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Handball in Köln: Zwischen Lust und Frust

Während der letzten WM wurde die Domstadt erneut zum Handball-Mekka, als zigtausende Fans in die Lanxess-Arena strömten und mit Begeisterung dabei waren. Nur, wo bleibt ein Handballverein, der endlich die Herzen der kölschen Sportfans höherschlagen lässt?
Handball

Volle Ränge: Bei der Handball-WM in Köln kannte die Begeisterung bei den Zuschauern keine Grenzen. (Foto: imago/Sven Simon)

Eine riesige Welle der Begeisterung schwappte im Januar durch die Lanxess-Arena, immer und immer wieder. Als die Handballer der deutschen Nationalmannschaft ihre WM-Partien gegen Island, Kroatien und Spanien im „Henkelmännchen“ austrugen und alle drei gewinnen konnten, kannte die Euphorie auf den Rängen keine Grenzen mehr. Der WM-Pokal fühlte sich zum Greifen nahe, und nur zu gerne hätten die kölschen Handballfans „ihre“ Helden behalten, anstatt sie für das Halbfinale in den Norden ziehen zu lassen. Köln kann Handball-Weltmeister, ist doch keine Frage. Hat ja schließlich 2007 schon einmal geklappt. Dass der vom Spielplan diktierte Ortswechsel gen Hamburg dem DHB-Team kein Glück bringen konnte – klar, welcher Kölner hat das nicht geahnt. Ohnehin wird die Metropole am Rhein gerne als „Handball-Hauptstadt“ der Republik bezeichnet. Auch weil das jährliche Top-Event im europäischen Vereinshandball, das „Final4“ der Champions League, mindestens noch bis 2024 in der Lanxess-Arena steigt. Ohne Zweifel ist dann der Spitzensport des Handballs in Köln zu Hause.

Aber sonst? Findet der Handballsport in Köln weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und man fragt sich zu Recht: Wieso nur gelingt es keinem Kölner Handballteam, sich hier in den Vordergrund zu spielen? Die Domstadt steht für viele Breiten- und Spitzensportarten, doch Handball ist schlichtweg unterrepräsentiert. Neben den hochklassigen  Fußballklubs der Stadt zählt das Eishockeyteam der Kölner Haie zu den sportlichen Aushängeschildern. Eine gut besetzte Handballmannschaft könnte dies wunderbar ergänzen. Auf der kölschen Sportkarte zeigen sich durchaus Vereine mit Handballabteilungen, beispielsweise der MTV Köln 1850, der SC Fortuna Köln oder der Longericher SC. Erst- und Zweitgenannter spielen mit ihren Handballteams lediglich in der Oberliga (4. Liga) und sind in der vergangenen Saison nur knapp dem Abstieg entkommen. Die 1. Herren des MTV sowie der Fortuna sind derzeit von den Aufstiegsplätzen entfernt und befinden sich im Mittelfeld der Oberliga.

Handball-Allianz mit dem FC?

Einzig der Longericher SC kann als Drittligist Höheres vorweisen. 1926 im gleichnamigen Kölner Stadtteil gegründet, trägt der LSC seine Heimspiele in Chorweiler aus, in der 500 Zuschauer fassenden Halle der Heinrich-Böll-Gesamtschule. 2015 gelang zwar der Aufstieg in die 3. Liga-West, aber weiter nach oben ging es bislang nicht. „Für das nächste Jahr haben wir bereits einige Neuzugänge verpflichtet, die wir demnächst bekanntgeben werden“, verriet Torsten Menz, Sportdirektor des Longericher SC, gegenüber Köln.Sport. „Wir haben uns vorgenommen, wieder oben anzugreifen.“

Doch der LSC-Verantwortliche führt vor allem mangelnde Unterstützung für den Stillstand an. „Im Endeffekt mangelt es nicht an den sportlichen Möglichkeiten. Wenn die nötigen Spieler sich für ein aussichtsreiches Projekt gewinnen ließen, könnte man etwas bewegen.“ Vielmehr beklagt der Sportdirektor in Köln fehlende Sponsoren-Unterstützung. Außerdem könne der LSC die Zweite Liga nicht angehen, solange die Rahmenbedingungen in Bezug auf eine Sporthalle nicht zu erfüllen sind.

Eine aufschlussreiche Antwort darauf, warum sich in der Sportstadt Köln kein dauerhaftes Handballfieber entfachen lässt, gibt es nicht. „Im Augenblick sehe ich nicht die Möglichkeit, dass Köln einen Spitzenklub ins Leben rufen kann“, stellt auch Trainer-Legende Heiner Brand ernüchtert fest. Dazu erfordere es einen ,Kölner‘ Namen sowie einen Sponsor, um leistungstechnisch in der Spitze mitspielen zu können. Brand sähe zum Beispiel einen „Zusammenschluss mit dem FC“ als Möglichkeit.

Letztlich müssen es auch die Verantwortlichen in der Sportstadt wollen, andernfalls hat der kölsche Handball keine Chance, um sich einen Platz in den nationalen Top-Ligen zu erkämpfen. „In Köln steht der Handball an dritter Stelle, nach Fußball und Eishockey“, ist LSC-Sportdirektor Torsten Menz überzeugt. Um den Handballsport unter den Domtürmen professionalisieren zu können, müsse man ihn breiter positionieren. Dass die letzte WM ein gewisses Interesse hervorgerufen hat, kann Menz bestätigen: „Bei den jüngeren Altersklassen bekommen wir einige Anfragen, weil sie bei den Spielen des DHB-Teams entweder in der Lanxess-Arena waren oder vor dem Fernseher mitgefiebert haben.“ Ebenfalls sei das Interesse für die 1. Herren des LSC („Anrufer erkundigten sich nach Spielplan und Trainingszeiten“) größer geworden. Deshalb fordert Menz: „Das Feuer, dass die WM ausgelöst hat, muss man am Leben halten.“ Sonst bleibt in (Handball-)Köln alles, wie es ist.

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