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Helfen statt ausgrenzen

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter der chronischen Krankheit Adipositas. Statt Hilfe und Unterstützung erfahren sie meist nur Beleidigungen und Ablehnung. Die Initiative Gesundgewicht e.V. will dies ändern und setzt dabei auf eine besondere Kampagne.
Gesundgewicht e.V.

Immer mehr Menschen in Deutschland sind Übergewichtig. Auf Hilfe hoffen sie meistens vergeblich. (Foto: imago images / Panthermedia)

23,6 Prozent – Das ist der Anteil der Menschen in Deutschland die unter Adipositas leiden. Ungefähr genauso hoch ist die Anzahl der Menschen, die deswegen als verfressen, faul und / oder hässlich abgestempelt werden. Und die Zahl der Menschen, die keine ausreichende professionelle Hilfe erhalten und die sich durch einen schier unüberwindbaren Bürokratie-Dschungel kämpfen müssen.

Kampf gegen Vorurteile

Genau auf diese Missstände will die 2018 gegründete Initiative Gesundgewicht e.V. aufmerksam machen und zwar mit einer provokanten Plakat- und Anzeigenaktion. Damit beweist allerdings nicht nur das Projekt Mut, sondern vor allem diejenigen, die sich auf den Plakaten präsentieren. Statt den üblichen Models, die sonst die Plakat-Landschaft einer Stadt pflastern, sind dieses Mal adipöse Menschen zu sehen. Sie wollen ihre Geschichte erzählen und einen Beitrag dazu leisten, dass Adipositas als Krankheit anerkannt wird.

Für die abgebildeten Menschen keine einfache, aber eine lohnende Sache, wie Alexandra Piskol, eine der Plakatgesichter, berichtet: „Mich selbst für die Kampagne fotografieren zu lassen fiel mir nicht leicht. Wenn mein Beitrag allerdings andere Betroffene ermutigen kann, sich ebenfalls in die Öffentlichkeit zu wagen und sich mit uns für mehr Aufklärung stark zu machen, dann hat es sich für mich gelohnt.“ Die Plakate enthalten zudem eine Info mit möglichen Anlaufstellen und sollen somit den Weg in die Therapieangebote erleichtern.

Ein Teufelskreis

Wie wichtig der Kampf gegen Adipositas ist, zeigen auch die folgenden Zahlen: Adipositas löst bei Erkrankten nachweislich mehr als 60 Folge- und Begleiterkrankungen wie Diabetes Mellitus Typ II, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen aus. Nicht nur eine Belastung für die Betroffenen und ihre Familie, sondern auch für das Gesundheitssystem. Die direkten Kosten belaufen sich bereits jetzt auf mehr als 29 Milliarden Euro pro Jahr und die Zahl der extrem adipösen Menschen steigt immer weiter.

Statt Hilfe angeboten zu bekommen, werden den Erkrankten meist noch Steine in den Weg gelegt. Therapiemaßnahmen werden oft verwehrt, der bürokratische Aufwand der Krankenkassen ist enorm und bis heute gibt es keine bundesweit einheitliche Finanzierung. Viele der Betroffenen trauen sich aber ohnehin nicht mehr in die Öffentlichkeit oder zum Arzt – aus Scham oder Angst. Ein Zustand, der die Betroffenen immer weiter in die Krankheit treibt.

Zusammen stärker

Andreas Flüs, Vorstand von Gesundgewicht e.V. ist es dabei besonders wichtig zu betonen, dass bei dem Thema Adipositas alle gefragt sind: „Wir als Gesellschaft sind in Bezug auf den alarmierenden Anstieg von Adipositas-Erkrankungen gleich mehrfach gefragt: Zum einen braucht es mehr Verständnis für die Betroffenen und einen Ausbau der Therapiemöglichkeiten, zum anderen muss es gelingen, die Ursachen zu erkennen, um durch konkrete Prävention die Anzahl von Neuerkrankungen zu minimieren.“

Er will mit seiner Initiative und der Kampagnen einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Dabei hat er prominente Unterstützung, denn auch die Kölner Haie und die Cologne Crocodiles fördern das Projekt.

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