechts aufs Grün gelegt. Der Caddie schaut mich daraufhin mit großen Augen an. Dann kommt es zum Putt. Ich konzentriere mich auf den Ball, und in dem Moment steht vor mir plötzlich ein Hirsch! Na ja, aus einem Birdie wurde ein Doppel-Bogey. Der Caddie kam grinsend zu mir und sagte: „Excuse me, Sir. Now I know, what Bottrop means“. Aber es ist ein toller Platz. Ich habe schon fast alles gespielt auf der Welt. Natürlich auch St. Andrews. Aber Pebble Beach ist der schönste Platz der Welt.

Noch mal zurück zu den alten Klischees. Kommt es da nicht manchmal zum Kulturschock?

Natürlich kommt es da auch zu lustigen Erlebnissen, wenn Leute die Dinge einfach anders angehen. Bei einem Benefiz-Turnier auf dem Golfkurs Valderrama in Spanien hatte Helmut Kremers (ehemaliger Fußballprofi bei Schalke 04, Anm. d. Red.) eine Dame im Flight mit Handicap 36. Das ist ja eigentlich schon schlimm genug (lacht). Auf der 18 standen da bestimmt 300 oder 400 Leute in Erwartung des Flights, und die Dame hat mit dem fünften oder sechsten Schlag den Ball in den Bunker direkt vor dem Grün geschlagen. Plötzlich nimmt sie den Ball völlig selbstverständlich in die Hand und wirft ihn aufs Grün. Wir waren alle total verwundert, und ein Raunen ging durch die Runde, aber sie war sich keiner Schuld bewusst.

Was war passiert?

Na ja, Fußballer eben. Der Helmut Kremers hat der Dame eingeredet, dass Frauen mit Handicap 36 den Ball aus dem Bunker werfen dürfen und nicht den Schläger benutzen müssen. Das passiert, wenn du mit Fußballern unterwegs bist.

Klingt aber irgendwie auch nach Spaß.

Wenn ein Golfer unsere wöchentlichen Spaßrunden jeden Montag, Mittwoch und Freitag sehen würde, dann denkt der, da sind vier Flights unterwegs und jeder streitet mit dem anderen. Da gibt’s nur Sprüche. Aber wir können uns natürlich auch anpassen.

Sie haben während der „DB Regio NRW Tour“ gesagt: „Spiel mit jemandem eine Runde Golf und du weißt, ob die Person ehrlich ist.“ Haben Sie also schon negative Erfahrungen gemacht?

Natürlich. Beim Golf zeigt man seinen wahren Charakter. Jeder kann sich mal verzählen, das ist gar keine Frage. Aber ich habe auch schon Sachen erlebt, da fasst man sich nur an den Kopf. Da „schlägt“ einer den Ball aus dem Wald und kommt dann aber ohne Schläger aus dem Gestrüpp. Herzlichen Glückwunsch.

Klassiker. Schläger im Wald verloren?

(lacht) Ja, natürlich. Das sind eben diese Erfahrungen, die man macht. Auch ein Klassiker: Mit dem Fuß heimlich den Ball in eine bessere Lage kicken. Da weiß ich dann, dass das Menschen sind, auf die ich mich im wahren Leben nicht verlassen kann. Die betrügen sich selbst und den Mitspieler. Mit denen brauche ich privat keinen Kontakt.

Wenn man aus dem Leistungssport kommt, dann ist man ehrgeizig. Wie gut kommen Sie mit Rückschlägen während eines Turniers klar?

Locker. Ich bin ehrgeizig ohne Ende, aber es geht immer noch um den Spaß. Es wäre etwas anderes, wenn ich dafür Geld bekäme. Aber selbst im Fußball wollte ich auch immer Spaß haben. Meine Laune kann sich durch eine schlechte Runde nicht ändern. Ich ärgere mich mal über einen schlechten Schlag, aber meine Grundeinstellung bleibt gleich.

Das Interview erschien zunächst in der GOLFSPIEL 02/18. Es wurde von Max Bensinger geführt.

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